Hier weint Kohl um seinen besten Freund Leo Kirch

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Der schwer kranke Altkanzler Helmut Kohl ließ es sich nicht nehmen, in der Michaelskirche eine Trauerrede für seinen besten Freund Leo Kirch zu halten

München - Für Altkanzler Helmut Kohl war es eine Herzensangelegenheit. In einer emotionalen Ansprache würdigte er seinen alten Freund Leo Kirch bei der Trauerfeier in München und musste dabei mit den Tränen kämpfen.

Der Abschied von Dr. Leo Kirch – er wurde zu einer Hommage an die Freundschaft. 600 Trauergäste gaben dem Medien-Unternehmer das letzte Geleit: erst bei einem Requiem in der Michaelskirche, dann bei einem Empfang in der Residenz. Seine letzte Ruhe findet Kirch auf dem Friedhof in Oberföhring. Bewegender Höhepunkt: die Rede von Kirchs bestem Freund, Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl.

Stilvolle Blumengebinde, vornehmlich aus weißen und roten Rosen, dahinter der goldfunkelnde Altarraum: Die Grabeskirche der bayerischen Könige erstrahlte am Freitag in ihrem schönsten Glanz. Aber der Verstorbene, von dem die Trauergemeinde in St. Michael Abschied nahm, sah sich selbst nur als ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn.

„Vor einem Jahr hat mich Leo Kirch gefragt, ob ich ihn als einfachen katholischen Christen beerdigen würde“, erinnert sich Hermann Breulmann. Und der Jesuitenpater hielt Wort: Er zelebrierte eine Messe, die nur am Rande den millionenschweren Erfolgen des Unternehmers Rechnung trug – vielmehr aber dem Menschen Leo Kirch. „Er hat nie vergessen, wo er herkommt. Kirch liebte die Weinberge und die Einfachheit des bäuerlichen Lebens.“ Der Erfolg sei ihm nie zu Kopf gestiegen.

Diese Bodenständigkeit verband Kirch über Jahrzehnte mit seinem besten Freund. Und Helmut Kohl war es auch, der mit einer sehr persönlichen Rede die Herzen der Zuhörer rührte. Unter Tränen sagte der Altkanzler: „Ich bin vor allem hier, um Danke zu sagen. Wenn bei uns in Deutschland ein großer Mann dahingeht, dann geht schnell das Gerede über ihn los. Aber dieser Mann hat unendlich viel Gutes getan – mit Worten und Taten.“

Kohl, der im Rollstuhl an Kirchs Sarg weilte, stockte immer wieder die Stimme. Aber in seinen Worten steckte das Herzblut tiefer Zuneigung: „Leo Kirch war seiner Zeit voraus, er hat uns immer mitgenommen in eine andere Welt. Er hat zugehört – und auch begriffen, was man sagt. Gott segne unsere Freundschaft!“

Als der von einem Schädel-Hirn-Trauma gezeichnete Altkanzler Kirchs Witwe Ruth die Hand schüttelte, hätte man in St. Michael eine Stecknadel fallen hören können.

Später, beim Empfang im Kaisersaal der Residenz, verneigten sich Größen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft buchstäblich vor Kohl. Auch nach dem kräftezehrenden Auftritt in der Kirche hielt sich der 81-Jährige tapfer, schüttelte Hände und konzentrierte sich auf Gespräche mit alten Weggefährten. Egal, wen die tz in der Trauergemeinde fragte – sie überschüttete den Altkanzler mit Respekt und Anerkennung für seine Rede.

Bereits in der Kirche hatte klassische Musik einen monumentalen Rahmen geschaffen. Franz Schuberts Werke, die Kirch so sehr geliebt hatte, erfüllten St. Michael mit der Würde eines großen Augenblicks.

Zum Abschied sagte Pater Breulmann: „Vor seinem Schöpfer hat sich Leo Kirch gebeugt.“ Zum ersten Mal am Ende eines kämpferischen Lebens.

Andreas Beez

Die Bilder

Trauerfeier für Leo Kirch

„Es ging uns unter die Haut“

Der Abschied: Er hinterließ in der hochkarätigen Trauergemeinde Spuren. Nicht nur Helmut Kohl dachte mit feuchten Augen an den Medien-Mogul und Menschen Leo Kirch zurück. In der tz beschreiben Freunde und Weggefährten ihre Eindrücke vom Requiem – und die Gefühle, die es bei ihnen ausgelöst hat:

Ministerpräsident Horst Seehofer: „Ich habe das ganze Requiem als bewegend empfunden. Eine wundervolle Liturgie und die persönlichen Worte von Helmut Kohl – das ging mir unter die Haut. Seit ich Ministerpräsident geworden bin, habe ich Leo Kirch näher kennengelernt. Er war voller Energie, ständig unterwegs, wollte immer etwas unternehmen. Aber Leo Kirch strahlte auch viel Herzlichkeit aus.“

Ex-CSU-Chef Erwin Huber: „Leo Kirch war ein sehr christlicher Mensch, deshalb stand der Gottesdienst ganz im Zeichen seiner tiefen Gläubigkeit. Kirch war ein außerordentlich liebenswürdiger Mensch, das Requiem hat seinen Charakter genau getroffen.“

Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel: „Dieses Requiem war typisch für Leo Kirch: Er hat die offene Jesuitenkirche gewählt, für jedermann zugänglich. Und ich es fand es bewegend, dass Helmut Kohl die Kraft aufgebracht hat, sich auf so persönliche Weise von seinem Freund Leo Kirch zu verabschieden.“

TV-Ärztin Dr. Antje-Katrin Kühnemann: „Diese Trauerfeier hat Leo Kirch wirklich entsprochen. Seine Lieblingsmusik von Franz Schubert wurde gespielt – in seiner Kirche. Leo Kirch war genauso, wie er hier beschrieben worden ist: bis zum Schluss hellwach.“

BR-Intendant Ulrich Wilhelm: „Wir haben ein Requiem erlebt, das verdeutlichte, was den Menschen Leo Kirch ausgemacht hat. Und auf der anderen Seite war es ein Spiegel seines Lebens mit all den Weggefährten.“

ZDF-Intendant Professor Markus Schächter: „Dieser Gottesdienst war bewegend. Er hat die Persönlichkeit von Leo Kirch voll und ganz erfasst. Die Rede von Helmut Kohl ging den Trauergästen außerordentlich nahe.“

Kirch-Anwalt Dr. Peter Gauweiler: „Helmut Kohl hat in St. Michael eine eindrucksvolle, aufrechte Rede gehalten.“

Dr. Gerhard Mayer-Vorfelder, ehemaliger Präsident des DFB: „Mich hat die Feier sehr berührt. Für ganz Fußball-Deutschland war Leo Kirch ein ganz wichtiger Mann.“

Kohls Trauzeuge: „Bewegend!“

Kai Diekmann (ganz l.) war neben Leo Kirch Trauzeuge bei der Hochzeit von Helmut Kohl mit seiner zweiten Frau Maike. Der Bild-Chef zur tz: „Es war Helmut Kohls letzte persönliche Begegnung mit Leo Kirch. Dass er heute in seiner ­Rede daran erinnert hat, fand ich sehr bewegend.“

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