Er trug ihn aus einem besonderen Grund

Kirchheimer sucht Ring seines toten Vaters

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Wer weiß etwas über den Ring, der einem Kirchheimer die Welt bedeutet?

München - Andreas P. (41) aus Kirchheim hat etwas verloren, das ihm nie wieder jemand ersetzen kann: den Ring seines toten Vaters. Doch das Schmuckstück erinnert ihn an noch viel mehr.

Andreas P. ist verzweifelt und klammert sich an eine letzte Hoffnung: einen Zettel im Din-A4-Format, bedruckt mit schwarzen Lettern, mit Tesafilm um eine Säule am Lochhausener Bahnhof gewickelt. "Ring verloren" steht oben drauf - die folgenden Zeilen lassen einen vor Rührung erschauern: "Der Ring meines verstorbenen Vaters ist leider verloren. Die Innengravur beinhaltet: das Datum, zwei Herzchen und der Name meiner Mutter Karin." Finder sollen sich unter einer Handy-Nummer melden. Schnell wird klar: "Andi" sucht etwas, das ihm niemand mehr ersetzen kann, sollte es für immer verloren sein.

Andreas P. hat den Ring als Ehering getragen. "Als ich geheiratet habe, konnte ich mir teuren Schmuck nicht leisten", erzählt der 41-jährige Kirchheimer. Für ihn war es eine Ehre, dass er den Ehering seines toten Vaters tragen durfte. P. Vater war früh gestorben, er hatte Multiple Sklerose. Andreas war damals 25 Jahre alt. Später starb dann auch noch seine Mutter Karin - an Lungenkrebs. Der Ring war das, was dem Sohn für immer bleiben sollte.

"Dann geht man damit auch nicht so nachlässig um", wird sich der eine oder andere jetzt sicher denken. Aber davon kann auch nicht die Rede sein. P. arbeitet als Chemie-Laborant in München. Bei seiner Arbeit muss er den Ring abnehmen, damit das Metall nicht mit anderen Substanzen reagiert. P. verstaut das Schmuckstück dann immer sorgfältig in einer Tasche, um es trotzdem bei sich zu haben. Das hat bisher auch immer gut funktioniert, bis zu diesem einen verhängnisvollen Tag vor kurzem.

P. wollte den Ring aus der Tasche holen - doch er war weg. Das einzige, was der 41-Jährige fand, war ein Loch in der Tasche. "Das war ein großer Schock", sagt er. Er musste sich erst einmal beruhigen, dann dachte er darüber nach, wo der Ring sein könnte. Er ging jeden seiner Schritte nochmal im Geiste durch.

Sein erster Gedanke: Er hat ihn auf dem Arbeitsweg verloren. Und daran klammert er nun seine Hoffnung. Deswegen auch die Plakate am Bahnhof in Lochhausen. Er setzt auf aufmerksame Menschen, die irgendetwas beobachtet haben oder einfach nur irgendeinen Hinweis für ihn haben - und sei er noch so klein. "Ich zahle einen großzügigen Finderlohn für den, der mir den Ring zurückbringt", verspricht er. Das Geld, das ist ihm in diesem Fall egal. Er will nur die Erinnerung an seine Eltern und seine eigene Hochzeit wieder haben.

Kathrin Garbe

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