Klinik-Skandal noch schlimmer

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Eines der Häuser: das Klinikum Schwabing

München - Den Städtischen Kliniken genügt nach ihrem Millionen-Minus nicht einfach eine Not-Operation – es geht offenbar um Leben und Tod. "Die Lage ist wirklich dramatisch", sagte OB Christian Ude der tz.

Ude erhob schwere Vorwürfe gegen die früheren Geschäftsführer. Bürgermeister und Aufsichtsratschef Hep Monatzeder (Grüne) bestätigt: „Es geht um alles.“ Jetzt muss wohl jede sechste Stelle eingespart werden. Das soll der Aufsichtsrat am Freitag beschließen. Sonst droht den fünf Krankenhäusern der Stadt in den nächsten Monaten die Pleite!

Eine Wunde klafft in der Bilanz des Unternehmens: Derzeit geht man vom schlimmsten Fall aus – und der sieht heuer ein Defizit von 43,7 Millionen Euro vor. Dabei hatte die frühere Geschäftsführung eine Prognose für das laufende Jahr mit einem winzigen Minus von 3,6 Millionen Euro vorgelegt. Die Zahlen seien „geschönt“ worden und zwar „überall“, poltert OB Ude. „Es ist sehr enttäuschend, dass wir erst jetzt ein wahres Bild haben.“ Fassungslosigkeit auch im Aufsichtsrat: „Uns wurden Maßnahmen vorgelegt, die sich wunderschön lesen ließen – aber fast keine wurde in die Realität umgesetzt“, sagt Monatzeder.

Besonders schmerzhaft: Die früheren Bosse der Klinik verfügten über rote und grüne Parteibücher, die Opposition unkte stets, dass sie die Stellen deswegen bekamen. Kündigungen sind jetzt nicht mehr nötig. Drei Geschäftsführer waren schon im Sommer 2010 nach dem Hygiene-Skandal gefeuert worden.

Am Freitag müssen die Kliniken reanimiert werden. Die neue Chefin Eliza­beth Harrison nahm im Februar die Arbeit auf und will sich nun einen Sanierungsplan absegnen lassen. Danach sollen nach tz-Informationen künftig vor allem 340 Stellen abgebaut werden – Kündigungen soll es aber keine geben. Ein Beratungsunternehmer wühlt sich zusätzlich seit vier Wochen durch die Abrechnungen. Wie die Kliniken bestätigen, muss dieser Plan dann einen Investoren-Test bestehen. Erst danach darf die Stadt ihre Finanz-Infusion von 100 Millionen Euro leisten. „Es geht um die Abwendung der Zahlungsunfähigkeit“, sagt OB Ude. Die drohe andernfalls im ersten Halbjahr 2012.

David Costanzo

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Miese auch bei Unikliniken

Und wie schlimm steht es um die Unikliniken in der Münchner Innenstadt und in Großhadern? Am heutigen Freitag informieren die Chefs die Mitarbeiter in Versammlungen über bevorstehende Sparmaßnahmen. Denn auch die Unikliniken haben ein Millionenminus eingefahren - möglicherweise gar ein zweistelliges. Das will - und muss - die Klinikleitung heute verkünden.

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