Kini-Forscher bekommt Morddrohungen

+
Ludwig-Experte Rudolf Reiser.

München - Der Münchner Autor Rudolf Reiser recherchierte für ein Enthüllungs-Buch über König Ludwig II. Von einem Königstreuen aus Germering erhielt er deshalb sogar Morddrohungen.

Wahnsinn: Nächstes Jahr jährt sich der Tod von Ludwig II. zum 125. Mal – und trotzdem sind Recherchen über sein Leben und seinen Tod noch immer von solcher Brisanz, dass man als Historiker nicht nur mit Beschimpfungen leben muss, sondern sogar Morddrohungen erhält.

„Ich stand sogar fast ein Jahr unter Polizeischutz“, gestand der Münchner Autor Rudolf Reiser jetzt der tz. Der promovierte Historiker, der sich seit Jahrzehnten mit dem Märchenkönig beschäftigt, berichtet von einem Anrufer, der ihm entschlossen mitgeteilt habe: „Wenn Du dieser Schreiberling bist, bring’ ich Dich um!“

Glaubt man Historiker Rudolf Reiser, war das Leben des Märchenkönigs ein einziges Drama

Reiser schaltet die Polizei ein. Die bat ihn, die Sache ernst zu nehmen und empfahl ihm, u. a. seine gewohnten Routen ständig zu wechseln. Außerdem fuhr eine Streife im Stundenrhythmus an seinem Haus vorbei. Doch glücklicherweise konnte der Anrufer schnell ermittelt werden. Reiser: „Es war ein Königstreuer aus Germering.“ Einer, der durch die Thesen Reisers, den Kini verunglimpft sah. Denn Reiser polarisiert, räumt mit Klischees auf. In seinem neuen Enthüllungsbuch Ludwig II. – Mensch und Mythos zwischen Genialität und Götterdämmerung“, das er am Mittwoch in Starnberg präsentierte, behauptet er jetzt sogar: Ludwig II. sei nicht der Sohn Maximilians II., sondern der Spross des Kammerdieners Guiseppe Tambosi.

Der Name Tambosi – der Vater gründete ein berühmtes Münchner Kaffeehaus – fällt in diesem Zusammenhang schon seit Jahren. Aber Reiser hat für seine These nun einen neuen Kronzeugen ausgemacht – den Stararchitekten der damaligen Zeit, Leo von Klenze. „Ich habe seine Aufzeichnungen ausgewertet. Wenn man die mit allen anderen Indizien zusammenfügt, gibt es keinen Zweifel mehr.“ Das Bild, das Reiser, von der Königsfamilie zeichnet, ist von fast shakespearschem Format: Maximilian I. fällt als Vater aus, weil er sich in einem Budapester Bad den Tripper geholt hat, die Mutter Marie, eine Preußenprinzessin, wird mit Alkohol gefügig gemacht … „Aber ganz egal, welcher Herkunft Ludwig II. ist, sein Lebenswerk sucht seinesgleichen“, versucht Reisner Königstreue zu versöhnen. „Für seine Eltern kann er nichts.“

WdP

Tambosi – Schlüsselfigur einer Tragödie

Ein König, der Tripper hat, eine Königin, die betäubt und vergewaltigt wurde – Rudolf Reisers Ludwig-Biographie zieht alle Register. Der tz erklärte der Autor, der 30 Jahre als Wissenschaftsredakteur für die Süddeutsche Zeitung arbeitete, wie er zu dem Schluss kommt, dass Ludwig II. der Sohn des italienischen Kammerdieners Tambosi ist.

Fakt 1: Reiser geht davon aus, dass Maximilian II, nicht der leibliche Vater sein kann, weil er sich 1835 bei einem Besuch der berüchtigten Budapester Bäder, den Tripper holte. Darüber, so Reiser, berichteten sogar Zeitungen. Da die Krankheit hochansteckend ist, Maximilians Frau Marie aber zeitlebens gesund war, ist sich Reiser sicher, dass das Paar niemals Sex miteinander hatte.

Fakt 2: Laut Reiser macht Kammerdiener Guiseppe Tambosi eine erstaunliche Karriere. Er wird zum Kellermeister befördert, mit Orden ausgezeichnet und bekommt, wie Reiser glaubt beweisen zu können, hohe geheime Geldzuwendungen. Aber nicht nur das. Gegenüber Leo von Klenze soll Maximilian wiederholt erklärt haben, dass Tambosi zwar ein Betrüger und elender Kerl sei, aber: „Ich kann ihn beßer als irgendeinen anderen gebrauchen.“ Für Reiser ein Indiz, dass der König Tambosi zum Stellvertreter kürte.

Fakt 3: Reiser glaubt eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen Leopoldine, der Tochter Tambosis, und Ludwig feststellen zu können. Er ist sich sicher: „Sie ist seine Halbschwester.“ Mehr dazu in Reisers Buch, das sich wie ein Krimi liest – auch die Kapitel über Ludwigs Tod. Aber was heißt schon Tod? Reiser sagt: „Es war ein perfider Mord. Ludwig wurde mit Chloroform betäubt und ertränkt.“

Rudolf Reiser, Ludwig II, MZ-Buchverlag, 168 S., 19,90 Euro.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare