Kippt dieser Brief Olympia?

München/Garmisch-Partenkirchen - Scheitert die Münchner Olympiabewerbung Münchens für 2018 am Veto von 59 Bauern und Grundstücksbesitzern? Was drin steht und wie Siegfried Schneider und Horst Seehofer reagieren.

In einem Schreiben (das der tz vorliegt) teilen sie jetzt Staatsminister Siegfried Schneider mit, dass sie eine Nutzung ihrer Grundstücke kategorisch ablehnen. Aber nicht nur das: Sie fordern den Minister auf, die Olympia-Bewerbung bis 22. Dezember zurückzuziehen. Wenn nicht, so lautet ihr „Ultimatum“, werde man das Internationale Olympische Komitee selbst informieren, dass ihre Grundstücke nicht zur Verfügung stehen.

Sowohl Schneider wie auch Ministerpräsident Horst Seehofer spielten am Dirnstag die Bedeutung des Schreibens herunter. Beide versicherten, dass die Bewerbung in jedem Fall abgegeben werde. Notfalls, so hieß es aus der Staatskanzlei, gebe es eine Ersatzlösung.

Die größten Ausrutscher bei Olympia 2010

Die größten Ausrutscher bei Olympia

Wie die aussehen könnte, ist allerdings fraglich. Zwar sollen nur wenige der verweigerten Grundstücke für die derzeitige Planung wirklich wichtig sein, doch diese wenigen scheinen unverzichtbar.

Ein Grundstück liegt beispielsweise direkt am Zielhang der Kandahar-Abfahrt. Auf anderen sind Parkplatze für Autos und Busse geplant – und alle Grundstücke liegen immer noch innerhalb der vom IOC vorgeschriebenen – und durch einen Zaun abgetrennten – Olympia-Zone!

Staatsminister Siegfried Schneider soll vor über 50 Zuhörern in Garmisch gegenüber den Grundbesitzern übrigens explizit eingeräumt haben, dass ihre Grundstücke für die Olympischen Spiele unverzichtbar seien – am Dienstag erklärte er dazu genau das Gegenteil. Pikant auch: Bei dem Gespräch am 26. November im Gasthof Zum Lamm in Garmisch-Partenkirchen soll Schneider seine Gesprächspartner auch darauf hingewiesen haben, dass ein Rückzug aus der Bewerbung besonders Ministerpräsident Seehofer treffen würde. Der könne dadurch an bundespolitischem Gewicht einbüßen.

Doch obwohl dieses Argument offensichtlich wenig verfing, will die Staatsregierung in jedem Fall weiter verhandeln. Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte: „Wir werden weiter nach Lösungen suchen und wir bleiben zuversichtlich, dass uns dies gelingt.“

Ob es dabei um mehr Geld oder Zugeständnisse in anderer Form (wie z.B. Baurecht) an die 59 Grundstückseigentümer gehen könnte, dazu wollte sich am Dienstag weder die eine noch die andere Seite äußern. Von Seiten der Staatskanzlei verlautete, dass das Ausbreiten von Details in der Öffentlichkeit nicht sonderlich hilfreich wäre. Doch ob die Geheimdiplomatie weiterhilft?

Es scheint, als ob das Feilschen um die Olympiagrundstücke sich zu einem Pokerspiel entwickelt. Mit ihrem Ultimatum haben die Grundstücks-Verweigerer ihren ersten Trumpf auf den Tisch gelegt. Nach tz-Informationen könnte es sein, dass dies nur Taktik war, um einer Finte der anderen Seite zuvorzukommen. Denn in der nächsten (nicht öffentlichen) Finanzausschusssitzung in Garmisch-Partenkirchen soll es auch um das Thema (zeitweilige) Enteignung gehen. Weil das Kandahar-Zielhang-Grundstück auch für die am 7. Februar beginnende Ski-WM nicht zur Verfügung steht.

Eine Enteignung lehnt Minister Schneider für Olympia zwar bisher kategorisch ab. Aber den Versprechen von Politikern glauben nicht mehr viele in Garmisch-Partenkirchen …

Der neue Skilehrerinnen-Kalender 2011

Der neue Skilehrerinnen-Kalender 2011 - fotografiert von Hubertus von Hohenlohe

Das sagen die Garmischer

Alexandra Roos-Teitscheid versteht die Welt nicht mehr. Für die CSB-Gemeinderätin ist es unbegreiflich, dass die Grundstückseigentümer, die ihre Flächen nicht für Olympische Spiele 2018 zur Verfügung stellen wollen, jetzt ein Ultimatum stellen! „Man muss doch abwägen zwischen dem Wohl von 60 Leuten und dem Wohl des ganzen Ortes.“ Ähnlich beurteilen die Vertreter des Vereins Garmisch-Partenkirchen von OlympiJa 2018 das Vorgehen: „Den Eigentümern wurde bereits zugesichert, dass alle Grundstücke nach der temporären Nutzung wieder in den Ursprungszustand gebracht werden“, weiß 2. Vorsitzender Karl Reindl. „Ein spezielles Olympia-Gesetz bürgt sogar dafür, dass alle Flächen wieder so hergestellt werden, wie sie vorher waren.“

Korbinian Freier, Sprecher der Landkreis-Grünen und Vertreter von NOlympia, sieht in dem Ultimatum der Grundstücksbesitzer hingegen „ein klares Signal“. Damit würden Aussagen des Freistaats ad absurdum geführt, dass angeblich alle strittigen Fragen längst geklärt seien.

Vielmehr seien die Betroffenen während der Verhandlungen stets mangelhaft informiert, schlecht behandelt und hinters Licht geführt worden, bestätigt Axel Doering, Kreisvorsitzender vom Bund Naturschutz. Für ihn ist die Reaktion der Eigentümer „eine Reaktion auf die Drohung im Rahmen der Ski-WM 2011, einen widerspenstigen Grundstücksbesitzer zu enteignen“. Zu derartigen Spekulationen lässt sich Elisabeth Koch, Fraktiobnsvorsitzende der CSU im Gemeinderat nicht hinreißen, für sie steht aber fest: „Das ist offensichtlich das Resultat von gravierenden Verhaltens- und Verhandlungsfehlern unserer Rathausspitze!“

T. Brinkmann

Alpenverein befragte Mitglieder

Bisher wurde immer darüber spekuliert, ob trotz der Olympia-Entscheidung des Marktgemeinderates von Garmisch-Partenkirchen auch tatsächlich die Mehrheit der Bevölkerung hinter der Olympia-Bewerbung für das Jahr 2018 steht. Jetzt gibt es dazu erstmals Zahlen. Die Sektion Garmisch-Partenkirchen des Alpenvereins befragte ihre über 5000 Mitglieder – und rund zehn Prozent (513) antworteten. Das Ergebnis: 47,6 Prozent lehnen die Olympischen Spiele ab, 45,4 Prozent würden sich über das Großereignis in der Marktgemeinde freuen (sieben Prozent Enthaltungen). Sektionschef Markus Dorfleitner sieht sich angesichts des Ergebnisses in seiner Vorgehensweise bestätigt. „Es ist gut, dass wir in der Sektion keine feste Stellung beziehen und damit Stimmung in die eine oder andere Richtung machen.“ Man wolle sich aber weiterhin inhaltlich an der Diskussion beteiligen. Der Alpenverein ist an den Bewerbungsvorbereitungen unter anderem mit dem Umweltkonzept „Bergtour 2018“ beteiligt.

Stuttgart 21, so Dorfleitner habe gezeigt, dass es wichtig sei, immer im Dialog zu bleiben. „Es ist nie alles getan, man kann immer noch mehr und besser informieren.“ Er appellierte daran, nicht nur von Problemen zu sprechen. „Dass hier diskutiert wird, ist doch ein ganz normaler Vorgang.“ Dorfleiter persönlich ist übrigens für eine Olympiabewerbung. Er glaube zwar nicht, das die Region vom Ereignis direkt sonderlich profitieren werde. „Langfristig werden sich die Olympischen Spiele aber auszahlen.“

Olympias Exoten: Dabei sein ist alles

Dabei sein ist alles - Olympias Exoten

Die Arenen Kandahar, Hausberg und Gudiberg

Im Schneepark Garmisch-Partenkirchen, für den die Olympia-Bewerber für die Winterspiele 2018 Grundstücke von Bauern benötigen, sind mehrere Wettkampfstätten vorgesehen:
- Alpinarena Kandahar (rechts) für Riesenslalom, ­Abfahrt, Super-Kombination und Super-G

- Olympia-Skistadion mit Slalom und Buckelpiste am Gudiberg (l.) sowie mit Skispringen und Nordischer Kombination

- Hausberg (r.) mit Snowboard Cross, Parallel-Riesenslalom und Ski Cross auf der Hornabfahrt

- Nordisches Skizentrum Schwaiganger mit Biathlon, Langlauf und Nordischer Kombination

Auch interessant

Meistgelesen

Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner

Kommentare