Erschreckende Zahlen

Kita-Alarm in München: Zu wenig Erzieher, zu wenig Plätze - drei Stadtteile trifft es besonders hart

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Seit 2013 haben Eltern Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.

Die Stadt tut etwas in Sachen Betreuungsplätze für Kinder - doch es gibt zu wenig Erzieherinnen. Unsere Zeitung erklärt Ihnen die Hintergründe und nennt Zahlen.

München - Mehr Kinder, mehr Betreuungsplätze – aber zu wenig Erzieher­Innen! Die Stadt sucht händeringend nach Fachpersonal für ihre Einrichtungen. „Wir könnten sofort 200 Fachkräfte einstellen. Die Stellen sind eingerichtet und finanziert. Aber der Markt ist leer“, klagte Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) am Mittwoch zum Beginn des Kita-Jahres.

Innovative Ausbildungskonzepte, mehr Gehalt, meist ein unbefristeter Arbeitsvertrag: Die Stadt tut viel, um Fachpersonal für ihre Kindergärten und Krippen anzuwerben. Das Einstiegsgehalt für einen ausgebildeten Erzieher liegt mindestens bei 3248 Euro brutto – ein Plus von 41 Prozent (inklusive Zulagen) seit 2009. Über 5000 Erzieher und Kinderpfleger sind aktuell in den städtischen Kitas beschäftigt. Mehr als 40 Prozent arbeiten in Teilzeit. „Wir haben eine enorm hohe Teilzeitquote“, so Stadtdirektorin Susanne Herrmann vom Referat für Bildung und Sport.

Um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen zu decken, ging die Stadt 2009 in die „Ausbauoffensive Kindertageseinrichtungen“. Seither wird gebaut, was das Zeug hält: Seit 2014 seien an 86 Standorten über 400 Gruppen in Betreuungseinrichtungen entstanden (darunter auch in Horten). Kostenpunkt: 305 Millionen Euro. „Wir haben Gott sei Dank früh genug angefangen“, sagte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) vor dem Hintergrund des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz, den Eltern seit 2013 haben. An den Finanzen mangle es nicht, das Problem sei der Platz. Vor allem in den dicht bebauten Innenstadtgebieten könne man „in weiten Teilen“ keine Einrichtungen bauen. Durch Nachverdichtung entsteht neuer Wohnraum, Platz für Kitas ist oft keiner. Leichter sei es bei großen Siedlungsmaßnahmen wie Freiham, im Zuge derer Kitas mitgeplant würden.

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Mehr Plätze, aber auch deutlich mehr Kinder: Versorgungsgrad stadtweit nur leicht gestiegen

Stadtweit liegt der Versorgungsgrad bei Krippenplätzen (inklusive Eltern-Kind-Initiativen und Tagespflege) für Ein- bis Dreijährige bei 64 Prozent. Der Versorgungsgrad stellt das Verhältnis aller Kinder einer Altersgruppe zu den vorhandenen Plätzen dar. Am besten ist laut Statistik die Situation in Schwabing-Freimann (69 Prozent). Schlusslichter sind Laim mit 39 Prozent, Obergiesing mit 37 Prozent und Berg am Laim mit 32 Prozent. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist der Versorgungsgrad stadtweit nur leicht gestiegen (2017 lag er bei 63 Prozent). „Wir haben die Problematik, dass wir zwar wesentlich mehr Plätze haben, aber auch einen hohen Zuwachs an Kindern. Von daher fällt es uns schwer, den Versorgungsgrad immer noch weiter zu steigern“, so Strobl.

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Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Betreuungsplätze für Null- bis Sechsjährige laut Stadt mehr als verdoppelt – von 32.013 auf heute 66.833 Plätze. Allein in Krippen kann man heute fast 6000 Kinder mehr betreuen als noch im Jahr 2013. Doch demgegenüber steht die wachsende Zahl an Zwergerln in der Stadt: Während es im Jahr 2000 noch knapp 34.600 Krippenkinder gab, sind es jetzt fast 48.300. Ähnlich sieht es bei den Kindergartenkindern aus. In diesem Bereich ist der Versorgungsgrad höher als bei den Krippen – stadtweit liegt er bei 93 Prozent. 

Versorgungsgrad Ein- bis Dreijährige

Inklusive Eltern-Kind-Initiativen und Tagespflege

Stadtbezirk

Versorgungsgrad

Altstadt-Lehel

59 Prozent

Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

51 Prozent

Maxvorstadt

66 Prozent

Schwabing-West

39 Prozent

Au-Haidhausen

55 Prozent

Sendling

58 Prozent

Sendling-Westpark

65 Prozent

Schwanthalerhöhe

56 Prozent

Neuhausen-Nymphenburg

51 Prozent

Moosach

58 Prozent

Miltbertshofen-Am Hart

43 Prozent

Schwabing-Freimann

69 Prozent

Bogenhausen

57 Prozent

Berg am Laim

32 Prozent

Trudering-Riem

67 Prozent

Ramersdorf-Perlach

67 Prozent

Obergiesing

37 Prozent

Untergiesing-Harlaching

52 Prozent

Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln

47 Prozent

Hadern

64 Prozent

Pasing-Obermenzing

65 Prozent

Aubing-Lochhausen-Langwied

48 Prozent

Allach-Untermenzing

65 Prozent

Feldmoching-Hasenbergl

51 Prozent

Laim

39 Prozent

Landeshauptstadt gesamt

64 Prozent

Daniela Schmitt

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