Kommt Andreas R. nie wieder frei?

Kinderschänder verweigert Aussage

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Dem Angeklagten droht die nachträgliche Sicherungsverwahrung

München - Im Münchner Prozess um Kindesmissbrauch trotz elektronischer Fußfessel hat der Angeklagte die Aussage zunächst verweigert. Er misstraut dem psychiatrischen Gutachter.

Er hatte Kinder sexuell missbraucht, hatte ihren Körper, vor allem aber ihre Seelen verletzt. Nach über 13 Jahren hinter Gittern erhielt Serientäter Andreas R. (41) am 19. Januar 2012 eine Chance: Unter strengen Auflagen und ausgerüstet mit einer elektronischen Fußfessel kam er in Freiheit. Die Gelegenheit nutzte er auf seine Weise: Er missbrauchte wieder ein Kind! Jetzt wird ihm erneut der Prozess gemacht. Kommt er nun endgültig in Sicherungsverwahrung?

Im April 2006 hätte Andreas R. alle seine Strafen verbüßt. Die Justiz ließ den Sex-Verbrecher aber nicht laufen und ordnete die nachträgliche Sicherungsverwahrung an. Die Unterbringung wurde schließlich für „erledigt“ erklärt. Neben der elektronischen Aufenthaltsüberwachung musste er sich an strenge Weisungen halten: Ihm wurde auch verboten, sich in Wohnungen aufzuhalten, in denen sich Kinder befinden.

Doch dann freundete sich Andreas R. mit der Mutter eines achtjährigen Mädchens an, er übernachtete bei der Frau. Eines nachts im April schlich er ins Kinderzimmer und befummelte sein Opfer. Er machte deutlich, dass er noch mehr will. Das Opfer verkroch sich verzweifelt unter die Decke und begann zu weinen. Staatsanwalt Martin Engel: „Der Angeklagte handelte in der Absicht, sich sexuell zu erregen.“ In der Folgezeit lud der Täter die elektronische Fußfessel nicht mehr auf, sie gab Alarm und so flog er bei der Polizei auf.

Bisher hat der Kinderschänder geschwiegen. Verteidiger Adam Ahmed sorgte Mittwoch für eine Überraschung: „Der Angeklagte wird Angaben machen, wenn ein anderer Gutachter beauftragt wird.“ In den Psychiater Dr. Matthias Hollweg, der 2006 die Sicherungsverwahrung befürwortet hatte, habe er kein Vertrauen. Das Gericht beauftragte Dr. Christian Graz vom Isar-Amper-Klinikum (Haar) als weiteren Sachverständigen. Der Prozess geht am Freitag weiter.

E. Unfried

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