Klinik-Skandal: Jetzt spricht der geschasste Chef!

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Ex-Chef Franz Hafner kontert die schweren Vorwürfe im Skandal um die Städtischen Kliniken.

München - Im Millionen-Skandal ums Städtischen Klinikum spricht Ex-Finanzchef Franz Hafner: Ihm werfen der OB, seine Revisoren und die CSU Missmanagement vor.

In der tz weist Hafner die Verantwortung zurück – und belastet unter anderem die neue Chefin ­Elizabeth Harrison schwer.

Herr Hafner, Sie waren sieben Jahre Finanzchef der Kliniken. Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt?

Hafner: Was mich am meisten bewegt hat, waren die Vorwürfe der Trickserei, falsche Bilanzen, geschönte Zahlen. Das muss ich entschieden zurückweisen.

Die Revisoren und auch der OB sehen das anders. Haben Sie Zahlen geschönt?

Hafner: Nein. Ich habe Zahlen dargestellt, die erreichbar sind, wenn bestimmte Maßnahmen umgesetzt werden, die ich genannt habe. Das hat hauptsächlich die medizinischen Strukturen betroffen. Das kann ich allein überhaupt nicht entscheiden. Es ging zum Beispiel darum, die Wechselzeiten im OP von einer Operation zur anderen zu reduzieren.

Warum wurden die Maßnahmen nicht umgesetzt?

Hafner: Das ist gar nicht so einfach, wenn man medizinische Abläufe ändern will.

Als Finanzchef hätten Sie darauf drängen müssen!

Hafner: Ich habe häufig darauf hingewiesen, dass wir im Vergleich mit anderen Kliniken ein Defizit haben. Ich habe jedes Jahr darauf hingewiesen.

Machen Sie sich keine Vorwürfe?

Hafner: Wenn sich ein Ergebnis nicht so entwickelt, wie man es vorhatte, macht man sich natürlich auch Vorwürfe. Aber ein Großteil betrifft die Medizin. Das konnte ich nicht steuern.

Wer dann? Die früheren Geschäftsführer?

Hafner: Das betrifft schon auch 2011.

Sie meinen die neue Chefin Harrison. Hätte sie Veränderungen angehen können?

Hafner: Das hätte so passieren können.

Sie selber sagt: Ich bin nicht richtig informiert worden!

Hafner: Wir haben die wirtschaftliche Situation in vielen Gesprächen als Kernpunkt behandelt.

Hätten der Aufsichtsrat oder die Stadt mehr Verantwortung wahrnehmen können?

Hafner: Es ging vor allem um Maßnahmen, die allein im Betrieb hätten umgesetzt werden müssen.

Aber hätte nicht auffallen müssen, dass nichts passiert?

Hafner: Wenn sich das Ergebnis monatlich verschlechtert, dann ist es natürlich auch aufgefallen, dass Ziele und Maßnahmen immer weniger erreichbar sind.

Hätten Sie Ihre Prognose nicht früher ändern müssen?

Hafner: Nicht wenn ich sage: Wenn hier gespart wird oder zusätzliche Erlöse erzielt werden, dann kann die Prognose immer noch erreicht werden.

Sie haben laut Revision Hep Monatzeder schon im April über ein mögliches Minus von 30 Millionen informiert. Haben Sie da Alarm erwartet?

Hafner: Ich denke mir, dass man immer versucht, sein Ziel zu erreichen. Da geht es um die Umsetzung von Maßnahmen, das wäre unsere Aufgabe gewesen, das bis Ende des Jahres zu schaffen. Und das ist uns nicht gelungen.

Das hätte doch jedem auffallen müssen, als heuer schon im ersten Quartal 13 Millionen Miese eingefahren wurden!

Hafner: Dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben.

Fühlen Sie sich zum Sünden­bock gemacht?

Hafner: Das möchte ich nicht beurteilen, das mögen andere beurteilen.

Warum gehen Sie dann?

Hafner: Eine weitere Entwicklung der Kliniken mit den unterschiedlichen Vorstellungen hat keinen Sinn mehr. ­Darum haben wir uns einvernehmlich zu dem Schritt entschieden.

Interview: David Costanzo

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