„Kollegen, bitte hört auf mit dem sinnlosen Streik!“

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Busfahrer Kurt S. kann die streikenden Kollegen nicht verstehen. Er ist mit seinem Gehalt zufrieden.

München - Der MVG-Busfahrer Kurt S. ruft in einem dramatischen Appell seine GDL-Kollegen zur Besinnung auf. Der Streik soll endlich ein Ende haben.

Natürlich fährt er. Busfahrer Kurt S. (63) hätte am Dienstag Urlaub gehabt, als am Vormittag sein Handy klingelte – sein Boss von der MVG. Ob er nicht kommen könne, wegen des Streiks der paar GDL-Kollegen. Er zögert nicht. Um 12.50 Uhr startet seine Linie 56 ab Pasinger Bahnhof Richtung Fürstenried. Dienstende: 22.30 Uhr. „Ich mach’s für meine MVG, ich mach’s gern für die Passagiere“, sagt Kurt S.

Schlimme Szenen hat er an den letzten Streiktagen beobachtet: Kollegen, die mit ihrem Wagen einfach wegfahren. Menschen, die im Regen stehen. Kinder, die heulen. „Dabei sind die Schwächsten gerade auf den Bus angewiesen“, sagt der Fahrer. Und als er jetzt vom Streik bei der S-Bahn hörte, dachte er sich gleich: „Das nutzt die GDL aus.“ Wie schon zur Wiesn.

Mehr als 30 Jahre fährt er für die MVG. An so einen Arbeitskampf kann er sich nicht erinnern. „Die GDL nimmt nicht nur die Passagiere, sondern auch die eigenen Kollegen als Geiseln“, schimpft Kurt S. Da zeige sich, dass der Notfahrplan der vergangenen Wochen keine Schikane war. Er appelliert an die GDL-Kollegen: „Hört endlich mit diesen sinnlosen Attacken auf!“

Die Mehrheit seiner Kollegen sei gegen den Ausstand. Das sagt Kurt S. nicht nur, weil er seit mehr als 30 Jahren der Gewerkschaft Verdi angehört, gegen die sich die Angriffe der GDL-Splitter-Truppe auch richtet. Der Busfahrer liebt seinen Job und freut sich über die Lohnerhöhung von insgesamt 3,5 Prozent, die Verdi für ihn und seine Kollegen herausgeholt hat, die der GDL aber nicht reichen.

Mit seinem Gehalt ist er mehr als zufrieden: Der Grundlohn von rund 2400 Euro mag nicht besonders hoch erscheinen, sagt er, mit Zulagen, Prämien und Sonderbeträgen kommt er aber auf über 4000 Euro, manchmal sogar auf über 5000 Euro. Da bleiben leicht 2300 Euro netto übrig, sagt er – obwohl er nicht verheiratet ist, keine Kinder hat und entsprechend auf Steuerklasse 1 arbeitet. Und das für einen Job, der keine Ausbildung voraussetzt.

Gräben hätten die GDL-Kollegen aufgerissen, die nicht leicht zu stopfen seien. „Die haben einen Aushilfsfahrer der Stuttgarter Verkehrsbetriebe als Streikbrecher beschimpft. Der Mann war am Boden zerstört“, empört sich Kurt S. „Der Fahrer verlässt seine Familie für zwei Wochen, um bei uns seine Pflicht zu machen.“ Und den erledigt auch Kurt S. gerne. Dieser Busfahrer ist ein Held des Streiks.

David Costanzo

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