Tauwetter und Glatteis in München: Das Chaos nimmt kein Ende

Klauen uns die Preißn die weiße Weihnacht?

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Verrückte Wetterwelt: Lisa (27) und Dominik (30) machen am Viktualienmarkt unter freiem Himmel eine Pause.

München - Deutschland ist beim Winterwetter zweigeteilt. Und viele Bayern blicken bange auf den Kalender: Bleibt das Wetter so bis Weihnachten? Klauen uns die Preißn heuer etwa die weiße Weihnacht?

Der Dienstag vor Weihnachten, 12 Uhr, Hannover: Minus 10 Grad, die Niedersachsen schaufeln Schnee. Zur selben Zeit in unserer Landeshauptstadt: 3 Grad plus, Tauwetter, Mittagspause im Freien.

Klauen uns die Preißn heuer etwa die weiße Weihnacht?

Eigentlich haben wir den Schnee zum Fest doch gebucht – das ist laut Wetterdienst donnerwetter. de auch langfristig statistisch belegt: In Köln etwa läge die Wahrscheinlichkeit dafür bei nur etwa 3 Prozent, in Hamburg bei 20 Prozent, in Berlin bei 30, in München aber bei über 50 Prozent. „Aber in diesem Rekordwinter ist alles anders“, sagt dessen Chef Karsten Brandt.

Darum ist Regen ein wahrer Schnee-Killer

Tagelang schneit es ohne Unterlass – und dann, schwupps, ist die weiße PrachtimNuweg. Kein Wunder: Regen ist der Schnee-Killer schlechthin. Aber warum ist das eigentlich so?

Bei 5 Grad Lufttemperatur ohne Regen würden an einem Tag etwa 2 bis 4 Zentimeter wegschmelzen, bei 5 Grad und dazu gleichmäßigem, leichten Regen dagegen seien es 20 Zentimeter, führt Karsten Brandt vom Wetterdienst donnerwetter.de an. „Wenn Schnee an der Luft schmilzt, braucht er viel Energie. Diese entzieht der Schnee der Luft, deshalb kühlt die Luft an der Schneeoberfläche augenblicklich von 5 auf 0 Grad ab. Wenn aber 5 Grad warmer Regen auf Schnee fällt, dringt diese Wärme mit der hohen Energie gleich in den Schnee ein – das beschleunigt den Schmelzprozess immens.“

Schon seit einigen Tagen fächert ein Tiefdruckgebiet über der Iberischen Halbinsel warme Luft über die Alpen. Weil aber ungefähr auf Höhe des Mains das dicke Tief mit polarer Kaltluft hängt, dasauch uns vergangene Woche noch bibbern ließ, ist dort für diewarmeLuftSchluss. Bei uns soll das Quecksilber heute in Alpennähe sogar noch höher klettern, der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt etwa für Hohenpeissenberg frühligshafte 11 Grad voraus. Aber keine Bange: Pünktlich zu Weihnachten kehrt doch noch Gerechtigkeit ein. „Wir rechnen zu 90 Prozent mit weißen Weihnachten“, prognostiziert Christian Freuer vom DWD. Voraussichtlich im Laufe des Heiligen Abends verdrängt die nordische Kaltluft aus Nordwesten auch hier wieder die milde Luft, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt geht der Regen in Schnee über. „In der Heiligen Nacht wird in Bayern sehr viel Schnee fallen, am stärksten schneit es in Süd- und Ostbayern“, sagt Freuer. „Dann hätten wir wirklich ein historisches Ereignis“, sagt Wetterexperte Karsten Brandt. „Nicht nur,dass ganz Deutschland eine weiße Bescherung hat – dass es am Heiligen Abend auch noch dicke Flocken schneit, gibt es sehr selten.“ Schnee an Heiligabend, und dann kommt der Bibberwinter mit arktischer Kälte wieder: Am zweiten Weihnachtstag könnten die Temperaturen auf bis zu 15 Grad unter null sinken. Dennoch dürften blauer Himmel und Sonne am Sonntag zu einem Weihnachtsspaziergang im Schnee einladen.

Dieser Winter wird uns wohl länger im Gedächtnis bleiben: Bis zum Jahresende werden deutlich über 90 Tage mit geschlossener Schneedecke zusammenkommen. „Das hatten wir in dieser Form schon lange nicht mehr“, sagte DWD-Meteorologe Gerhard Lux. Auch wegen der Schneefälle hat 2010 das Niederschlags-Jahressoll bereits übererfüllt. Kurz vor Weihnachten wurden 820 Liter pro Quadratmeter registriert, 20 Liter über dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. NBA

Viele Unfälle durch Blitzeis

Wenn es taut, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Straßen frei befahrbar sind. Ganz im Gegenteil. Fallen die Temperaturen in der Nacht unter Null Grad, verwandeln sich die nassen Straßen schnell von einer großen Pfütze in eine Eisbahn. Diese Erfahrung mussten am Dienstagmorgen viele Autofahrer machen.

So ereigneten sich zwischen 6 und 9 Uhr auf der A9 im Abschnitt zwischen dem Autobahnkreuz München- Nord und der Ausfahrt Pfaffenhofen insgesamt zwölf Unfälle, an denen 22 Autos und ein Lastwagen beteiligt waren. Dabei wurden zwei Personen leicht verletzt. Es entstand ein Schaden von rund 80 000 Euro. Die Ursache war das so genannte Blitzeis.

Überfrierende Nässe führte um 6.50 Uhr zu einer mehr als einstündigen Sperrung der Zufahrt zur A 99. Eine 21-jährige Münchnerin wolltevonderAutobahn A 96 (München-Lindau) auf die A 99 abfahren und kam dabei mit ihrem Kleintransporter ins Schleudern. Einige Fahrzeuge konnten abbremsen oder ausweichen. Doch einem 24-Jährigen gelang das nicht. Er fuhr mit seinem Wagen auf einen VW-Transporter auf. Dabei wurden vier weitere Fahrzeuge beschädigt. Insgesamt erlitten bei den Zusammenstößen drei Personen leichte Verletzungen. Der Schaden beläuft sich auf rund 17 000 Euro.

Doch nicht nur auf den Autobahnen krachte es, sondern auch in der Münchner Innenstadt. Am Odeonsplatz kam die 47-jährige Fahrerin eines Ford Fiesta auf der Ludwigstraße ins Rutschen und fuhr frontal in einen Geländewagen. In diesem saßen die 45-jährige Fahrerin und ihre fünf Jahre alten Zwillinge. Alle Unfall- Beteiligten wurden leicht verletzt und kamen ins Krankenhaus.

Aber auch ohne Glatteis herrschte am Münchner Flughafen weiterhin Winterchaos. Wegen starker Schneefälle an anderen Flughäfen, besondern in Frankfurt, fielen bereits am Dienstagvormittag 50 Flüge aus. Ansonsten hat sich die Situation in München, dank des Tauwetters, beruhigt. „In der Nacht von Montag auf Dienstag musste niemand am Flughafen übernachten“, sagt Airport- Sprecher Peter Prümm. Ob das so bleibt könne er allerdings nicht versprechen. Tanja Wolff

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