Ude: Notwendige Einschnitte

Der Klinik-Schock: 2000 Mitarbeiter weg

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Auch im Klinikum Bogenhausen werde Stellen gestrichen.

Jetzt erfasst der Klinik-Kahlschlag auch die Pfleger, Ärzte und Mitarbeiter: Die Stadt wird in ihren fünf Krankenhäusern die Stellen von 2000 Mitarbeitern streichen müssen, um wieder auf den Weg der Besserung zu kommen. Das empfiehlt das Sanierungsgutachten der Stadt-Berater von Boston Consulting bis zum Jahr 2022. „Schmerzhafte Eingriffe sind zwingend notwendig“, sagte OB Christian Ude (SPD). Sonst droht die Pleite! Das Konzept sei aber noch nicht in Marmor gemeißelt. Die Stadt werde alles tun, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden – Ude schloss diese aber erneut nicht aus. So oder so soll die Sanierung insgesamt 800 Millionen Euro Steuergeld kosten!

Jetzt liegt die ganze Wahrheit auf dem OP-Tisch: 2000 von 8000 Mitarbeiter weniger in den nächsten acht Jahren, das entspricht wegen der Teilzeit-Angestellten rund 1500 von 6500 Stellen. Schnipp-schnapp – jede vierte Stelle weg! Die Pfleger sind noch am wenigsten betroffen: Von den mehr als 2200 Stellen bleiben 1900 erhalten (-16%). Von den 1200 Ärzten soll es in Zukunft 1000 geben (-20%). Am härtesten trifft es Technik und Verwaltung – hier muss jede dritte bis zweite Stelle weg! Bei den Azubis wird das Skalpell dagegen nicht angesetzt.

Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich ablaufen: Rund 300 Jobs fallen weg, weil die Mitarbeiter in Rente gehen. Mehr als 200 Stellen sind befristet. Über 500 hoffen die Sanierer über Fluktuation wegzubekommen – also Kündigungen wegen Stellenwechsel, Teilzeit, Umschulungen. Rund 350 Mitarbeiter könnten bei der Stadt oder in Transfergesellschaften aufgefangen werden. Für fast 100 Stellen müssten Auflösungsverträge verfasst werden.

Das ist die neue Klinik-Struktur nach der Sanierung. Zum Vergrößern hier klicken

Damitgeht der Job-Abbau Hand in Hand mit dem Streichung von Kapazitäten: Von den derzeit 3300 Betten sollen noch 2500 übrig bleiben – jedes vierte wird also aus den Kliniken geschoben. Am stärksten bluten muss das stolze Klinikum Schwabing, in dem keine 300 Betten für eine Notfall-Station und ein Mutter-Kind-Zentrum verbleiben. Hier dürften sich dann auch die meisten Mitarbeiter nach neuen Beschäftigungen innerhalb oder außerhalb der städtischen Kliniken umschauen. Verdi-Mann Dominik Schirmer verlangte, dass die Stadt betriebsbedingte Kündigungen ausschließt und dass die Mitarbeiter nicht auf Gehalt verzichten müssen.

Durch den Betten-Abbau verringert sich laut Boston Consulting zwar der Umsatz von 610 auf 545 Millionen Euro, weil aber die Auslastung steigt und beim Personal gespart wird, soll im Jahr 2022 sogar ein Plus von 38 Millionen Euro drin sein. Im vergangenen Jahr haben die fünf Häuser noch 58 Millionen Miese eingefahren.

Insgesamt dürfte die Sanierung fast eine Milliarde Euro kosten: Rund 350 Millionen werde der Freistaat an Fördermitteln für Neubauten bereitsstellen müssen, heißt es in dem Sanierungsgutachten. Bis zu 440 Millionen muss Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD) für Eigenkapital und Risikopuffer stemmen.

David Costanzo

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