Es geht um 1,7 Millionen!

Kirche schickt Luca Toni den Gerichtsvollzieher

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Luca Toni will keine Steuern zahlen, weil er einen Netto-Vertrag hatte.

München - Keine Einigung beim Streit um die 1,7 Millionen Euro Kirchensteuer, die Ex-Bayern Star Luca Toni (38) nachzahlen soll. Beim Prozesstermin am Mittwoch wurden dafür pikante Details bekannt.

Luca Toni und die Kirchensteuer – es ist ein Streit, bei dem es immer noch keine Einigung gibt. Der Ex-Bayern-Star soll 1,7 Millionen Euro nachzahlen, die er in seiner Münchner Zeit zwischen 2007 und 2009 verdient hat.

Der gläubige Katholik aber behauptet, er sei falsch angemeldet worden – und hat seine Berater auf Schadensersatz verklagt.

Am Mittwoch der dritte Prozesstermin am Oberlandesgericht – es war der erste, zu dem der Italiener nicht erscheinen musste. In seiner Abwesenheit wurden pikante Details bekannt: Die Kirche will die fällige Steuer von Toni eintreiben – und dafür den Gerichtsvollzieher schicken! „Es gibt eine Vollstreckungsankündigung aus dem Jahr 2013“, bestätigt Toni-Anwalt Bertold Gaede. „Die Kirche hat das Finanzamt zur Vollstreckung beauftragt. Sie wollen sich das Geld in Italien holen.“

Denn Toni weigerte sich bisher zu bezahlen! Dadurch ist der ursprüngliche Betrag von 1,5 Millionen Euro bereits auf 1,7 Millionen angestiegen – inklusive Säumniszinsen. Aber: „Vor einer Verhaftung braucht er keine Angst zu haben“, sagt Richter Johannes Nagorsen. Denn Kirchensteuer-Hinterziehung „ist keine Straftat“. Aktuell spielt Toni bei Hellas Verona. Da er in Italien lebt, zieht sich die Vollstreckung gegen ihn hin – denn die Behörden müssen dafür kooperieren.

Mögliche Lösung für den Steuerstreit wäre ein gerichtlicher Vergleich: Demnach sollten Tonis Ex-Berater und der FC Bayern je 500.000 Euro zahlen und der Ex-Kicker den Rest, also 700.000 Euro. Das lehnte FCB-Anwalt Georg Jaeger Mittwoch aber erneut ab. Denn Toni habe, als er 2009 zum AS Rom wechselte, einen Abfindungsvertrag beim FC Bayern unterschrieben, in dem er alle Ansprüche abgetreten hat. Das OLG wird in dem Fall also ein Urteil sprechen müssen. Geplanter Termin ist der 23. Dezember. Nach jetzigem Stand könnte Toni als Sieger hervorgehen. Ihm werden wohl 925.000 Euro zugesprochen, das Geld müssten die Berater an den Italiener überweisen und er wiedeurm an die Kirche – plus den Rest von 775.000 Euro, den er selbst tragen müsste.

Auch für den FC Bayern wird der Prozess aber noch ein Nachspiel haben. Denn im Falle der Verurteilung könnten die Toni-Berater den Club in Regress nehmen und selbst verklagen. Möglich wird das aufgrund eines Fehlers von Susanne P. : Die Ex-Sekretärin aus dem Lohnbüro hatte ein falsches Kreuz gesetzt, als sie Toni im Sommer 2007 angemeldet hatte – sie trug dem Katholik keine Konfession ein. „So hat sich der FC Bayern Millionen gespart“, sagte bereits Richter Hans-Werner Wolf, der den Fall zunächst betreute. „Entscheidend ist, ob Frau P. vorsätzlich gehandelt hat“, sagte sein Nachfolger Nagorsen am Mittwoch. Er ist sicher: Auch der Bundesgerichtshof wird den Fall noch einmal prüfen. Und dann möglicherweise auch andere Fälle untersuchen, bei denen der FC Bayern ausländische Spieler angemeldet hat.

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