Knochenbrecher-Imam? Glaubensbrüder schockiert

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Im Geretsrieder Gymnasium hat der Imam vor drei Wochen über interreligiöse Fragen diskutiert.

München - Ein Münchner Prediger soll eine seiner Frauen krankenhausreif geschlagen haben. Seine Glaubensbrüder zeigen sich entsetzt. Der Penzberger Imam Idriz sagt: „Das beschämt mich.“

Erst vor zwei Wochen sprach Abu A. an der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG). Sein Thema: „Ein Islam, der sich von Gewalt distanziert.“ Nun wurde der Imam verhaftet. Der Vorwurf: Körperverletzung. Der Prediger, der mit bürgerlichem Namen Hesham S. heißt, soll eine seiner drei Frauen so schwer misshandelt haben, dass diese mehrere Knochenbrüche erlitt (wir berichteten). Glaubensbrüder reagieren schockiert.

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Das Bild, das von Abu A. gezeichnet wird, ist ein widersprüchliches. A. gilt als Prediger gegen Gewalt und Terror, als sanfter Mann, der den Dialog mit anderen Religionen sucht. Damit war er über München hinaus bekannt geworden. Das Magazin „Der Spiegel“ widmete ihm vor wenigen Wochen eine Seite, das ZDF beschrieb Abu A. als „Bekehrer gewaltbereiter Konvertiten“. Auch deshalb lud Martin Rötting von der KHG München Abu A. als Redner ein. „Er war bekannt für die Ablehnung von Gewalt“, sagt Rötting.

Der Verfassungsschutz hingegen stuft den 40-Jährigen als extremistisch ein, beobachtet ihn schon „seit längerem“, wie ein Sprecher sagt. Dennoch hatte A. regelmäßig Kontakt zu Stadt und Polizei. A. gehörte zum Kreis jener, mit denen die Polizei sogenannte Kontakt-Gespräche führt, sagt Sprecher Wolfgang Wenger. „Diese Kooperation ist ein wichtiger Beitrag zur Integration.“

Die Integration fördern sollte auch eine Fortbildung für Imame, die die Stadt vergangenes Jahr veranstaltete. Abu A. nahm teil und lernte alles über deutsche Behörden und den deutschen Rechtsstaat.

Dass er dessen Gesetze im Privatleben nicht eingehalten haben soll, nehmen andere Münchner Imame mit Bestürzung zur Kenntnis. „Meine Frau und ich waren schockiert als wir das gelesen haben“, sagt Benjamin Idriz, der Imam von Penzberg, der auch in München ein islamisches Zentrum plant. „Das beschämt mich auch als Imam.“ Idriz betont, dass der Islam seiner Auffassung nach Gewalt gegen Frauen in keinster Weise rechtfertige. Der Prophet Mohammed habe gesagt: „Männer, die ihre Frauen schlagen, sollen nicht glauben, dass sie gute Menschen und gute Muslime sind.“ Idriz will den Vorfall auch in seiner Penzberger Gemeinde thematisieren – in seiner Freitagspredigt oder bei Treffen zum Gedankenaustausch. „Ein Mann der seine Frau schlägt, zeigt nicht Stärke, sondern Ohnmacht.“

Auch Sidigullah Fadai, Imam der Afghanischem Gemeinde München in Obersendling, zeigt sich „traurig“ über den Vorfall. „Ein Imam muss immer ein Vorbild sein, in jeder Hinsicht.“

Martin Rötting von der KHG wird weiterhin Vertreter des Islams einladen – doch Abu A., so sagt er, habe seine Glaubwürdigkeit verloren. „Die Studenten hatten seine Botschaft positiv aufgenommen. Nun werden sie das nochmal überdenken.“ Auch Hermann Probst, Pfarrer der Evangelischen Hochschulgemeinde an der TU, weiß, wie wichtig jungen Menschen die Glaubwürdigkeit von Religionsvertretern ist. Er warnt jedoch davor, das Fehlverhalten eines Einzelnen auf die gesamte Religion zu übertragen: „Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt in allen gesellschaftlichen Bereichen vor – und damit auch in allen Religionen.“

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