Ein Fall trug sich in dieser Tiefgarage zu

Kinderarzt (39): Verbrechen in drei Städten

Harry Michael S.

München - Ein 39-jähriger Kinderarzt soll in München und an anderen Orten Buben im Alter zwischen 4 und 7 Jahren missbraucht haben. Die Polizei hat den Mann jetzt festgenommen.

Er war Experte darin, das Leben der kleinsten Patienten zu retten. Harry Michael S. (39) war am Klinikum Augsburg Experte für pädiatrische Intensivmedizin – diese Ärzte kümmern sich um kranke Neugeborene. Jetzt wurde er verhaftet. Er steht im dringenden Tatverdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Der erste Fall, der ihm zur Last gelegt, sorgte in München für Abscheu und Angst. Am 4. Juni 2012 war in der Dachauer Straße im Münchner Stadtteil Moosach ein Vierjähriger am helllichten Tag in einer Tiefgarage missbraucht worden. Der Täter wurde nicht gefasst. Im Juli und August 2014 wurden in Augsburg mehrere Fälle des sexuellen Missbrauchs an Buben im Alter von vier bis sieben Jahren angezeigt, am 18. August 2014 gab es einen Fall in Garbsen bei Hannover.

In dieser Moosacher Tiefgarage wurde ein Vierjähriger missbraucht. Im dringen Tatverdacht steht nun ein Kinderarzt aus Augsburg.

Eine Auswertung der DNA-Spuren, die bei allen Fällen gesichert werden konnten, ergab eine Übereinstimmung – es war jedes Mal der selbe Täter. „Ein Abgleich mit unserer Datei war jedoch negativ“, sagte der erste Kriminalhauptkommisar Ignaz Raab zur tz, er war nicht als Sexualstraftäter in Erscheinung getreten. Da Harry Michael S. jedoch in den in Frage kommenden Zeiträumen jeweils in München, Augsburg und Hannover tätig war, dort Wohnungen hatte und ihm mit der Auswertung seiner Handydaten ein Aufenthalt zur jeweiligen Tatzeit nachgewiesen werden konnte, hatte das Kommissariat für Sexualdelikte genug Beweise, die für einen Haftbefehl ausreichten. Er wurde am Dienstag in seiner Wohnung in Augsburg festgenommen, schweigt aber bislang zu den Tatvorwürfen.

Sowohl im Klinikum Augsburg als auch in der Medizinischen Hochschule Hannover, wo Harry Michael S. seit 1. September 2013 als Assistenzarzt auf der Intensivstation der Kinderklinik tätig war, herrscht Entsetzen. Beide Einrichtungen äußern in Stellungnahmen tiefe Bestürzung und Fassungslosigkeit. Beide Kliniken betonen, dass die Taten außerhalb der Dienstzeiten des Kinderarztes und nicht auf dem Klinikgelände passiert seien. Weder in Augsburg noch in Hannover sei der Mediziner auffällig geworden. Keine der dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten stehe „im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Arzt“, heißt es in Hannover.

Die Kripo prüft jetzt, ob Harry Michael S. noch für weitere Fälle in Frage kommt.

Volker Pfau

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