Kind zu Tode geschüttelt: fünf Jahre Haft für Tagesmutter

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Alexandra S. muss fünf Jahre in Haft. Im Hintergrund: ihr Anwalt.

München - Eine Tagesmutter muss wegen des Todes eines ihr anvertrauten Kleinkindes fünf Jahre hinter Gitter.

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Der kleine Christopher war ihr anvertraut - doch im Stress schüttelte die Tagesmutter den 14 Monate alten Buben so heftig, dass er wenig später im Krankenhaus an einer Gehirnblutung starb.

Am Freitag hat das Schwurgericht München die Tagesmutter deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach Ansicht der Richter lag ein Fall von Körperverletzung mit Todesfolge vor. Unter Tränen hatte die 34-Jährige im Prozess die Tat vom 25. September 2008 gestanden. Die Tagesmutter habe aus "momentaner Verärgerung" gehandelt, weil das Kind mittags nicht schlafen wollte, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl in der Urteilsbegründung.

Wegen der noch schwach ausgeprägten Halsmuskulatur sei der Kopf des Kleinen mehrfach nach vorn und hinten geschwungen, sagte Götzl. So kam es zu der tödlichen Gehirnblutung. Die Eltern des Buben waren bei der Urteilsverkündung anwesend, sie hatten ein Bild ihres Sohnes vor sich.

Götzl beschrieb die Tagesmutter - eine alleinerziehende Mutter - als eine Frau, die ihren Aufgaben im Prinzip gewachsen war. "Sie hatte durchaus ein gutes Händchen für Kinder." Die 34-Jährige war seit 2005 Tagesmutter, sie betreute neben ihren eigenen beiden Töchtern drei vom Jugendamt vermittelte fremde Kinder. Der kleine Christopher war zur Tatzeit noch in der Eingewöhnungsphase.

Am Vortag hatte er bereits den Mittagsschlaf verweigert und zwei Stunden geweint. "Es war ihr wichtig, dass er sich ans Einschlafen gewöhnt, sie wollte Erfolg", sagte der Richter. Doch das Kind wurde, nachdem es zunächst eingenickt war, wieder unruhig, weinte und versuchte aufzustehen. Die Angeklagte habe ihn unter den Armen gepackt und trotz ihrer Erfahrung in einem Augenblicksimpuls geschüttelt. "Hätte sie sich Gedanken gemacht, wäre ihr bewusst gewesen, dass der Kleine schwer verletzt werden konnte", sagte Götzl. Als die 34-Jährige später nach Christopher sah, war er bewusstlos.

Die Angeklagte hatte dem Notarzt wie auch der Mutter des Buben die Schüttelattacke verschwiegen. Sie hat laut Urteil nicht gedacht, dass ihr Schweigen zum Tod des Kindes führen konnte. Tatsächlich sei das auch nicht der Fall gewesen, laut Gutachten wäre Christopher auch bei sofortigem Hinweis auf das Schütteln nicht zu retten gewesen.

Das Gericht hielt der zuvor stets unbescholtenen Angeklagten ihr Geständnis und ihre erkennbare Reue zugute. Auch habe es sich um eine Spontantat gehandelt. Die 34-Jährige sei nun auf Jahre von ihren Töchtern getrennt, dies habe sie sich allerdings selbst zuzuschreiben. Christophers Eltern aber sähen ihr Kind nie wieder, betonte der Richter. Seine Mutter, inzwischen wieder hochschwanger, ist noch immer in psychotherapeutischer Behandlung.

Die Angeklagte nahm das Urteil gefasst auf. Es lag um ein Jahr unter dem Antrag von Staatsanwalt Andreas Franck. Verteidiger Jürgen Niemeyer hatte auf höchstens drei Jahre Freiheitsstrafe wegen eines minderschweren Falles plädiert. Eine eventuelle Anfechtung des Urteils will er mit der Angeklagten besprechen.

dpa

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