Frühaufsteher in Dirndl und Lederhose

12.000 tanzen auf dem Kocherlball im Englischen Garten

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Frühaufsteher tanzen auf dem Kocherlball im Englischen Garten in München.

München - Tanzen im Morgengrauen unter freiem Himmel: Der Kocherlball im Englischen Garten in München hat Tausende frühmorgens gelockt. Das Wetter war bis zum letzten Moment ungewiss.

Donnergrollen, dicke Wolken und etwas Regen - doch das konnte die tanzbegeisterten am Gäste des Kocherballs in München nicht abhalten. Rund 12.000 Frühaufsteher haben am frühen Sonntagmorgen im Englischen Garten in einen heißen Sommertag hineingetanzt. Auch wenn die Veranstalter im vergangenen Jahr dieselbe Zahl nannten - der Zulauf scheint jedes Jahr zu steigen. Herausgeputzt in Tracht, aber auch in historischen Gewändern als Hausmädchen oder Dienstbote kamen die Ersten noch im Dunkeln zum Chinesischen Turm, um sich die besten Plätze zu sichern - und warteten bei Kerzenlicht auf den Start.

Die schönsten Bilder vom Kocherlball

So sah's auf dem Kocherlball in München aus

Als die Tanzmeister Katharina Mayer und Magnus Kaindl um Punkt 6 Uhr den ersten Walzer, Landler und Boarischen ansagten, hatten sich die Wolken verzogen - die Tanzfläche war vom ersten Takt der Wiener „Tanzgeiger“ an voll. Eine Aufforderung zum Tanz ganz ausschlagen gehört sich beim Kocherlball nicht, wie die Tanzmeisterin klarstellt. Erlaubt sind dafür gleichgeschlechtliche Tanzpaare - weil es gelegentlich an tanzbegabten Herren mangelt.

Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter war ebenfalls unter den Tanzenden. Im Rathaus regiert er zwar mit der CSU - aber den Walzer beherrscht nach eigener Aussage auch links herum. Und führen, sagt seine Frau Petra, könne er sehr gut.

München hat diesen Brauch 1989 wiederbelebt

Der Ball, der inzwischen auch viele Auswärtige anlockt, geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Damals hatten die „Kocherl“ - Küchenpersonal, Dienstmägde und Diener - nur in aller Herrgottsfrüh Zeit für einen Ball. Wenn ihre Herrschaften aus der Kirche kamen, mussten sie wieder arbeiten. Wegen angeblichen Sittenverfalls verbot die Obrigkeit die Bälle Anfang des 20. Jahrhunderts. Zum 200. Geburtstag des Englischen Gartens 1989 belebte die Stadt den Brauch wieder.

dpa

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