Kliniken: Jetzt bekommen sie einen Aufpasser!

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Auch das Klinikum Bogenhausen muss sparen.

Münchene - Die finanziell angeschlagenen Städtischen Kliniken sollen künftig sparen und trotzdem mehr Geld einnehmen. Ein "Fach-Experte" soll dafür sorgen, dass dieses Unterfangen auch gelingt.

So weit waren die Verantwortlichen des Städtischen Klinikums schon einmal: Ein Millionen-Minus droht, einige Maßnahmen sollen das verhindern. Am Ende geschah gar nichts - nur die Miesen wucherten. Das darf sich nicht wiederholen, sonst droht den Häusern die Pleite: Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat der städtischen Krankenhäuser den Rettungsplan der neuen Chefin Elizabeth Harrison abgesegnet - nach tz-Informationen jedoch gegen die Stimmen der beiden CSU-Vertreterinnen und gegen einen der drei anwesenden Marburger-Bund-Delegierten.

Hep Monatzeder, Aufsichtsrats-Chef der Kliniken.

Durch Sparen und mehr Erlöse will Harrison bis 2015 das Defizit von 46 Millionen Euro aus 2011 abbauen. „Radikale Kostensenkung und moderates Wachstum - beides ist wichtig. Wir sparen in der Verwaltung und investieren in die medizinische Versorgung“, sagte sie. Der Aufsichtsrat bleibt skeptisch - und bestellt sich einen Aufpasser! Der 3. Bürgermeister und Chef des Gremiums, Hep Monatzeder (Grüne), sagte: „Der Aufsichtsrat ist ein gebranntes Kind.“ Früher seien viele Maßnahmen beschlossen worden, ohne dass sie umgesetzt worden seien. Weder die früheren Chefs, der Aufsichtsrat noch das Gesundheitsreferat hätten früh Alarm geschlagen, stellten die Revisoren der Stadt fest.
Darum will der Aufsichtsrat einen „Fach-Experten“ als Berater bei allen Fragen der Neuausrichtung - als „Bindeglied“ der Organe sitzt er sogar mit im neuen „Lenkungsausschuss“. Die noch zu benennende Person soll der Chefin also auf die Finger schauen und dem Aufsichtsrat petzen. Nicht ohne Grund: Die Operation zur Klinik-Rettung erscheint manchem Aufsichtsrat als ambitioniert - und bislang kaum fundiert. Nach tz-Informationen soll das 46-Millionen-Euro-Defizit zu fast gleichen Teilen durch Sparen und durch Mehreinnahmen abgebaut werden. Im Klartext: Die Klinik-Chefin will nicht nur einen zweistelligen Millionen-Betrag im laufenden Betrieb einsparen, sondern fast die gleiche Summe an Einnahmen zusätzlich gewinnen.

Sparen geht leichter

Das Sparen dürfte ihr leichter fallen: 340 von 7000 Stellen fallen weg. Abteilungen werden zusammengelegt wie bei den Gynäkologien in Neuperlach und Harlaching sowie der Neurochirurgie in Schwabing und Bogenhausen bereits geschehen. Gewagter erscheinen den Aufsichtsräten die Mehreinnahmen - frei nach dem Prinzip Hoffnung: Mehr Patienten, vor allem solche mit schweren Krankheiten, sollen kommen und am besten noch viel mehr Geld für freiwillige Zusatzleistungen in den Kliniken lassen. Und dabei verkündete die Klinik gestern bereits mit 149 000 Patienten im vergangenen Jahr einen Rekord! Noch mehr Patienten will die Chefin durch Service, einen besseren Kontakt zu den einweisenden Ärzten und durch die Bildung von Kompetenzzentren anziehen - die neue „medizinische Architektur“ will sie wegen der Komplexität erst bis Mitte des Jahres vorstellen. Das kritisiert die CSU: Erst wenn man wisse, welche Zentren wo entstehen, könne man beurteilen, wo welche Patienten welche Erlöse ermöglichen, sagt Fraktionschef Josef Schmid. Nächste Woche soll der Stadtrat erstmal 100 Millionen Euro aus der Steuer zuschießen.

David Costanzo

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