Aus nach 23 Jahren

Das traurige Ende des Klenze-Metzgers

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Geschockt: Thomas Schäfert und seine Mitarbeiter

München - Jeder im Viertel kennt den Kult-Metzger in der Klenzestraße. Jetzt muss der Metzgermeister Thomas Schäfert (45) nach 23 Jahren seinen Betrieb dicht machen.

Grund für das Aus des Klenze-Metzgers: Der Mietvertrag wird nicht verlängert! „Unsere komplette Existenz steht auf dem Spiel“, sagt Thomas Schäfert. „Wir haben keine Ahnung, wie es weitergehen soll.“ Mit seiner thailändischen Frau Sompon (36) betreibt er das Geschäft in der Klenzestraße 43, das Paar lebt mit Sohn Dominik (16) in der dazughörigen Betriebswohnung im zweiten Stock. Bis zum 30. Juni sollen sie raus aus dem Laden – und der dazugehörigen Wohnung. „Das Mietverhältnis wird nicht verlängert“, heißt es im Schreiben der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA, der das Gebäude gehört. „Als der Brief kam, sind wir erst mal in Tränen ausgebrochen“, berichtet Schäfert. Mit 22 Jahren eröffnete er seine Metzgerei in der Klenzestraße, baute das Geschäft jahrelang auf. „Ich verstehe nicht, warum wir jetzt raus müssen.“

Auf Nachfrage bei der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Jobst Kayser-Eichberg: „Es gab einige Probleme mit diesem Mieter, deshalb haben wir den Vertrag nicht verlängert. Wir werden uns auch nicht mehr einigen.“ Immer wieder hätte es Reibereien gegeben, etwa wegen Unordnung im Innenhof und in den Gängen oder Beschwerden von Anwohnern über Geruchsbelästigungen. „Um solche Konflikte in Zukunft zu vermeiden, hätten wir als neuen Mieter am liebsten einen gewöhnlichen Laden“, sagt Dr. Jobst Kayser-Eichberg.

Das Ende für die Klenze-Metzgerei! Familie Schäfert ist am Boden zerstört. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Für einen neuen Laden fehlt Thomas Schäfert das Geld, seine drei Angestellen muss er kündigen. Und dazu braucht die Familie dringend eine neue Wohnung. „Wir stehen vor dem Aus“, sagt der 45-jährige Familienvater. Er ist sicher: „Nach uns kommt hier ein Luxusladen ein. So zieht sich das durch das ganze Viertel: Die alten Geschäfte müssen raus und Platz machen für neue Läden, die mehr Geld bringen.“

Ab Juli will die Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA die Räume sanieren, dann neu vermieten. Dass mit dem Betrieb der Familie Schäfert auch der letzte Metzger im Viertel stirbt, sieht Aufsichtsratsvorsitzender Kayser-Eichberg nicht als Problem: „Mittlerweile gibt es doch bei jedem Edeka und Rewe frische Wurst.“ Die Stammkunden dagegen sind geschockt: Sie wollen nun mit einer Unterschriftenaktion für ihre Metzgerei kämpfen.

Christina Meyer

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