tz-Interview mit Arbeitgebervertreter Böhle

Kita-Streit: Warum machen Sie nicht mehr Geld locker?

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Thomas Böhle (l.) vertrat die Arbeitgeber bei den Verhandlungen. Hier ist er mit Verdi-Chef Frank Bsirske zu sehen. Nachdem keine Einigung erzielt wurde, kommt jetzt die Schlichtung.

München - Seit Mittwoch wird im Kita-Streit geschlichtet! Die tz hat mit dem Personalreferenten der Stadt, Thomas Böhle, gesprochen. Er hat die Arbeitgeberseite vor der Schlichtung vertreten.

Streik-Pause! Die Zeichen stehen auf Durchschnaufen im Kita-Zoff. Seit Montag können Münchner Eltern ihren Nachwuchs wieder in die Einrichtungen bringen. Geeinigt haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaften aber bislang nicht. Ab heute wird geschlichtet.

Ein Insider in Sachen Kita-Streit ist der Personalreferent der Stadt München, Thomas Böhle (61). Er hat vor der Schlichtung als Präsident des kommunalen Arbeitgeberverbandes VKA für die Arbeitgeber verhandelt.

Momentan sind die Streiks unterbrochen. Ihrem Ärger Luft machen will die Gewerkschaft Verdi trotzdem. Sie hat für Mittwoch Abend ab 17 Uhr zu einer Demo vom Circus Krone bis zum Sendlinger Tor aufgerufen. Zusätzlich gab es am Mittag noch eine Personalversammlung von Kita-Mitarbeitern im Krone-Bau.

Seit einem Jahr sei die schon geplant, beteuert Verdi. Nicht besonders sensibel ist das - findet Thomas Böhle. Im tz-Interview erzählt er, was er sich von der Schlichtung erhofft.

Herr Böhle, jetzt haben Sie verhandelt - und es hat nur zu einer Schlichtung gelangt. Eine Atempause, aber kein Durchbruch. Woran lag’s? 

Böhle: An der unverhältnismäßigen Höhe der Forderungen der Gewerkschaften. Pauschale Gehaltserhöhungen von 10 Prozent - da war völlig klar, dass die Kommunen das nicht stemmen können! Eine so hohe Forderung in die Welt zu setzen, war fahrlässig.

Aber wird nicht immer hoch gepokert in Tarif-Verhandlungen?

Böhle: Ich fand es von den Gewerkschaften nicht in Ordnung, den Erziehern und Sozialarbeitern zu vermitteln, die Forderungen seien realistisch. Die Spielräume bundesweit sind extrem begrenzt. Gerade in den neuen Bundesländern oder Nordrhein-Westfalen ist jeder Euro mehr Lohnerhöhung sehr viel. Und als Präsident der VKA muss ich alle Kommunen vertreten.

Nicht überall ist die Situation so gut wie in München. Also wäre hier noch was drin?  München ist schließlich eine reiche, aber auch teure Stadt!

Böhle: Wir zahlen schon - anders als alle anderen Städte - zusätzlich zum normalen Gehalt einen monatlichen Zuschuss von 320 Euro. Der setzt sich aus einer München- und einer Arbeitsmarkt-Zulage zusammen. Klar, München wirtschaftet sehr gut. In den aktuellen Verhandlungen geht es allerdings nicht um München, sondern eben um alle Städte und Gemeinden.

Können Sie den Unmut der Erzieher und Sozialarbeiter denn gar nicht verstehen?

Böhle: Grundsätzlich ist es ihr gutes Recht, zu streiken. Wichtig ist aber auch zu sagen: Der Beruf der Erzieherin ist der bestbezahlte Ausbildungsberuf im Öffentlichen Dienst. Viele Sozialarbeiter wurden bereits deutlich aufgewertet. Am Ende muss der Rahmen noch stimmen und ich meine: Unsere Beschäftigten etwa bei der Ausländerstelle, im Wohnungsamt und in Bürgerbüros verdienen mit Sicherheit nicht weniger Wertschätzung.

Aber die Ausbildung zum Erzieher ist mit fünf Jahren ziemlich lang!

Böhle: Das stimmt. Ich persönlich finde aber, die Dauer der Ausbildung könnte ohne Qualitätsverluste verkürzt werden. Andernorts ist das schon der Fall.

Bei den Demos wurden auch Plakate mit Aufdrucken wie „Dr. Böhle - komm aus deiner Höhle“ hochgehalten. Wie war das für Sie? 

Böhle: Ich war bereits mittags unterwegs zu Verhandlungen nach Frankfurt. Persönlich machen mir solche Plakate wenig Freude. Aber es gehört offenbar dazu.

Verdi hat für heute Abend eine Demo vom Circus Krone zum Sendlinger Tor angesetzt. Fühlen Sie sich dadurch gereizt?

Böhle: Ich frage mich, ob das Timing so glücklich ist. Ein bisschen Sensibilität wäre schon angebracht. Mittags findet auch noch eine Personalversammlung von Kita-Mitarbeitern im Krone-Bau statt: Da müssen nun schon wieder viele Eltern ihre Kinder früher als geplant aus der Kita holen. Allgemein habe ich kein Verständnis dafür, dass Verdi ausgerechnet München zum Zentrum der Streiks und Kundgebungen gemacht hat. Hier werden schon jetzt die höchsten Gehälter gezahlt.

Was ist Ihre Hoffnung für den Ausgang der Schlichtung?

Böhle: Wir wollten als Arbeitgeber den Eltern und Kindern mit Anrufung der Schlichtung weitere Belastungssituationen ersparen. Wir hoffen auf einen fairen Kompromiss - und sind im Rahmen dessen natürlich auch zu Verbesserungen bereit.

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