Mit Fußfessel entlassen

Kinderschänder missbraucht wieder Mädchen

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Andreas R. 2006 vor Gericht: Er bekam Sicherungsverwahrung, musste zurück in den Knast

München - Kinderschänder Andreas R. (40) saß mehrere Jahre hinter Gittern, bevor er im Januar mit einer Fußfessel in Freiheit kam. Wie "Report München" berichtet, wurde er knapp vier Monate nach der Entlassung rückfällig.

Diese Justiz-Schande sollte wohl unter dem Deckel gehalten werden. Doch wie das ARD-Magazin Report München am Dienstagabend berichtete, ist der mehrfach verurteilte Sexualstraftäter Andreas R. (40) jetzt wieder rückfällig geworden! Der Münchner soll bereits im April ein siebenjähriges Mädchen missbraucht haben – vier Monate nach seiner Entlassung aus der Sicherungsverwahrung. Und das trotz Fußfessel!

Andreas R. war im Januar einer der ersten bayerischen Straftäter, dem die neue Überwachungsmethode verpasst wurde. Jetzt sitzt er schon wieder in U-Haft. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, bestätigte dem Magazin: „Wir haben einen Arbeitslosen als Tatverdächtigen. Nach meinem Kenntnisstand ist das der erste vermeintliche Rückfall trotz elektronischer Aufenthaltsüberwachung in Bayern.“

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

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Wie dieser erschütternde Fall zeigt, hat die Fußfessel ihre Wirkung völlig verfehlt: Andreas R. lernte die Mutter seines Opfers in einer Gaststätte kennen und ging mit ihr nach Hause. Als die Frau schon schlief, soll sich der 40-Jährige zu dem Mädchen geschlichen und sich an ihr vergangen haben.

Nachdem der Vater Anzeige erstattet hatte, befragte die Kripo die Siebenjährige in einem eigenen Vernehmungszimmer für Kinder. „In den Schilderungen kommen frappierende Ähnlichkeiten zu alten Taten von vor 1998 zum Tragen. Deshalb gehen wir als Staatsanwaltschaft von einer hohen Glaubwürdigkeit des Mädchens aus“, sagte Steinkraus-Koch gegenüber Report München.

Die Akte Andreas R. beginnt bereits 1986: Schon damals soll er einen Nachbarsjungen missbraucht haben. Allerdings verliefen die Ermittlungen dazu im Sand. 1993 fing er an, sich an seiner fünf Jahre alten Stieftochter zu vergehen. Mindestens 23 Mal! Dafür verurteilte ihn das Landgericht München 1999 zu knapp vier Jahren Haft. 2004 kam der Straftäter auf Bewährung frei, hielt sich aber schon da nicht an die Auflagen. Er soll seine Stieftochter wieder angerufen haben, ließ Termine mit dem Therapeuten platzen.

Nachdem er einem Mädchen in Neuperlach sogar über mehrere Wochen nachgestellt hatte, wurde die Bewährung widerrufen. Andreas R. bekam Sicherungsverwahrung und saß bis Ende 2011 erneut im Knast. Jetzt sollte ihn eine Fußfessel von neuen Taten abhalten – vergeblich.

ARB

So funktioniert die elektronische Fußfessel

170 Gramm schwer ist die elektronische Fußfessel. Die Energie bezieht sie aus einer wasserdicht verpackten Batterie

Die Fußfessel (offiziell: elektronische Aufenthaltsüberwachung) ist ein rund 170 Gramm leichter, kleiner Sender, der rund um die Uhr die Positionsdaten des Trägers an die bundesweite Überwachungsstelle im hessischen Bad Vilbel übermittelt. Je nach Bedarf kann der Sender so programmiert werden, dass er Alarm schlägt, wenn eine verbotene Zone (bei Pädophilen zum Beispiel ein Kindergarten) betreten wird oder der Träger – je nach Auflage – nicht zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause ist. Dabei kommen zwei Systeme zum Einsatz: GPS, das den Standort per Satellit bestimmt, und LBS, das auf dem Handynetz basiert. Mit dem Sender erhält der Träger auch ein Handy. Wird Alarm ausgelöst, wird zunächst per Handy Kontakt mit dem Betroffenen aufgenommen. Gelingt dies nicht, wird eine Fahndung eingeleitet. Der Sender schlägt auch Alarm, wenn man versucht, die Fessel zu manipulieren, abzunehmen oder zu zerstören.

München: Drei Täter tragen Sender

Die Gerichte haben bisher bei rund 300 Straftätern in Deutschland die Fußfessel angeordnet. Die Zentrale in Bad Vilbel, die mit elf Mitarbeitern ausgestattet ist, ist theoretisch für die Überwachung von bis zu 500 Straftätern ausgestattet. In Bayern hieß es Anfang des Jahres, es gebe 17 „Kandidaten“, für die diese Maßnahme geeignet sei. Fakt ist: Inzwischen wohnen drei Täter, die Fußfesseln tragen, in München. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, gab’s bei einem Fußfessel-Test (mit Polizeibeamten!) in der Landeshauptstadt allerdings Probleme: An einigen Stellen, etwa im Olympia-Einkaufszentrum, war die Ortung schwierig.

Politiker setzen übrigens auch wegen der Kosten auf Fesseln: Ein Überwachungstag kostet 30 Euro, ein Tag im Knast rund 100 Euro.

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