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Knödelschütz: Jetzt ist er runde 90

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Der Knödelschütz Helmut Winter mit seiner Frau Elisabeth. © Kowitz

München - Im Februar 1967 war Helmut Winter wohl der berühmteste Einwohner Münchens. Er war es, der der deutschen und amerikanischen Luftwaffe nur mit einem Knödelkatapult bewaffnet den Himmel über West-München abtrotzte.

 Jetzt feiert der Knödelschütz von Pasing seinen 90. Geburtstag. Beinahe im Stundentakt donnern im Jahr 1967 Überschallflieger im Landeanflug über die Dächer von Pasing. Als der Werbegrafiker vor Schreck über ein besonders lautes Exemplar Tusche auf eine fast fertige Zeichnung verschüttet, gibt er wütend eine Zeitungsannonce auf: „Flugabwehrgeschütz mit ausreichend Munition gesucht. Zur Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im westlichen Luftraum Münchens“.

Bald darauf schleicht der Bundesnachrichtendienst um sein Häuschen. „Die Anzeige war als Provokation gedacht. Darum war ich schockiert, als mir jemand tatsächlich eine Boden-Luft-Rakete verkaufen wollte.“ Viel eleganter ist die Lösung, die sich Helmut Winter selbst ausdenkt. Er lässt ein 1,10 Meter langes und 1,40 Meter hohes Wurfgeschütz aus Holz konstruieren – nach einem Entwurf von Leonardo da Vinci.

Und die Munition? Auf die Idee, besonders harte Kartoffelknödel zu verwenden, kommt seine Frau Elisabeth. Dann geht alles Schlag auf Schlag: Journalisten aus aller Welt belagern den Garten des Münchners und wollen Aufnahmen von der ersten Knödel-Flak in Aktion. Sogar die BBC und die New York Times sind da. Bei einem klärenden Knödel­essen gibt die Bundeswehr schließlich klein bei und befiehlt die Einflugschneise der Überschallflieger zu verlegen.

Auch heute kann Helmut Winter über sein Narrenstück noch herzhaft lachen. Deshalb feiert er seinen 90 Geburtstag im Wirtshaus in der Au. Dem Gasthof, in dem auch seine legendäre Knödel-Schleuder ein Zuhause fand.

A. Linder

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