Klassentreffen der Münchner Nachtlegenden

Kurz vor Mitternacht zupft der ältere Herr nochmal an seinem schwarzen, ärmellosen T-Shirt mit dem großen Ausschnitt, zieht sich die Jeans das entscheidende Moment in den Schritt und nestelt an der Nieten besetzten Lederjacke.

So ungefähr sah Helmut Fischer als ewiger Stenz aus, als er seine dritte Midlife-Crisis hatte und auf jung machte. Am DJ-Pult sagt gerade Chuck Hermann seinen letzten Song an, „Stand by me“, die Nummer wurde hier sicher vorher noch nie gespielt. Wir sind im Pacha, einem ausgewiesenen House-Club, der für gewöhnlich das schöne und junge Publikum der Stadt anzieht. Coole DJs ziehen hier normalerweise ihre Show ab, darauf bedacht, die Übergänge zwischen den Nummern so unauffällig wie möglich zu gestalten. Heute ist alles anders.

Nicht schlechter, viele meinen sogar besser – aber eben anders. Die Herren sind im besten Alter, einige ihrer Ladys bereits darüber. Sie alle haben eines gemeinsam: drehten mal das große Rad im Münchner Nachtleben, waren echte Nummern, servierten Drinks für Sachs, Mercury und Jagger und entschieden darüber, wer rein kam – und wer nicht.

„Ein echtes Klassentreffen von Nightlife-Veteranen“, meinte Markus Schütz, der die Szene seit fast drei Jahrzehnten mit seiner „Falsche Freunde“-Kolumne in der Stadtzeitung IN München begleitet. Und deckt damit gerade mal die Hälfte der Zeit ab, die Mirko Hecktor für sein Buch „Mjunik Disco“ recherchiert hat, das an diesem Abend ganz offiziell aus der Taufe gehoben wird. 60 Jahre Nightlife, von 1949 bis 2009, und dazu hat er die Protagonisten eingeladen.

Chuck Hermann hat über 50 davon aktiv als DJ mitgestaltet – und ist noch immer gut im Geschäft. Kaum kürzer dürfte Richard Rigan aktiv erlebt haben, der jetzt oben auf der Behelfsbühne steht und nervös an seinem Bühnen-Outfit nestelt. Der „Elvis von Schwabing“ und Begründer des Rigan-Clans und gleichnamigen Clubs hat nochmal einen großen Auftritt. Dann setzt der Pianist an der Elektro-Orgel ein und Rigan legt los: „Hit the road Jack“.

Und als es vorbei ist, springt plötzlich ein Mann hinter dem Mischpult umher wie ein Schachterl-Teufel. Rastlos reißt er die Arme hoch, sucht hektisch im Plattenkoffer, mixt wie ein Derwisch und ist ganz in seinem Element: Bernd Theobald, den alle nur Theo Crash nennen, weil er in der Rock-Disco Crash zur Münchner DJ-Legende wurde.

Später in der Nacht, die noch bis 6 Uhr am Sonntag Morgen ging, kam die jüngere Generation dran, Michael Reinboth, Bernd Harttwich oder DJ Upstart. „Eigentlich müsste man die ganze Zeit eine Videokamera mitlaufen lassen, das kommt nicht wieder, so ein Treffen an Nightlife-Größen, phantastisch “ meint ein Gast verzückt. Er hatte recht.

Quelle: tz

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