Die Klo-Klage der Anwälte: Hier stinkt es!

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Verstopfte Klos, übler Gestank, zerbrochene und abgenutzte Fliesen, Schmutz und Schimmel in den Fugen und eklige Waschtische: So präsentiert sich das Strafjustizzentrum den Besuchern.

München - Die Toiletten des Münchner Strafjustizentrums sind in einem veeheerenden Zustand. Die ekligen Zustände stinken auch den Anwälten - doch es gibt einen Grund, wieso nur noch das Nötigste repariert wird.

Auch Rechtsanwälten bleibt nichts anderes übrig, als die öffentlichen Toiletten aufzusuchen. Richter, Staatsanwälte und Angestellte können auf andere Stockwerke ausweichen. Ein Oberstaatsanwalt zur tz: „Hier gehe ich nur rein, wenn es arg pressiert.“

Es stinkt in den Fluren des Münchner Strafjustizentrums. Gerade an heißen Tagen verkeilt das Reinigungspersonal die oft Toilettentüren, damit eine „Entlüftung“ in die Gänge erfolgen kann. Denn die Klos sind in einem verheerenden Zustand: Spülungen funktionieren häufig nicht richtig, Abflussrohre sind oft verstopft, viele Fliesen sind zersprungen und derart abgenutzt, dass sie sich nicht mehr ordentlich reinigen lassen. In den Fugen gedeiht Schimmel. Und wer sich die Händel waschen will, steht vor Ekel erregenden Waschtischen!

Der Münchner Strafverteidiger Peter Guttmann ärgert sich seit Jahren über die hygienischen Zustände in dem Betonklotz aus den 70er Jahren. In einem Brief an die Justiz macht er jetzt seinem Ärger Luft. Guttmann verteidigt einen Gastwirt wegen Verstoßes gegen Hygienevorschriften. Der konnte sich mit einem schlechten bauliche Zustand nicht entschuldigen: „Ihre Aussage konnte Sie nicht entlasten, das der Betrieb immer in einem hygienisch einwandfreien Zustand gehalten werden muss“, schrieb ihm die Justiz.

Dazu Guttmann: „Was für eine Gaststätte gilt müsste nach meinem Verständnis auch für ein Justizgebäude gelten, insbesondere wenn in diesem Gebäude Recht gesprochen wird.“

In dem maroden Gebäude an der Nymphenburger Straße wird nur noch das Allernötigste repariert. Unweit des Leonrodplatzes soll nämlich eine neues Justizzentrum gebaut werden. „Deshalb wird nur so viel gemacht, dass der Betrieb aufrecht erhalten werden kann“, sagt Dr. Karl Huber, Präsident des Oberlandesgerichts.

Wann wird gebaut? „Es läuft nicht so zügig, wie ich mir das wünschen würde“, so Huber. „Leider sind die Olympischen Spiele nicht nach München gekommen. Das hätte den nötigen Zeitdruck erzeugt, vor 2018 fertig zu werden.“

Bisher sind nur acht Mio. Euro an Planungskosten im Haushalt vorgesehen, aber ein Architektenwettbewerb wurde noch nicht gestartet.

Von außen sieht das in den 70er Jahren erbaute Strafjustizzentrum noch passabel aus, doch die Haustechnik pfeift aus dem letzten Loch

Was passiert in der Zwischenzeit? Der für die Hausverwaltung zuständige Richter am OLG, Eduard Pfaff: „Es ist richtig, dass es an einem Abflussstrang immer wieder zu Verstopfungen kommt.“ Schuld daran sei ein Rohrwinkel in der Betonwand, der nur sehr aufwändig ausgetauscht werden könnte. Man versuche, das Problem zu lösen. Auch habe man versucht, die Waschtische mit Farbe zu verschönern: „Dies war allerdings nicht von Erfolg gekrönt.“

Jetzt stinkt es halt weiter bei der Justiz.

Eberhard Unfried

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