Klinik-Krimi: Die tz zitiert den geheimen Kontroll-Bericht

+
Neben Schwabing gehören vier weitere Krankenhäuser zum Städtischen Klinikum

München - Es geht um geheime Dateien, vertrauliche Gespräche und geschönte Zahlen: Wer ist schuld am Millionen-Skandal der Städtischen Kliniken? Die tz zitiert den geheimen Kontroll-Bericht.

Es geht um geheime Dateien, vertrauliche Gespräche und geschönte Zahlen: Wer ist schuld am Millionen-Skandal der Städtischen Kliniken? Die fünf Krankenhäuser machen heuer ein Minus von fast 44 Millionen Euro, sie können nur mit Einschnitten überleben – und mit einer Finanzspritze der Stadt über 100 Millionen Euro. Die Revisoren der Stadt prüften das Debakel, ihr geheimer Bericht liegt der tz vor. Der Skandal wird zum Krimi!

Klinik-Chefin Elizabeth Harrison war ein halbes Jahr im Amt, als sie sich im September persönlich an OB Christian Ude wandte: Sie habe den Verdacht, dass die Klinik schon vor dem Hygiene-Skandal 2010 Millionen-Miese erwartet habe. Laut Prüfbericht übergab sie dem OB einen Datenträger. Nach tz-Informationen war ihr ein USB-Stick mit Daten zugespielt worden. Die Revisoren erklären: „Der Verdacht bestätigte sich.“

Zunächst für 2010: Das Klinikum – deren damalige Chefs rote und grüne Parteibücher haben – sei erst von einem Gewinn von 116 000 Euro ausgegangen. Später habe man intern einen Fehlbetrag von 9,3 Millionen Euro hochgerechnet. Auf wundersame Weise habe im Bericht an die Stadt nur ein Verlust von 5,7 Millionen Euro gestanden – wegen angeblich höherer Erträge. In Wahrheit lag das Minus 2010 bei 24 Millionen Euro! In der tz hatte OB Ude „geschönte Zahlen“ beklagt.

Heuer geht es weiter: Die geheimen Dateien zeigen laut der Revisoren, dass die alte Führung intern von Verlusten in Höhe von 11,4 Millionen Euro ausgegangen sei, später offenbar von 30 Millionen Euro. Auch hier habe es Rabatt gegeben – wegen „noch umzusetzender Maßnahmen“. So habe die Klinik zunächst ein Mini-Minus von 3,6 Millionen Euro prognostiziert.

Nachdem der Verlust heuer zwölfmal so hoch ausfallen wird, dreht sich alles um die Frage: Wer hätte das wissen müssen und ändern können? Der einzige verbliebene Chef der alten Garde, der kaufmännische Geschäftsführer Franz Hafner? Die neue Klinik-Chefin? Die Stadt als Gesellschafterin? Das Gesundheitsreferat als Behörde? Der Aufsichtsrat aus Beamten und Politikern? Sicher ist laut Prüfung: Bereits im ersten Quartal sind die Miesen auf 12,9 Millionen Euro explodiert! Am 4. April sei Bürgermeister und Aufsichtsratschef Hep Monatz­eder (Grüne) informiert worden: Offenbar habe man über ein Defizit von 30 Millionen Euro gesprochen, das die Klinik auf 12 Millionen begrenzen wolle – durch Sparmaßnahmen. Dass die nötig seien, habe im Mai der ganze Aufsichtsrat wissen müssen, in dem auch zwei CSU-Stadträtinnen sitzen. „Eine nachvollziehbare Kontrolle über die Umsetzung nahmen aber weder Geschäftsführung noch der Aufsichtsrat oder das Betreuungsreferat vor“, kritisieren die Kontrolleure der Stadt.

Elizabeth Harrison weist jede Verantwortung von sich: Wichtige Informationen seien ihr selbst vom eigenen kaufmännischen Chef vorenthalten worden. Hafner war bis Ende November krankgeschrieben und auch am 1. Dezember nicht in sein Büro zurückgekehrt. Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne) bestätigt Harrisons Version: Erst auf sein Drängen seien am 22. August die wahren Zahlen von der Klinik-Verwaltung mitgeteilt worden, die er der perplexen Chefin weitergeleitet habe. Das werde er belegen. „Wir haben immer auf die kritische Situation hingewiesen“, sagte er der tz. Erst danach wurde der Millionen-Skandal öffentlich.

Auch die Prüfer stellen fest, dass die Klinik in ihren Prognosen offenbar Anpassungen vorgenommen habe, „die nicht plausibel sind und darauf hindeuten, dass die Werte ,angepasst‘ wurden. Damit war eine Kontrolle für Externe wie Gesellschafterin und Aufsichtsrat nicht möglich.“ Am Montag steigt die nächste Krisensitzung.

David Costanzo

Die Bosse sollen für den Schaden zahlen

Die CSU prangert den Klinik-Skandal an: Sie sieht neben der politischen Verantwortung bei Rot-Grün ein Versagen der Manager – drei von vieren mit rot-grünen Parteibüchern. „Durch Inkompetenz wurden Millionen verschwendet!“, sagte Fraktionschef Josef Schmid. Die CSU will prüfen lassen, ob die drei nach dem Hygiene-Skandal im Sommer 2010 geschassten Chefs und der verbliebene kaufmännische Geschäftsführer Franz Hafner zu Schadensersatz verpflichtet werden können. Nach tz-Informationen hat die Stadt so eine Prüfung bereits eingeleitet – zumal die Klinik-Chefs über eine Art Manager-Haftpflicht verfügen.

"Prinz"-Liste: Die wichtigsten Münchner

"Prinz"-Liste: Die wichtigsten Münchner

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Fremder zeigt Münchnerin sein Glied und will Sex mit ihr
Fremder zeigt Münchnerin sein Glied und will Sex mit ihr

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion