Staatsanwaltschaft entlarvt 322 Männer

Kinderpornos: Gericht feuert Ministerialrat

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Wie kann ein Mensch nur Videos und Fotos ansehen, auf denen kleine Kinder brutal vergewaltigt und sexuell missbraucht werden?

München - Wie kann ein Mensch nur Videos und Fotos ansehen, auf denen kleine Kinder brutal vergewaltigt und sexuell missbraucht werden?

Dr. Paul T. (50, Name geändert), Ministerialrat im bayerischen Wirtschaftsministerium, hat sogar viel Geld für den Kauf dieser ekelerregenden Kinderpornos bezahlt! Dafür bekam er vom Verwaltungsgericht gestern die Quittung: Der hohe Beamte wird aus dem Dienst entfernt!

Die Aktion Mikado brachte es an den Tag: Bundesweit entlarvte die Staatsanwaltschaft 322 Männer, die für die Lieferung von Kinderporno-Dateien mit der Kreditkarte bezahlt hatten. Einer war der Ministerialrat, ein Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium. Er hatte 1315 Pornobilder heruntergeladen, auf denen kleine Mädchen im Alter von zum Teil nur zwei Jahren auf übelste Weise missbraucht wurden. Noch schlimmer waren die 23 Videos. Auf einem Film beispielsweise wurde die brutale Vergewaltigung eines etwa fünf Jahre alten Mädchens gezeigt!

Als Polizeibeamte im Dezember 2006 den Laptop und Speichermedien des Beamten beschlagnahmten, half Leugnen nichts mehr. Die Beweise lagen auf dem Tisch. Dr. Paul T. gestand alles.

Im Januar 2007 berichtete die tz exklusiv über den Sex-Skandal. Der Beamte saß zu diesem Zeitpunkt noch an seinem angestammten Arbeitsplatz, als sei nichts geschehen. Nach dem tz-Bericht wurde er in eine andere Abteilung versetzt, wird aber nach wie vor nach der Besoldungsgruppe A 16 (über 5000 Euro monatlich) bezahlt.

In der Zwischenzeit erhielt der Beamte einen Strafbefehl: 10 Monate Haft auf Bewährung. Als Bewährungsauflage musste er 3000 Euro bezahlen. Diesen Strafbefehl akzeptierte er und ist damit vorbestraft.

Der Freistaat Bayern strebte zunächst nur eine Degradierung des Ministerialrats auf Besoldungsstufe A 14 an. Doch dann legte Landesanwältin Simone Widmann nach und forderte die Entfernung aus dem Dienst.

Zum gestrigen Prozess erschien der Beamte nicht. Sein Anwalt Dr. Gerd Tersteegen forderte eine Vertagung des Prozesses. Sein Mandant müsse erst psychiatrisch begutachtet werden, den er leide unter einer „pathologischen Mutterbindung“ und habe sich in einem Ausnahmezustand befunden.

Für ein Disziplinarverfahren sei dies ohne Bedeutung, stellte Richterin Cornelia Sauter-Schwarzmeier fest. Das Urteil: „Der Beklagte wird aus dem Dienst entfernt!“ Tersteegen wirft dem Gericht Voreingenommenheit vor und kündigte Rechtsmittel an.

Eberhard Unfried

Quelle: tz

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