41-Jähriger ist hochgefährlich

Hammer-Attacke: Kindermörder Martin P. wollte wieder töten

Martin P. hat zwei Kinder getötet und sitzt deshalb lebenslang hinter Gittern. Der heute 41-Jährige ist nach wie vor hochgefährlich. Nun versuchte er erneut, jemandem Leid zuzufügen.

Regensburg/München - Neuneinhalb Jahre hat Martin P.  in einer Gefängniszelle verbracht, weil er einen elf Jahre alten Ministranten mit über 70 Messerstichen tötete. Nach zehn Monaten in Freiheit brachte er wieder ein Kind um, den kleinen Peter (9) aus München. Seit 2006 ist der gebürtige Regensburger in einer Hochsicherheitspsychiatrie untergebracht. Dort wollte er wieder morden. Einem Mithäftling soll er mit einem Hammer den Schädel eingeschlagen haben. Jetzt wird dem 41-Jährigen der nächste Prozess gemacht.

Als „eine Gefahr für die Allgemeinheit“ bezeichnete Richter Manfred Götzl den Sexualstraftäter Martin P. bei der Urteilsverkündung im Januar 2006. Gutachter attestierten ihm eine schwere seelische Abartigkeit, krankhafte Pädophilie gepaart mit sexuellem Sadismus. Es sei mit weiteren schweren Straftaten zu rechnen, hieß es damals am Münchner Landgericht. Am 7. Oktober 2015 zeigte Martin P., wie gefährlich er auch 23 Jahre nach seiner ersten Tat noch ist. Die Tat wurde jetzt bekannt, weil die Regensburger Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes erhoben hat. Wann der Prozess gegen Martin P. beginnt, steht noch nicht fest.

P. wurde immer wieder von Experten als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet

„Wir gehen davon aus, dass er töten wollte“, sagt der Regensburger Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Fiedler im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor knapp zwei Jahren soll der zweifache Kindermörder im Straubinger Bezirkskrankenhaus einem Mithäftling bei einem gemeinsamen Fernsehabend mit einem 700 Gramm schweren Hammer auf den Kopf geschlagen haben. Der Angriff sei von hinten erfolgt, sagt Fiedler. „Es ist davon auszugehen, dass der Geschädigte nicht damit gerechnet hat, weil er ihm den Rücken zuwandte.“ Immer wieder soll P. auf sein 27 Jahre altes Opfer eingeschlagen haben. Einige Hiebe konnte dieses mit der Hand abwehren, zog sich dabei Brüche zu. Andere trafen den Kopf. Ein Patient ging dazwischen und verhinderte mindestens gravierendere Verletzungen, laut Staatsanwaltschaft sogar den Tod. Rechtsmediziner haben den Hammer untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man mit diesem Werkzeug einen Menschen töten könne, so die Staatsanwaltschaft.

Woher rührt die Mordlust jenes Mannes, der von Richtern, Psychologen und Kriminalpolizisten über Jahre hinweg wiederholt als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet wurde? Die Anklage werde vor dem Hintergrund erhoben, dass P. die Schwere seiner Taten wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung nicht erkennt, sagt Oberstaatsanwalt Fiedler: „Wir gehen von einer erheblichen Verminderung der Schuldfähigkeit aus.“ Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass Martin P. sich durch die Tat sexuell befriedigte.

So wie er es auch 1994 tat, im zarten Alter von 18 Jahren. An jenem Tag im Oktober schwänzte P. die Berufsschule, ging stattdessen in ein Regensburger Café, aß eine Pizza und trank Weißbier. Dabei stellte er sich sexuelle Handlungen mit seinem späteren Opfer vor, dem 11 Jahre alten Tobias. Im damaligen Prozess sagte er: „Der Gedanke an ein sexuelles Abenteuer hatte sich festgesetzt.“ Später lauerte er dem Ministranten an der Herz-Marien-Kirche auf, zerrte das Kind hinter einen Schuppen und versuchte, sich an Tobias zu vergehen. Weil sich dieser wehrte, zückte P. sein Butterfly-Messer und stach zu. Mehr als 70 Mal, wie Gerichtsmediziner bei der Obduktion der Leiche feststellten. Dabei waren es nur drei Einstiche, die zum Tod führten, der Rest war pure sexuelle Befriedigung.

