Arbeitgeber, ihr seid umzingelt!

Kita-Streik: Eltern und Erzieher erhöhen Druck

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„Wir sind es wert“: Sozialarbeiter und Erzieher kreisen das Rathaus ein.

München - Viele Eltern fühlen sich im aktuellen Erzieher-Streik alleingelassen – jetzt haben einige mit Erziehern und Sozialarbeitern ein Zeichen gesetzt.

Bis zu 2500 Menschen suchten laut Verdi am Freitag den Schulterschluss auf dem Marienplatz – und umzingelten das Rathaus. Ihr Motto: „Hand in Hand Stärke zeigen. Gemeinsam für die Aufwertung sozialer und erzieherischer Berufe – jetzt!“

Heinrich Birner, Verdi-Geschäftsführer für München und Region sagte: „Ich bin überwältigt. So viele Menschen, so viel Entschlossenheit!“ Er weiß, was die Solidarität der Eltern bedeutet: „Ihr Ärger darf sich nicht gegen uns richten. Wir müssen die Sorgen der Eltern verstehen – und sie unsere Forderungen. Auch wir wollen den Konflikt schnell beenden.“ Die Menschenkette sei Ausdruck dafür, dass Streikende und Eltern „näher zusammengerückt seien“, sagte Birner.

Am Donnerstag war Bewegung in den festgefahrenen Streit gekommen. Gestern erklärten die Parteien, sich am 1. Juni in Berlin zu Spitzengesprächen zu treffen. Verdi gab zudem bekannt, der Verband Kommunaler Arbeitgeber (VKA) habe erstmals ein offizielles Angebot vorgelegt. Das aber bezeichnete Birner als „unzureichend und unzumutbar.“ VKA-Präsident Thomas Böhle forderte Verdi dennoch auf, die „Streiks sofort zu beenden“. Antwort: „Der Streik geht ohne Unterbrechung auch in der zweiten Ferienwoche weiter.“ Ob den Eltern zugestanden wird, ihre Kinder selbst in geschlossenen Kitas zu betreuen, wird weiterhin geprüft …

Brauchen Bewegung!

Stefan Glaab (34), Lehrer aus München: "Der Berufsstand der Erzieher gehört aufgewertet, keine Frage! Darum bin ich hier. Und um Druck auf die Politik auszuüben. Wir dürfen nicht bei den Kleinsten sparen. Die Frage ist doch: Was sind uns als Gesellschaft die Erzieher wert? Die Arbeitgeber, aber auch Verdi müssen sich jetzt bewegen."

Kein Streik gegen Eltern

Ute Rumpel (54), Veranstalterin der Demo und selbst Erzieherin aus München: "Wir müssen Eltern und Erzieher wieder zusammenbringen. Es ist extrem wichtig, die Eltern bei allen Verhandlungen mit ins Boot zu holen. Wir streiken schließlich nicht gegen die Mamas, Papas und deren Kinder. Es bleibt nur zu hoffen, dass bald Bewegung in die Verhandlungen kommt."

Erzieher sind schuldlos

Stefanie Wefelscheid (41), Ärztin aus München: "Die Jüngste geht eigentlich in den Kindergarten, Sohn David (10) in die Nachmittags-Betreuung – es ist nicht leicht zur Zeit. Die Erzieher können überhaupt nichts dafür, wir unterstützen sie in ihren Forderungen! Ich hoffe, dass es Mitte Juni endlich eine Einigung gibt."

TOS

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