Klinik-Skandal kostet 25 Millionen Euro

München - Am Donnerstag hieß es im Stadtrat, dass der Klinik-Skandal 19 Millionen Euro kostet. Doch das ist noch nicht alles, sagt Klinik-Chef Hafner im Interview mit der tz.

Im Juli sorgte der Hygiene-Skandal an den städtischen Kliniken Bogenhausen und Neuperlach bundesweit für Schlagzeilen. Operationsbestecke waren schlampig sterilisiert worden. Klinik-Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) musste sich harten Vorwürfen der Rathaus-Opposition stellen: Das Klinik-Management sei nach Parteibuch und nicht nach Qualifikation besetzt worden.

Die Klinik-Geschäftsführer Manfred G. und Personalchef Bruno W. (beide SPD) sowie Planungschef Reinhard F. (Grüne) wurden gefeuert. Finanzchef Franz Hafner (parteifrei) durfte bleiben. Die Neuperlacher Klinikchefin Birgitta Köbach rückte in den Konzernvorstand auf, der pensionierte ärztliche Direktor des Klinikums Karlsruhe, Professor Dieter Daub, kam neu hinzu.

Am Donnerstag berichtete Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne) im Stadtrat, dass die Steri-Krise 19 Millionen Euro Einnahmeverluste verursacht. Doch das ist noch nicht alles, sagt Klinik-Chef Hafner im Interview mit tz-Redakteur Johannes Welte:

Herr Hafner, die städtischen Kliniken werden dieses Jahr aufgrund der Steri-Krise 19 Millionen Euro weniger einnehmen. Wie kommt es zu diesem Minus?

Franz Hafner: Wir gehen im schlimmsten Fall davon aus, dass wir heuer einen Gesamtverlust bis zu 25 Millionen Euro machen. Wir hatten ursprünglich für dieses Jahr mit einer schwarzen Null gerechnet.

Das sind nochmal sechs Millionen Euro mehr. Woher diese Differenz?

Hafner: In dieser Summe sind die Mehrkosten für die Bewältigung der Steri-Krise enthalten. Wir haben alleine drei Millionen Euro für neue Instrumente ausgegeben.

Da bleiben weitere drei Millionen übrig. Was passierte mit diesem Geld?

Hafner: Wir haben den Neustart in der Sterilgutaufbereitung von einem Spezialisten aus Duisburg begleiten lassen und die Prozesse optimiert. Das Personal in den Steri-Betrieben ist von knapp 60 um weitere 25 Mitarbeiter aufgestockt worden. Hier entstehen erhebliche Ausbildungskosten. Außerdem wurde die Berger Consult beauftragt, ein Konzept für eine umfangreiche Strukturreform zu erarbeiten.

Sollte ein so wichtiger Bereich wie die Klinikhygiene nicht direkt der Geschäftsführung unterliegen?

Hafner: Wir Geschäftsführer kontrollieren regelmäßig die Abläufe. Natürlich gibt es in der Hierarchie Zwischenstufen, die die ­Informationen zusammenfassen. Außerdem gibt es an den jeweiligen Kliniken eigene Klinikdirektoren. Die Hygiene hat für uns auf jeden Fall oberste Priorität. Im Übrigen streben wir eine Zertifizierung unserer ­Steris nach DIN-ISO an.

Was bedeutet das?

Hafner: Dass die Qualität der Sterilgutaufbereitung regelmäßig von hausfremden Experten überwacht wird.

Offenbar haben auch Ärzte ein Problem damit, sich bei Missständen an die übernächste Hierarchie­stufe zu wenden, wenn die nächste nicht auf Hinweise auf Missstände reagiert – ­offenbar aus Angst um die Karriere ...

Hafner: Aber nein, keiner muss Angst vor Repressalien haben, wenn er etwas zu melden hat. Wir sind froh darüber, wenn die Leute auf uns zukommen. Sei es mit Kritik oder Vorschlägen.

Was kostet die neue Geschäftsführung?

Hafner: Sie kostet nicht mehr, als die alte gekostet hat. Allerdings haben wir jetzt zusätzliche Ausgaben für Beratung und Gutachten.

Rechnen Sie im kommenden Jahr mit einem Minus?

Hafner: Ja, mit drei Millionen. Das ist bereits deutlich weniger als in diesem Jahr. Und 2012 wollen wir die schwarze Null erreichen. Das war ursprünglich für heuer geplant.

Wie groß war der Einbruch bei der Bettenauslastung?

Hafner: Wir hatten im Klinikum Bogenhausen Mitte Juli Tage, da waren die Aufnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent gesunken. Im August waren es noch 15 Prozent weniger, und im September lagen wir wieder bei den Vorjahreszahlen. Jetzt liegt die Bettenauslastung bei 90 Prozent, wie 2009. Seit 2007 ist sie damit übrigens um zehn Prozent gestiegen.

Und die Operationen?

Hafner: Wir hatten zeitweise 4 von 15 Operationssälen nicht in Betrieb. Mitte Juli mussten wir fast jede zweite OP absagen. Im August waren es noch 20 Prozent weniger, seit September liegen wir auch da wieder auf Vorjahresniveau.

Auch wenn Sie bis 2012 eine schwarze Null anstreben, wird die Stadt Ihre Kliniken in den kommenden fünf Jahren mit 127 Millionen Euro an In­ves­titionszuschüssen unterstützen – und zwar aus Steuermitteln …

Hafner: Das ist richtig, aber wir werden in den kommenden fünf Jahren insgesamt 300 Millionen Euro investieren, einen großen Teil davon aus eigenen Mitteln.

Wird auch die marode Kinderonkologie in Schwabing saniert?

Hafner: Das passiert ebenfalls, der Freistaat hat uns dafür schon 1,25 Millionen Euro an Förder- mitteln zugesagt.

Interview: Johannes Welte

Rubriklistenbild: © dapd

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