Knast! Peter M. hat Tank-Umsätze manipuliert

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Die Tankstelle an der Richard-Strauss-Straße. Hier war Peter M. der Chef

München - Der vermisste Tankstellenbesitzer Peter M. ist wieder aufgetaucht und tischt der Polizei eine abenteuerliche Räuberpistole auf. Die Wahrheit sieht anders aus. Jetzt sitzt er im Gefängnis.

Peter M. (48)

Der diensthabende Tankwart glaubte für einen Moment an eine Vision, blieb mit offenem Mund sprachlos stehen. Konnte das wirklich sein seit fünf Tagen vermisster Chef sein? Ja, er war es. Er ist wieder da. Doch die Freude über das Wiedersehen mit dem zeitweise Totgeglaubten wich bald Entsetzen und ungläubigem Staunen. Denn erstens ist Peter M. heillos verschuldet, zweitens tischte er seinen Angehörigen und der Polizei völlig verrückte Entführungs-Geschichten auf.
Müde und abgerissen, aber körperlich völlig unversehrt spazierte der seit fünf Tagen vermisste Tankstellenchef Peter M. (siehe Chronik unten) am Samstag um 15.30 Uhr ohne große Erklärungen in seine Aral-Station an der Richard-Strauss-Straße 70. Der Angestellte rief sofort einen Vertreter der Betreiber-Firma Bavaria Petrol an, und der informierte die Polizei.

Lesen Sie dazu:

Peter M. im Polizeiverhör: "Ich wurde entführt"

Nach einem kurzen Blick in die Fahndungslisten nahmen die Beamten den 48-Jährigen gleich fest. Denn der wurde mittlerweile wegen Betrugs und Untreue per internationalem Haftbefehl gesucht. Die Vernehmung bei der ermittelnden Mordkommission dauerte bis in den späteren Abend und war für alle Beteiligten nervenaufreibend. Der Grund: Peter M. klammerte sich hartnäckig an eine frei erfundene Entführungsgeschichte. Die Vorwürfe wegen Betrugs und Untreue im immerhin sechsstelligen Betrag räumte er gleichzeitig freimütig ein.

In den Tagen vor seinem Verschwinden muss Peter M. erkannt haben, dass er finanziell erledigt war. Offenbar bereits seit längerer Zeit hatte er versucht, die Pleite mit Betrügereien abzuwenden. So hatte er die Banken mit falschen Umsatzangaben getäuscht und sich auf diese Weise Kredite erschlichen. Zudem hatte er die Betreibergesellschaft seiner Tankstelle – die Bavaria Petrol – mit falschen Spritabgabe-Abrechnungen betrogen, weil sein Pachtsystem umsatzabhängig ist. Offenbar war ihm die Bavaria Petrol längst auf die Schliche gekommen. Peter M.s seltsame Flucht war nicht von langer Hand vorbereitet, sondern vielmehr von nackter Panik geprägt.

Und seine Räuberpistole von der Entführung war auch mit heißer Nadel gestrickt: Montagfrüh sei er vor der HypoVereinsbank am Herkomerplatz von zwei schlecht deutsch sprechenden Ausländern („Der eine war größer, der andere war kleiner...“) mit Waffengewalt in einen Transporter gezwungen. Sie hätten ihm 2000 Euro und seine Kreditkarten abgenommen, ihm dann aber 150 Euro gelassen.

In den folgenden Tagen sei er kreuz und quer durchs Münchner Umland gefahren worden, habe in Pensionen übernachtet und keine Gelegenheit bekommen, sich mal zu waschen oder umzuziehen. Mehrfach sei er für Stunden allein gewesen, einmal sogar an einer Tankstelle. Die Täter seien aber immer wieder gekommen. Aus lauter Angst habe er nicht gewagt, die Polizei zu rufen. Am Freitag habe ihn sogar mal die Polizei im Landkreis aufgegriffen. Aber erst am Samstag sei ihm dann zu Fuß die Flucht gelungen. Und so weiter, und so weiter.

Am Sonntag erging Haftbefehl wegen Betrugs und Untreue. Dazu kommen das Vortäuschung einer Straftat sowie Insolvenzverschleppung bzw. betrügerischer Bankrott. Staatsanwältin Nicole Selzam und der Chef der Münchner Mordkommission, Markus Kraus, konnten Peter M. bislang nicht davon überzeugen, die Wahrheit zu sagen. Warum er so handelt, ist ein Rätsel. Vielleicht ist es die Scham vor denen, die ihn lieben. Denn er hat Familie und Freunde tagelang in tiefes Leid gestürzt.

Dorita Plange

Die Chronik des Verschwindens

Alarm vor der Bank

Am Morgen des 31. Januar – einem Montag – fährt Peter M. um 7.45 Uhr mit seinem weißen Porsche zur Hypo-Vereinsbank am Herkomerplatz, will angeblich 2000 Euro Einnahmen einzahlen. Dort verschwindet er spurlos. Der Porsche wird mittags unverschlossen mit steckendem Schlüssel gefunden. Auf dem Beifahrersitz liegt die Geldbörse, neben dem Auto die leere Geldmappe. Schon bald ahnt die Kripo: eine theatralische Inszenierung. Die Spuren passen nicht zu einem Überfall. Und: Es gibt keine Zeugen, obwohl der Platz sehr belebt ist.

Blut am Porsche

Der Blutfleck an der Fahrertür des Porsche gibt zunächst Rätsel auf. Das Blut stammt von Peter M., wirkt aber wie hingeschmiert. Weder im Schnee daneben noch in der Umgebung finden sich weitere Blutspuren. Was also soll da passiert sein? Danach befragt, gab Peter M. an, er sei bei seiner Entführung von einem der Täter mit einem Messer an der Hand verletzt worden. Die Kripo glaubt eher, dass er sein Blut als Ablenkungsmanöver absichtlich auf die Tür geschmiert hat.

Das Wohnhaus

Das großzügige Wohnhaus der Familie in Landsham bei Pliening (Landkreis Ebersberg). Vor der Tür parkt der Wagen der Ehefrau – ein schwarzer Porsche Cayenne. Die Autos liefen über Peter M.s Firmen. Er betrieb neben der Tankstelle in Bogenhausen auch noch einen Car-Cleaning-Service. Offensichtlich stand ihm das Wasser seit längerer Zeit bis zum Hals. Trotzdem lebte M. weiterhin auf großem Fuße, machte alles mit sich allein aus. Selbst seine Eltern, von denen er einst die Tankstelle übernommen hatte, ahnten nichts von dem finanziellen Desaster.

Die Vernehmung

Samstagabend in der Hansastraße: In den Räumen der Mordkommission wird Peter M. bis in die späten Abendstunden eingehend vernommen. Staatsanwältin und Ermittler konfrontieren ihn mit der Tatsache, dass seine Betrügereien aufgeflogen, sein Schuldenberg bekannt ist. Trotzdem bleibt der Familienvater (48) dabei, entführt worden zu sein. Später wird er in die Haftanstalt im Präsidium gebracht. Dort verbringt er die Nacht. Am Sonntagmittag wurde er dem Haftrichter im Präsidium vorgeführt. Mittlerweile sitzt er in U-Haft in Stadelheim.

tz

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