Ude ist froh

Klinik-Chefin Harrison schmeißt hin!

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Elizabeth Harrison (54) war fast drei Jahre Klinik-Chefin – die Sanierung kam aber kaum voran

München - Die Fehde zwischen OB Ude und Klinik-Chefin Elizabeth Harrison droht zu eskalieren. Die 54-Jährige zieht die Reißleine und wirft hin.

Erst darf sie nichts mehr öffentlich sagen, dann will sie im Stadtrat nicht mehr sprechen, schließlich droht sie dem OB mit einer Klage: Jetzt schmeißt die Chefin der Städtischen Kliniken hin! Elizabeth Harrison (54) hat OB Christian Ude (SPD) über ihren Anwalt ausrichten lassen, dass sie ihr Amt niederlegt.

Für den OB klingt der Rücktritt wie eine verfrühte Bescherung: „Ja, is’ denn schon Weihnachten?“, habe er gedacht, spottete Ude in der tz. „Sie hat sich dermaßen illoyal verhalten, auch zum Entsetzen ihrer Kollegen.“ Ude fühle sich von einer Last befreit. „Wie sollte das weitergehen – mit einer Geschäftsführerin, die mit der Stadt nur per Anwalt redet?“ Auch unter den Bossen gab es Querelen. Ude hatte sie im November entmachtet, als er einen Lenkungskreis mit Experten unter seiner Führung einrichtete.

Nun zitiert die Stadt Harrison, dass auch sie hoffe, mit dem Schritt „wirklich den Grundstein für ein zukunftsfähiges Städtisches Klinikum legen zu können“.

„Diese Hoffnung teilen wir“, erklären Aufsichtsratsvize und Arbeitnehmervertreter Dominik Schirmer sowie die verbleibenden Geschäftsführer Freddy Bergmann und Prof. Hans-Jürgen Hennes. Ude meint: „Die zweiköpfige Geschäftsführung ist leistungsfähiger, als es die dreiköpfige war.“ Dennoch sollen zwei weitere Bosse gesucht werden: Arbeitsdirektor und Sanierungsgeschäftsführer.

Die Opposition nimmt Harrison teilweise in Schutz: „Sie blieb erfolglos. Dies hat sie persönlich weniger zu vertreten als der völlig überforderte Aufsichtsrat und die mangelnde politische Unterstützung von Rot-Grün“, sagt FDP-Fraktionschef Michael Mattar. CSU-Kollege Josef Schmid erklärt: „Es hätte nicht so weit kommen müssen, wenn der OB von Anfang an gemeinsam mit der Geschäftsführerin agiert hätte. Nach der Bildung des Lenkungskreises war klar, dass das Tischtuch somit zerschnitten war.“

So krank sind die fünf Städtischen Kliniken

Die drei Geschäftsführer übernahmen die Kliniken vor fast drei Jahren, als ihre Vorgänger mit rot-grünen Parteibüchern die Häuser (auch wegen des Hygiene-Skandals) tief in die roten Zahlen gefahren hatten. Doch seit Monaten wächst die Kritik, dass die Sanierung nicht vorankommt. Heuer sei nicht einmal die Hälfte der Ziele erreicht worden, sagt der OB. Darum fallen schon wieder 41,4 Millionen Euro Miese an – 2,6 Millionen mehr als erwartet, obwohl einmalige Zahlungen die Bilanz aufhübschen. Bei den nötigen Investitionen ist von 1,5 Milliarden Euro die Rede. Ude hat schon vor Wochen für alle Standorte Garantien gegeben – allerdings drohten überall starke Einschnitte, nach tz-Informationen vor allem in Schwabing.

Mehr als 300 Millionen Euro Steuerspritze hat der Stadtrat schon beschlossen. Wenn sich die Lage nicht bessert, droht trotzdem Mitte 2015 die Pleite!

David Costanzo

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