Die Nerven liegen blank

Kita-Streik: Eltern-Aufstand im Rathaus

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Bunte Störenfriede: Eltern und Kinder stürmen das Rathaus – friedlich. Sie sind verzweifelt. Doch Antworten? Fehlanzeige!

München - Beim Kita-Streik in München ist kein Ende in Sicht. Die Nerven liegen entsprechend blank. Nun haben die Eltern und ihre Kinder im Rathaus den Aufstand geprobt. Die tz hat mit einigen Betroffenen gesprochen.

Wenn uns keiner hilft, müssen wir uns eben selber helfen: Den Eltern langt’s! Im laufenden Kita-Streik ist kein Ende in Sicht, auch über Pfingsten wollen die Erzieher jetzt streiken. Am Ende ihrer Kräfte sind bald andere: die Eltern. Die proben nun den Aufstand. Unter dem Motto „Wir kommen um zu stören“ haben sie am Donnerstag das Rathaus gestürmt. Ihre Forderung: „Wir brauchen Lösungen. Jetzt!“

Dabei richtet sich ihre Wut nicht gegen die Erzieher. Die fordern mehr Wertschätzung – und mehr Geld. „Wer sich um unsere Kinder kümmert, hat das auch verdient!“, sagt Thomas Schade (50), der den friedlichen Rathaus-Sturm organisiert hat.

Über 200 städtische Einrichtungen werden bestreikt. Die Stadt hat zwar 1000 Kita-Plätze in sogenannten Härtefallgruppen eingerichtet – die reichen aber hinten und vorne nicht. Gut 20 Mamas und Papas sind deswegen zum Rathaus gekommen. Ihre Kinder haben sie mitgebracht – wer sollte die auch hüten, wenn die Erzieher streiken? Sie alle eint eine Frage: Warum wird der Streik auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen? Darauf erhoffen sich die aufgebrachten Eltern Antworten. Von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), von der Stadt, von irgendwem. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, diesen Satz hört man immer wieder. Den Eltern ist es ernst damit.

Im Rathaus empfängt sie Armin Augat, Chef des Kommunalen Arbeitgeberverbandes. Den Schwarzen Peter für die zähen Verhandlungen schiebt er Verdi zu. Für schnelle Hilfe sei die Stadt zuständig, nicht er. Die Botschaft: Hier hilft euch keiner.

Tobias Scharnagl

Klärt das endlich!

Thomas Schade (50), Vertriebsmitarbeiter aus München

Bei aller Kritik am Streik: Wir stehen auf der Seite der Erzieher! Die machen einen tollen Job. Ich habe selbst zehn Jahre als Erzieher gearbeitet und dann umgesattelt, weil ich eine Familie ernähren musste. Trotzdem: Wir Eltern sind am Ende unserer Belastbarkeit. Es geht kein Stück mehr! Die Verantwortlichen sollen sich endlich an einen Tisch setzen und die Sache klären. Größere Kinder mal zu Freunden geben: okay. Aber meine kleine Mija (3)? Das macht die niemals mit!

Oma hilft derzeit aus

Elisabeth Achorner (43), Flugbegleiterin aus München

Täglich wird geredet, aber nichts geht voran! Das ist eine Zumutung für uns Eltern! Die Arbeitgeber müssen endlich was tun! Mein Partner und ich stoßen an unsere Grenzen – jetzt wohnt die Oma aus Österreich schon bei uns und kümmert sich um unseren Lorenz (9). 80 Quadratmeter für vier Menschen – da herrscht eindeutig Ausnahmezustand. Bezahlt die Erzieher endlich richtig! Für alles Mögliche wird das Geld rausgeworfen …

Bis zum Infarkt

Saskia Walliser (41), Rating-Entwicklerin aus Neuhausen

Wir können nicht länger warten. Wir brauchen Lösungen, kein Gerede. Ich bin alleinerziehend und am Ende meiner Kräfte. Tagsüber nehme ich die Kinder schon mit zur Arbeit. Oder ich bleibe zuhause, kümmer mich tagsüber um die Kids, bringe sie abends ins Bett und fange dann noch zu arbeiten an! Ich bin nervös, komme nicht mehr zur Ruhe. Wie lang das noch gutgeht? Bis der Herz­infarkt kommt …

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