Er tauchte wieder in seine Welt voller perverser sexueller Fantasien ab

P. wurde im Anschluss zu neun Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt. Während dieser Zeit gestand er die Vergewaltigung eines Neunjährigen 1992, saß deshalb ein weiteres halbes Jahr im Gefängnis. Dort lernte er den Vater seines zweiten Opfers kennen. Unter Bewährungsauflagen kam Martin P. im April 2014 frei. Fatal, wie sich zehn Monate später herausstellen sollte.

Gutachter warnten vor der Gefährlichkeit des damals 28-Jährigen. Für psychisch krank erklärten ihn die Ärzte aber nicht. In Freiheit verstieß er gegen seine Auflagen, brach den Kontakt zu seinen Therapeuten ab und tauchte erneut in seine eigene Welt ab, umgeben von perversen sexuellen Fantasien. Er suchte Kontakt zu der Familie seines Zellengenossen, passte sogar auf dessen Kinder auf. Darunter war auch der neun Jahre alte Peter. Später gab sein Vater an, dass er den Grund für P.s Inhaftierung kannte. Er habe ihm aber gesagt: „Wenn du meine Kinder anrührst, bringe ich dich um“. Doch Martin P. ließ sich von seinem Plan nicht mehr abbringen.

Am 17. Februar 2005 lockte er den kleinen Peter nach der Schule in seine Münchner Unterkunft, wo er den Buben zum Sex zwingen wollte. Als sich Peter wehrte und zu weinen begann, würgte P. ihn mit beiden Händen. Von seiner sexuellen Lust getrieben, stülpte er dem wehrlosen Schüler einen Müllsack über den Kopf und schnürte ihn zu. Peter starb qualvoll. Seine Leiche verstaute P. im Kleiderschrank. Als Peters Eltern verzweifelt nach ihrem Sohn suchten, bot P. sogar noch Hilfe an. Bevor er sie in einem Müllcontainer entsorgte, verging sich P. ein letztes Mal an der Leiche.

Die Frage ist: Wie konnte P. im Hochsicherheitstrakt an einen Hammer kommen?

Nach der Urteilsverkündung im Jahr 2006 war klar: Der zweifache Kindermörder kommt nie wieder frei. Martin P. zeigte bei den Worten der Richter keine Regung. Das Gericht verhängte nicht nur lebenslange Haft, sie ordneten eine unbefristete Unterbringung in einer Psychiatrie sowie die anschließende Sicherungsverwahrung an. Nun schlug P. in der Straubinger Psychiatrie erneut zu.

Bleibt die Frage, wie P. im Hochsicherheitstrakt überhaupt an einen Hammer kommen konnte. Klaus-Dieter Fiedler: „Der Angeklagte arbeitete im Krankenhaus als eine Art Hausmeister, hatte dafür auch einen Materialwagen mit verschiedensten Werkzeugen.“ Eigentlich, so der Oberstaatsanwalt, sollte der Wagen nach jeder Schicht von Klinikmitarbeitern auf seine Vollständigkeit überprüft werden. Eigentlich.

Vonseiten des Krankenhauses heißt es in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme: „Die internen Abläufe in der Arbeitstherapie hinsichtlich der Frage des Einsatzes von Patienten wurden kritisch geprüft und Veränderungen vorgenommen.“ Häftlinge, die für ihre Tätigkeiten Werkzeuge zur Verfügung haben, werden im Straubinger Bezirkskrankenhaus künftig also noch stärker überwacht.

Rubriklistenbild: © dpa

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