Eltern verklagen Klinikum Schwabing

Bub (5) seit der Geburt behindert: Sind die Ärzte schuld?

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Den linken Arm kann der kleine Matej seit der Geburt nicht richtig bewegen.

München - Bei Matejs Geburt kam es zu Komplikationen. Deshalb mussten die Ärzte mit der Saugglocke ran - doch dabei könnte etwas schrecklich schief gegangen sein. 

Wenn der kleine Matej (5) seinen Eltern winkt, dann immer nur mit dem rechten Arm. Seinen linken kann er nicht richtig anheben – seit der Geburt ist er behindert. „Es gab Komplikationen bei der Entbindung. Aus unserer Sicht haben die Ärzte schwere Fehler gemacht“, sagen die Eltern. Sie haben das Klinikum Schwabing auf Schadensersatz verklagt und fordern 60.000 Euro. Jetzt verhandelt das Landgericht den Fall.

Anwalt Bastian Wernthaler vertritt die Familie.

Bei der Entbindung am 18. Juli 2011 hatte sich die Schulter des Buben verhakt. Ein medizinischer Notfall! „Sein Kopf schaute schon heraus, aber der Körper steckte im Geburtskanal fest“, sagt Vater Lazo (39). Deshalb hatten Ärzte eine Saugglocke eingesetzt, um Matej auf die Welt zu holen. Ihr Ziel: Den Säugling leicht zu drehen, damit die Schulter sich löst und man ihn herausziehen kann. „Das geschah dann aber viel zu heftig“, sagt Mutter Ilinka. Zwar war Matej nachmittags gegen 15.30 Uhr tatsächlich auf der Welt, dabei hatte er sich aber an der Schulter verletzt. „Zwei Nerven waren komplett gerissen. Die Folgen wurden uns aber erst später klar.“ Denn der kleine Bub kann den Arm nicht so bewegen wie andere Kinder. „Er kann keine Faust machen und zum Beispiel nicht klettern.“ Im linken Arm fehlt die Kraft. Nur gerade ausstrecken kann Matej den Arm – nicht höher. Diagnose: Lähmung!

Matejs Vater: „Wir wollen nur, dass unser Kind gesund wird“

„Wir wollen nur, dass unser Kind gesund wird“, sagt Vater Lazo. Als auch eine Operation und Physiotherapie keine Besserung brachten, verklagte er die Klinik. „Aus unserer Sicht liegt ein Ärztefehler vor“, sagt Anwalt Bastian Wernthaler (40), der die Familie vertritt. Aus Schwabing erhielten sie einen Brief. „Die Ärzte schrieben, Matejs Verletzung war Schicksal. Aber das sehen wir nicht so.“

Am Mittwoch prüfte ein Gutachter den Fall. Es sei ein seltenes Ereignis, dass sich bei Entbindungen die Schulter verhakt. „Das kündigt sich vorher nicht an und ist auch für die Geburtshelfer überraschend“, sagte er. Gerade deshalb müsse der Arzt „wohldosiert“ vorgehen, wenn er den sogenannten Christella-Griff anwendet – dieser soll die Kraft der Mutter beim Pressen erhöhen, um die Entbindung zu beschleunigen. Ob dabei ein Fehler geschah? Das lässt sich bisher nicht nachweisen. „Aus meiner Sicht war es vertretbar“, so der Gutachter. „Die Geburtshelfer müssen in kürzester Zeit abwägen und entscheiden, das ist sehr komplex.“

Laut einer zweiten Gutachterin könnte höchstens ein einfacher Behandlungsfehler vorliegen. Für den die Klinik aber nicht haften müsste. Richter Peter Lemmers wird den Prozess erst im März fortsetzen. Dann muss auch der behandelnde Oberarzt aussagen. Von ihm hängt ab, ob Matej am Ende Recht bekommt.

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