Ulrike V.: Milde Strafe vor Gericht

In der Zelle fand sie ihre große Liebe

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Blind vor Liebe: Ulrike V. schleuste Handys in die JVA. Rechtes Foto: Ein Kerl wie ein Bär - Ex-Häftling Andreas B. ist jetzt Schrotthändler

München - Ulrike V. verliebte sich in Stadelheim in einen Häftling. Jetzt fand sich die 24-Jährige vor Gericht wieder und musste sich wegen Bestechlichkeit verantwortlichen. Sie bekam eine milde Strafe.

Sie schluckt schwer, sie schnauft, sie schließt die tränengefüllten Augen. Dann bricht es aus Ulrike V. (24) heraus: „Ich war leichtsinning, das gebe ich zu. Aber Andreas ist der Mann meines Lebens. Was ich getan habe, war für meinen Beruf falsch. Aber ich tat es aus Liebe. Ich konnte nicht anders.“

Blind vor Liebe schmuggelt die Justizvollzugsbeamte im Spätsommer 2011 mindestens zwei Mal Handys in die Zelle von Andreas B. (36), der wegen Drogendelikten sieben Jahre Haft in der JVA Stadelheim absitzt. Am Mittwoch musste sich die zierliche junge Frau im Hauptverfahren wegen Bestechlichkeit vor dem Amtsgericht verantworten (Az: 128 Js 1118600/12). Urteil: ein Jahr Haft auf Bewährung.

Ulrike V. muss also nicht ins Gefängnis – dort, wo sie ihre große Liebe Andreas B. im Sommer 2010 kennenlernt. „Ich hatte öfter in seinem Trakt Dienst. Er erzählte mir von seiner schweren Vergangenheit. Ich wollte ihm einfach eine Chance geben.“

B. verspricht ihr, sich zu bessern, schwört den Drogen ab. Es folgen viele Gespräche und flüchtige Küsse. „Eine innige Beziehung konnten wir nur schwer aufbauen“, sagt Ulrike V. Sie bringt Andreas B. heimlich ein Handy, damit beide von der Zelle aus telefonieren können – ihre Liebe ist stärker als die Bedenken. Später besorgt sie ein zweites Telefon für B.‘s Kumpel, kassiert dafür von einem Kurier am Ostbahnhof 300 Euro. Was die junge Frau nicht weiß oder wahrhaben will: B. hat gute Kontakte im Knast, gilt als findiger Händler, der alles besorgen kann – und dafür gut kassiert. Zeugen bestätigen: B. forderte 500 Euro für Handys mit Kamera. Er gilt als Großmaul und brüstet sich vor den Häftlingen mit seiner Beziehung zu „der kleinen Blonden“ – der Beamten Ulrike V. „Der ganze Flur wusste, dass zwischen uns was lief.“

Mittlerweile ist Andreas B. aus der Haft entlassen und lebt mit Ulrike V. zusammen. Das Paar ist verlobt, will heiraten. Für ihre Knastliebe aber zahlt die junge Frau einen hohen Preis: Die Familie bricht den Kontakt zu ihr ab. Ende 2011 wird sie in Stadelheim suspendiert. Mit der einjährigen Bewährungsstrafe ist Ulrike V. aus dem Staatsdienst entlassen. Ihr Plan? Sie betreibt mit Andreas B. nun einen Schrotthandel. „Ich übernehme Fahrdienste, er die Akquise.“

Andreas Thieme

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