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Nach Entzug von Akkreditierung für Robbie-Williams-Konzert: Klaus Leutgeb entschuldigt sich

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Von: Sascha Karowski

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Klaus Leutgeb (r.) mit Robbie Williams
Klaus Leutgeb (r.) mit Robbie Williams. © Daniel Scharinger/Imago

Klaus Leutgeb, der mit seinem Unternehmen die München-Konzerte von Andreas Gabalier, Helene Fischer und Robbie Williams veranstaltet hat, hat sich entschuldigt.

München - Jede Menge Zuschriften haben unsere Redaktionen erreicht - beispielhaft sei aus folgender zitiert: „Wer die Pressefreiheit so mit Füßen tritt, hat in München nichts verloren.“ Diese Zeilen richten sich an Konzertveranstalter Klaus Leutgeb, der dem Münchner Merkur und der tz die Akkreditierung für das Konzert von Robbie Williams am Samstagabend auf dem Messegelände entzogen hatte.

Am Montagnachmittag entschuldigte sich Leutgeb nun bei Facebook und in einem Schreiben an die Chefredaktionen von Münchner Merkur und tz, in dem es hieß: „Ich möchte mich für das Entziehen der Akkreditierung aufrichtig und ehrlich entschuldigen.“ Die Pressefreiheit sei auch für ihn ein hohes Gut. Leutgeb weiter: „Diese Entscheidung kam aus dem Druck der letzten Wochen, der vielen Angriffe, die aus meiner Sicht in dieser Form auch teilweise wirklich nicht ganz berechtigt waren. Mein einziger Wille war für München drei großartige Konzerte zu organisieren mit einer sehr hohen Wertschöpfung, wovon alle profitieren.“

Vorausgegangen war ein Krach um die Konzerte. Weil ihm die Berichterstattung unseres Hauses zum Auftritt von Helene Fischer zu negativ war, hatte Leutgeb (der auch dort Veranstalter war) kurzerhand Reporter des Münchner Merkur und der tz vom Robbie-Williams-Konzert auf dem Messegelände ausgeschlossen. Auf Facebook schrieb Leutgeb selbst außerdem von „gesteuerten Schmierfink-Medien und Neidern“. Die tz druckte in der Folge nach Robbie Williams’ Auftritt zwar einen Fan-Report, aber keine Konzertkritik - denn wir stehen für unabhängige Berichterstattung und lassen uns nicht beeinflussen. Das haben wir auch im Rahmen der Fan-Berichterstattung thematisiert und erklärt. Der ganze Vorgang schlug hohe Wellen.

Bayerischer Journalistenverband und Politiker kritisieren Vorgehen des Veranstalters

Der Bayerische Journalistenverband ließ mitteilen, es sei „höchst irritierend“, dass die Messe München mit einem Veranstalter kooperiere, der die freie Presse nicht dabei haben will und sie öffentlich im Stil von Verschwörungsideologen attackiert. Im Nachgang sorgt der Krach um die Konzerte nun auch für eine Debatte im Münchner Rathaus - schließlich ist das Messegelände keine x-beliebige Privatfläche. Grüne und Linke im Stadtrat haben das für die Messe zuständige Wirtschaftsreferat um Aufklärung gebeten. „Es ist unmöglich, dass ein Veranstalter das Grundrecht auf Presse- und Meinungsfreiheit nicht akzeptiert“, sagte Linken-Chef Stefan Jagel. „Dass dieser aber auch noch mit verschwörungsideologischen Formeln agiert, zeigt den Ernst der Lage! In meinen Augen kann es keine weitere Kooperation zwischen der Stadt und Leutgeb geben.“ Die sind allerdings schon geplant. Nach tz-Informationen gibt es bereits Anfragen für Veranstaltungen im kommenden Jahr.

Gesellschafter der Messe München sind unter anderem der Freistaat und die Stadt München. Eine Messe-Sprecherin sagte auf Anfrage, dass die Konzerte von Leutgeb – Andreas Gabalier, Helene Fischer und Robbie Williams – Gastveranstaltungen seien, die eigenverantwortlich durchgeführt würden. OB Dieter Reiter (SPD), der Vize-Vorsitzender des Aufsichtsrates ist, kündigte jedoch Gespräche an. „Ich finde es schwer nachvollziehbar, dass man aufgrund einer kritischen Berichterstattung Medienvertretern die Akkreditierung entzieht. Ob und wenn ja welche Folgen dieses Verhalten für die weitere Zusammenarbeit mit der Messe hat, kann ich derzeit nicht abschätzen, gehe aber davon aus, dass man das Thema gegebenenfalls in einem Gremium oder der Geschäftsführung der Messe besprechen wird.“ (Sascha Karowski)

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