Kind beim Wickeln beide Beine gebrochen

Erding - Beim Windelwechseln hat ein Erdinger (40) seinem drei Monate alten Sohn beide Beide gebrochen. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe.

„Mir sind die Nerven durchgegangen“, versuchte sich Werner N. (Name geändert) am Dienstag für seinen schlimmen Aussetzer am 18. Januar zu entschuldigen. Der 40-jährige Selbstständige gab zu, in der Tatnacht den Säugling beim Windelwechseln so heftig auf die Unterlage gedrückt zu haben, dass sich der Kleine an beiden Beinen je eine Ober- und Unterschenkelfraktur zuzog.

Das Baby kam ins Kinderkrankenhaus Landshut, wo beim behandelnden Arzt der Missbrauchsverdacht aufkam. Werner N. gestand. „Aber es war nicht mit Absicht, und ich habe auch nicht mit solchen Folgen gerechnet.“ Er sei im Halbschlaf gewesen, weil es so spät war und er schon in der Nacht zuvor schlecht geschlafen habe.

Die Verletzungen hätten er und seine Lebensgefährtin erst am nächsten Tag in Form einer Schwellung bemerkt. Das Paar begab sich ins Krankenhaus. Die Frakturen könnten zwar auf die geschilderte Art entstanden sein, so der Arzt als Zeuge, dabei müsste der Angeklagte jedoch mit „unglaublicher Gewalt“, beide Füße ruckartig nach hinten überstreckt haben.

Werner N., der seitdem in München wohnt, durfte seinen Sohn danach nur im Beisein einer Mitarbeiterin vom Jugendamt sehen, inzwischen genügt die Anwesenheit der Mutter. Obwohl er bei ihr wieder einziehen will, hat er keine Verhaltensregeln entwickelt, sollten ihm wieder die Nerven durchgehen.

Einige Gespräche beim Jugendschutzbund München blieben ohne Ergebnis. „Ich fasse es nicht“, erklärte Richterin Astrid von Boenninghausen-Budberg, „dass man ihnen nicht gesagt hat, was sie machen sollen, wenn das Kind wieder einmal schreit“.

Die Staatsanwältin stellte die Frage der Bewährung in den Vordergrund. Zwar ist Werner N. neunfach vorbestraft, zumeist jedoch wegen Diebstählen. Zudem kritisierte sie, dass er Arbeit habe, aber keinen Unterhalt zahle. Mit einer Strafverbüßung „ist dem Kind am wenigsten geholfen“. Entsprechend ihrem Antrag verurteilte von Boenninghausen-Budberg den Angeklagten zu neun Monaten Freiheitsstrafe, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss er Unterhalt zahlen. Zusätzlich riet ihm die Richterin zu einer Therapie. „Sie müssen ja Angst vor sich selber haben“.

von Gert Seidel

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