Auf einmal fehlen 450 Plätze

Kita-Schock in München: Vater muss 40 Minuten zum Kindergarten fahren

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Acht Monate lang hat Paul T. - hier mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm - auf einen Kita-Platz für seinen Sohn gewartet. Er ist froh, auch wenn er jetzt jeden Tag 80 Minuten zusätzlich fahren muss.

München bekommt die Probleme mit fehlenden Plätzen in den Kindertagesstätten trotz Kita-Finder nicht in den Griff. Eine neue Einschulungsregelung verschärft die Betreuungssituation noch einmal.

München - Paul T. und seine Frau haben eine Odyssee hinter sich: Acht Monate lang haben die Eheleute aus der Au für ihren Sohn (3) einen Kindergartenplatz gesucht. „Ende letzten Jahres haben wir zu suchen angefangen“, sagt der 34-Jährige. Ein nervenaufreibender Kampf begann.

So wie Familie T. geht es vielen Eltern, die auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihr Kind in Kindergarten, Krippe oder Hort sind. Viele Kinder sind in München bei der Platzvergabe über das Online-Portal Kita-Finder leer ausgegangen. Die Grünen im Landtag sprechen von eine „Kita-Krise“ im Freistaat: Zum Start des neuen Kindergartenjahres fehlten in Bayern nach wie vor Tausende Betreuungsplätze und vor allem Tausende Erzieherinnen und Erzieher. Wie viele Kinder in München keinen Platz haben, kann das Referat für Bildung und Sport (RBS) nicht beziffern. Da Eltern sich über den Kita-Finder in mehreren Einrichtungen anmelden können und womöglich trotz Platzzusagen noch auf Wartelisten stehen, werden diese derzeit bereinigt. Der Personalmangel ist die Hauptursache für den Betreuungsplatzmangel. Vor allem in teuren Großstädten wie München.

Zu wenig Kitaplätze: Einschulungskorridor verschärft die Situation

Eine politische Entscheidung, die das Kultusministerium zum Schuljahr 2019/2020 getroffen hat, verschärft die Situation noch: Es geht um den Einschulungskorridor. Das bedeutet, dass Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, frei entscheiden können, ob ihr Kind jetzt in die Schule kommt oder erst ein Jahr später eingeschult wird. Die Folge: Stau bei der Platzvergabe! „Der Einschulungskorridor führt dazu, dass in München rund 450 Eltern mehr ihr Kind heuer noch nicht einschulen. Damit werden entsprechend weniger Plätze frei. Dies hat zur Folge, dass heuer ein Teil der Betreuungsplätze leider später als gewohnt vergeben wird“, so eine RBS-Sprecherin.

Womöglich hat auch Familie T. deshalb so lange nichts von der Stadt gehört. „Im März hätten wir spätestens Bescheid bekommen sollen“, sagt der Vater. Erst vor zwei Wochen kam die erlösende Nachricht: Sein Sohn hat einen Kindergartenplatz in einer privaten Einrichtung. Der Haken: Der Betreuungsplatz liegt 40 Minuten von ihnen entfernt. „Es hilft nichts. Besser als gar keine Betreuung“, sagt er.

Im Münchner Norden wurde die Zusage für einen Kitaplatz plötzlich zurückgezogen, weil sich der Personalmangel nicht beheben lässt. Wie lässt sich das Erzieher-Dilemma bei den Krippen beheben?

In einem bayerischen Kindergarten sorgt ein Kuchen-Verbot für Aufregung. Eltern sind empört und haben eine Unterschriften-Aktion gestartet.

Alexandra Haberstock

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