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Knast-Wärter pokern im Dienst

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Die Stadelheim-Wärter trafen sich hinter diesen Gefängnismauern zu illustren Poker-Runden. Während des Dienstes, versteht sich.
Die Stadelheim-Wärter trafen sich hinter diesen Gefängnismauern zu illustren Poker-Runden. Während des Dienstes, versteht sich. © Michael Westermann

Beamte der Justizvollzugsanstalt Stadelheim haben nachts ihre Wachposten verlassen und sich stattdessen in einem Dienstzimmer beim Pokern vergnügt.

Dafür wird nun ihr Gehalt gekürzt.

Einer der Beamten hatte gegen die Dizplinarmaßnahme seines Arbeitgebers geklagt. Trotz Pokerns sei er einsatzbereit gewesen, erklärte der 38 Jahre alte Beamte. Das aber sah die 17. Kammer des Verwaltungsgerichts anders. Die Dienstpflichtverletzung sei „sehr erheblich”, sagte die Vorsitzende Richterin.

In ihrer Urteilsbegründung verwies sie auf den Foltermord in der JVA Siegburg. Die massiven Übergriffe von Häftlingen dort hätten gezeigt, wie wichtig es sei, dass Wachleute schnell einschreiten können. Dafür müssten sie jedoch auf ihrem Posten bleiben, anstatt sich zu „professionellen Pokerrunden” zu treffen.

Am 26. April 2007 hatten sich vier Wachbeamte während ihres Nachtdienstes in Stadelheim in einem Dienstzimmer im Nordbau getroffen. Auf ihrem Pokertisch hatten sie eine grüne Decke ausgebreitet. Sogar einen silbernen Koffer mit Jetons hatten sie dabei. Als gegen 3.30 Uhr eine Kontrolle in den Raum kam, blickte diese in vier Pokerfaces. Es folgte ein Disziplinarverfahren.

Eine Gehaltskürzung von vier Prozent für ein Jahr sei für eine derart „schuldhafte Verletzung der Dienstplicht angemessen und notwendig”, sagte die Richterin. Sie ging sogar davon aus, dass es sich bei der nächtlichen Pokerrunde „bestimmt um kein einmaliges Ereignis” gehandelt habe.

Immerhin hatten die Beamten während des Pokerns ihren Wachbereich verlassen. Während sie im Nordbau saßen, wären Notrufe aus Zellen im Süd- und im Ostbau unbeachtet geblieben. Erst nach drei Minuten wird ein unbeantworteter Notruf automatisch an den Nachtdienstleister an der Haupttorwache weitergeleitet. Drei Minuten, in denen viel passieren kann.

Quelle: tz

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