Stadt hat nach der Tarif-Einigung bis zu 15 Millionen Euro zu berappen!

Kitas: Müssen Eltern jetzt mehr bezahlen?

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Der längste Kita-Streik aller Zeiten in München ist um.

München - Die Erleichterung bei den Eltern ist riesig: Der längste Kita-Streik aller Zeiten in München ist um!

„Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen“, berichtet Ferdinand Bell, Vorsitzender des Elternbeirats der Kindergärten der Stadt. „Wir sind heilfroh“, erzählt Ellen Kruse, Vorsitzende des Krippen-Beirats. Neun Tage haben die Erzieherinnen für mehr Geld gestreikt – mit Erfolg! Sie hatten viele Mütter und Väter auf ihrer Seite. Bereuen die das bald? Bleiben die Kosten am Ende an den Eltern hängen? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie viel verdienen die Erzieherinnen jetzt mehr?

Ab 1. November bekommen 6000 Beschäftigte laut Stadt im Schnitt rund 150 Euro brutto im Monat mehr. Erzieherinnen verdienen dann zwischen 2240 und 2864 Euro, Kinderpflegerinnen zwischen 1750 und 2500 Euro, Sozialpädagoginnen zwischen 2500 und 4525 Euro. Dazu zahlt die Stadt eine Zulage von 105 Euro.

Was bedeutet das für die Stadt?

München muss allein für die eigenen Personalkosten im Jahr rund acht Millionen Euro mehr einplanen, sagte Personalreferent Thomas Böhle der tz: „Erzieherinnen sind uns eine Menge wert.“

Was ist mit den Kindereinrichtungen, die nicht direkt der Stadt gehören?

Eine teure Angelegenheit: Nur etwa jedes zweite Münchner Kindl besucht eine Einrichtung der Stadt. Die anderen werden in Häusern von Wohlfahrtsverbänden und Vereinen betreut. Meist finanziert die Stadt aber diese Einrichtungen, das Personal muss genau das gleiche Gehalt bekommen. Auch diese Häuser brauchen also mehr Geld. „Es geht nicht nur um die Kosten der städtischen Einrichtungen“, bestätigt Fabian Riedl vom Sozialreferat. Stadtkämmerer Ernst Wolowicz rechnet insgesamt mit einem zweistelligen Millionenbetrag! „Pi-mal-Daumen vielleicht sogar 15 Millionen“, sagte er der tz.

Wo sollen die Millionen herkommen?

Laut Kämmerer gibt es nur vier Wege. Erstens: Die Gebühren steigen! Zweitens: Die Stadt muss an anderer Stelle kräftig sparen! „Das sagt sich so leicht, ist aber unwahrscheinlich“, betont Wolowicz. Drittens: Der Schatzmeister greift in die Stadtkasse – das ist sozusagen das Konto Münchens, auf dem bis zu 800 Millionen Euro liegen. „Höchstens eine Notmaßnahme“, sagt Wolowicz. Das Problem: Er nimmt bis 2010 schon 500 Millionen Euro raus. Viertens: Die Stadt muss sich weiter verschulden! Erst vergangene Woche hatte Wolowicz angekündigt, für 2010 fast 220 Millionen Euro neue Miese zu machen.

Müssen die Eltern also bald mit höheren Gebühren rechnen?

Dem Stadtkämmerer wäre das aus Haushalts-Gründen am liebsten. Allerdings weiß er: „Das wäre politisch nicht durchsetzbar! So wird er wohl in die Kasse greifen und neue Schulden machen. Ausgeschlossen ist eine Gebühren-Erhöhung trotzdem nicht. OB Christian Ude sagte der tz: „Aktuell ist das kein Thema. Ich kann aber keine Garantie geben, wie es in den nächsten Jahren weitergeht. Wenn die Gewerbesteuern einbrechen, dann ist immer noch möglich, dass die Eltern beteiligt werden müssen.“ Das letzte Wort hat der Stadtrat.

Was sagen die Eltern?

„War ja klar, dass jetzt so diskutiert wird“, ärgert sich die Krippen-Eltern-Vertreterin Ellen Kruse und rechnet vor: Eine Familie zahlt in München für zwei Kinder in der Krippe jetzt schon fast 900 Euro!

David Costanzo

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