Aus für das Tivoli!

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Christoph (li.) und Vater Fritz Preßmar geben auf: Sie schließen das Tivoli in der Neuhauser Straße am 16. Januar.

München - Schon wieder ein Traditionskino weniger! Das Filmtheater Tivoli in der Fußgängerzone macht nach 55 Jahren zum 16. Januar dicht, das hat die Besitzerfamilie Preßmar am Donnerstag bekannt gegeben.

Man habe als Vermieter mit vergleichsweise niedrigen Mieteinnahmen um den Erhalt gekämpft. „Aber die Schere zwischen steigenden Mietpreisen und sinkenden Besucherzahlen hat sich immer schneller und bedrohlicher geöffnet.“

Als eines der erfolgreichsten Filmkunstkinos Deutschlands hatte das nur 300 Plätze fassende Tivoli schon ein Jahr nach der Eröffnung 1954 384 000 Besucher zu verzeichnen – 2009 waren es nur noch 67 000. „Das liegt zum einen an der stetig wachsenden Konkurrenz durch die neuen Medien, aber auch die Multiplex-Kinos“, erklärt Geschäftsführer Christoph Preßmar, dessen Familie auch das Filmtheater Sendlinger Tor betreibt. „Ein weiteres Problem ist eine Entwicklung in der Filmwirtschaft: Früher gab es Exklusivrechte für Filme. Damals haben wir noch 40 Prozent der Einnahmen einer Vorstellung an den Filmverleiher abgeben müssen. Heute bekommt jeder jeden Film, und wir müssen sogar 53 Prozent zahlen. Das kann so nicht weitergehen.“ Er führt an, dass es 1959 noch 130 Kinos in München gegeben habe – heute sind es 43.

Zwar ginge es dem Tivoli noch nicht so schlecht wie manch anderem kleinen Kino in München. „Aber wir wollen einen sauberen Schlussstrich ziehen, bevor es zu spät ist und Beteiligte drauf zahlen müssen. Auch bei einem Liebhaberstück wird das ­finanzielle Risiko irgendwann einfach zu groß.“

Das Tivoli-Kino kann auf eine große Geschichte zurückblicken: Der Eröffnungs-Dokufilm „Die Wüste lebt“ von Walt Disney etwa erreichte in 19 Wochen Laufzeit die heute unglaubliche Besucherzahl von 156 598. In den Jahren 1984, 85 und 86 knackte der Film „Amadeus“ mit 245 369 Besuchern in 64 Wochen den Hausrekord. In den goldenen Zeiten gingen hier Größen wie Hans Albers, Karlheinz Böhm, Gert Fröbe, Leni Riefenstahl, Heinz Rühmann, Mario Adorf oder Roman Polanski ein und aus, sogar das griechische Königspaar kam 1961 zu einer Premiere. Aus und vorbei.

Ab Februar sollen statt des Kinos Läden einziehen. „Zumindest der neue Hauseingang wird gestalterisch noch an das Kino erinnern.“

Nina Bautz

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