In der „Kinderstadt München“ hapert’s an Betreuungsplätzen

München - Eltern von Grundschulkindern haben allergrößtes Interesse an Ganztagsangeboten. Dieser bisher nur „gefühlte“ Bedarf bestätigt sich in einer aktuellen Befragung aller Mütter und Väter, deren Sprösslinge 2011/12 in die erste Klasse kommen.

„Für 82 Prozent aller Teilnehmer ist eine Betreuung am Nachmittag wichtig“, berichtet Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Bei Fünftklässler-Eltern sind es immer noch 75 Prozent!

Echte (gebundene) Ganztagsschulen bzw. -klassen stehen aber nur für drei Prozent aller Schüler zur Verfügung. Strobl: „Das ist Sache des Freistaats, wir können nur die Räumlichkeiten bereitstellen.“ Die Stadt versuche, die Situation für berufstätige Eltern durch Mittagsbetreuung und Horte zu verbessern – auch hier gibt es bekanntlich Defizite. Demnächst wird Stadtschulrat Rainer Schweppe das neue Projekt Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung vorstellen. Nachmittagsbetreuung ist eines der Probleme, die im ersten Familienbericht angesprochen werden, den Strobl und Sozialreferentin Brigitte Meier vorstellten. Der Status von München als „Kinder- und Familienstadt“ zeige sich schon in der seit Jahren steigenden Geburtenrate. Um die Münchner Kindl innerhalb des Burgfriedens zu halten, müssten unter anderem der geförderte Wohnungsbau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Arbeitszeiten, Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen) weiter forciert werden, so die SPD-Damen.

Die Abwanderung von Eltern mit Null- bis 14-jährigen Kindern gebe es zwar, aber nicht in dem Exodus-mäßigen Ausmaß, wie ihn die CSU regelmäßig anprangere. Auch gestern wies sie wieder darauf hin.

Laut Sozialreferat haben 2010 exakt 4836 Personen, meist aus dem Mittelstand, die Stadt Richtung Umland verlassen, darunter überdurchschnittlich viele Kleinkinder. Dort sei das Leben nicht viel billiger, so Strobl. „Wenn der Nachwuchs älter wird, vermissen Eltern oft die Infrastruktur der Stadt.“ Von den 125 000 Haushalten mit Kindern werden etwa 20 Prozent von einem Elternteil gemanagt; Alleinziehende leben laut Statistik eher in innerstädtischen Vierteln. 40 Prozent der Alleinerziehenden und ihre Kinder sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Die oft prekäre Lage von (Teil-)Familien zeigt sich auch darin, dass für ca. ein Drittel aller Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder keine Gebühren bezahlt werden müssen. Alles über Familien-Angebote unter www.muenchen.de/familie.

BW

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