Heute kommt's zum Prozess

Vater von Klinik abgeholt - das kostet 300 Euro!

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Das städtische Klinikum Bogenhause n : Hier wurde das Auto abgeschleppt

München - Ein Sohn will seinen Vater aus dem Klinikum Bogenhausen abholen und stellt sein Auto auf dem Standstreifen ab. Dafür soll er 300 Euro blechen. Am Mittwoch kommt es deshalb zum Prozess.

Diesen Tag werden der Ismaninger Andreas B. (24) und sein Vater Wolfgang (52) nie vergessen. „Ich war vor zwei Jahren im Klinikum Bogenhausen wegen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung in Behandlung und wurde nach eineinhalb Wochen entlassen, als mein Sohn mich abholen wollte“; so IT-Techniker Wolfgang B. (52) zur tz.

Sein Sohn, der Bauschlosser Andreas B. (24), suchte einen Parkplatz vor der Klinik. „Doch auf der Straße oder in der Garage gab keinen Platz“, so Wolfgang B. Also stellte der Sohn das Auto auf den Seitenstreifen an der Einfahrt. „Was mein Sohn nicht wusste, dass es eineinhalb Stunden dauern wird, bis alle Formalitäten erledigt sind und wir gehen können“, so Wolfgang B., der zu 60 Prozent gehbehindert ist. „Wir sind niemand im Weg gestanden“, beteuert der Vater.

Vater Wolfgang B.

Als die beiden wegfahren wollten, war schon ein Abschleppwagen da, der die Familienkutsche huckepack genommen hatte. Und der Fahrer wollte das Auto nur herausrücken, wenn Vater und Sohn 297,50 Euro bezahlten, „obwohl das Amtsgericht München in vergleichbaren Fällen nur eine Schadensersatzforderung für das Abschleppen in Höhe von 120 Euro für begründet erachtet hat“, so der Anwalt der Familie B., Dirk Gründler. „Wenn wir nicht sofort bezahlt hätten, wären die mit unserem Auto einfach abgehauen“, so Wolfgang B. Er ist total verärgert: „Da ist die reinste Abzocke!“ Sein Sohn klagte gegen die enorm hohen Abschleppkosten, er will das Geld nun vom städtischen Klinikum zurück haben. Am Mittwoch findet deshalb ein Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht München statt.

Sohn Andreas B.

Marten Scheibel, Sprecher der städtischen Klinikum München GmbH, erklärt: „Der Mann stand im absoluten Halteverbot.“ Mittlerweile ist der Streifen allerdings wieder fürs Parken freigegeben worden. Ansonsten sei der Vorfall Sache des Abschleppunternehmens, den das Klinikum beauftragt hat. Die Firma ist wegen ihrer Methoden schon bundesweit in den Negativ-Schlagzeilen geraten.

Die tz fragte bei der Firma um Auskunft zum Gerichtstermin nach, bekam jedoch keine Antwort.

Das droht den Falschparkern

Wer in München auf öffentlichem Grund falsch parkt (Feuerwehrzufahrt, Behindertenparkplatz) und abgeschleppt wird, kann sich auf transparente Kosten einstellen. Je nach Tageszeit und Anfahrtswege stellen die Münchner Abschleppfirmen für ihre Tätigkeit zwischen 65 und 150 Euro in Rechnung. Für den abgeschleppten Falschparker kommen jedoch noch weitere Kosten hinzu. Wenn die Polizei den Auftrag erteilt, fallen bei einer Versetzung des Autos auf einen legalen Parkplatz in der Nähe 48 Euro an. Dazu kommen noch die Kosten für den Parkverstoß. Wird der Wagen hingegen in die Verwahrstelle gebracht, kommt noch eine Grundgebühr von 36 Euro sowie eine Tagesgebühr von 9 Euro. Übrigens: Bei einer Versetzung des Wagens an einen anderen Platz, teilt die Polizei bei Nachfrage den Standort mit. Andere Abschleppfirmen, wie das am Klinikum, bitte die Parksünder sofort zur Kasse.

Johannes Welte

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