Kabarettist wird ausgezeichnet

Kirchen-Medaille für Orienthelfer Springer

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Klaus Weißbach, Christian Springer mit Frau Dunja und Prälat Hans Lindenberg (v.l.n.r.). Der Kabarettist bekommt die Pater-Rupert-Mayer-Medaille.

München - Christian Springer ist Kabarettist. Doch ihm reicht es nicht, nur mit Worten die große Politik bloß zu stellen. Er setzt sich auch für Menschen in Not tatkräftig ein. Dafür wurde er ausgezeichnet.

Im Libanon: Springer hilft vor Ort, verteilt unter anderem Spielsachen

Er ist Kabarettist, ja. Und er ist ein engagierter Helfer für Menschen in Not. Am Montagabend ist Christian „Fonsi“ Springer (50) im Pater-Rupert-Mayer-Saal der Bürgersaalkirche für sein Engagement für Flüchtlinge im Libanon mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille ausgezeichnet worden. Damit ehrt der Katholikenrat der Region München Personen, die aus christlicher Verantwortung Herausragendes für die Menschen geleistet haben. Die tz sprach mit dem Geehrten:

Herr Springer, Pater Rupert Mayer half den Armen und predigte gegen die Nazis. Nun bekommen Sie eine Medaille, die seinen Namen trägt. Was bedeutet das für Sie?

Christian Springer: Dass ich diese Medaille bekomme, freut mich natürlich sehr. Ich habe sogar einen familiären Bezug zu ihm. Meine Onkel hatten bei ihm ministriert. Und er ist immer ein großes Vorbild für mich gewesen. Er wurde 1912 nach München berufen, um die zahllosen Einwanderer, die vor dem Ersten Weltkrieg nach München kamen, zu betreuen.

Sie kennen seine Geschichte ja sehr gut …

Springer: Ja – und es wird berichtet, dass seine Schränke zu Hause leer waren, da er seinen persönlichem Besitz den Armen gespendet hatte.

Woher kamen die Einwanderer damals?

Springer: Sie kamen aus anderen Gebieten des damaligen Deutschland und vor allem aus Osteuropa. Diese Leute waren damals nicht sehr hoch angesehen in der Stadt. 1923 wurden dann die Ostjuden ausgewiesen.

Das war das gleiche Jahr, in dem der Hitlerputsch stattfand. Sehen Sie nicht erschreckend viele Parallelen zu heute?

Springer: Nein. Deutschland ist alles andere als ein rechtsradikales Land. Angst vor den Fremden gibt es überall in der Welt. Der Staat muss aber den Bürgern die Angst nehmen, denn diese Menschen tun den Einheimischen nichts. Er darf diese Ängste nicht hegen oder sogar schüren.

Jetzt wollen die christlichen Parteien den Familiennachzug der syrischen Flüchtlinge verbieten…

Springer: Es gibt Behauptungen, dass sieben Millionen Moslems nach Deutschland kommen wollen. Das ist Quatsch. Es dürfen ja nur Ehefrau oder Ehemann und minderjährige Kinder nachkommen. Ich war letzte Woche erst wieder im Libanon. Dort bekommt man in der Deutschen Botschaft vor August 2016 keinen Termin für ein Visum. Bis das bearbeitet wird, dauert das nochmals ein Jahr. Jetzt Panik zu schieben, dass alle kommen wollen, ist Käse.

Die Parteien, die das fordern, nennen sich christlich. Was sagen sie dazu?

Springer: Das sind Parteien, die traditionell auf die Familie setzen. Die sollen sich erst mal auf die Hinterfüße stellen, um die Fürsorge für die Einheimischen sicherzustellen. Man kann die Familie nicht in die Höhe halten und gleichzeitig sagen, wir wollen nicht, dass Flüchtlinge mit ihren Familien zusammenleben. Das ist ein Widerspruch.

Wieso wollen die Menschen zu uns kommen?

Springer: Weil die Situation in den Flüchtlingslagern unerträglich ist. Die haben nichts zum Heizen, die Temperaturen fallen im Gebirge auf bis zu 20 Grad minus. Die UN stellt pro Kopf 21 Dollar im Monat für den Lebensunterhalt zur Verfügung. Die Miete kostet dort 100 Dollar. Wir werden in diesem Winter den Menschen im Libanon beim Sterben zuschauen.

Johannes Welte

Weitere Infos im Netz unter www.orienthelfer.de.

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