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Kommen 13 Sex-Täter in Bayern bald frei?

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Zelle auf! Im Freistaat werden womöglich bald 13 Sex-Täter und drei weitere Schwerverbrecher freigelassen © ap

München - Die Haft hatte ihn nicht ­abgeschreckt. Reinhold F. suchte seine Opfer in deren eigenen Wohnungen heim. In einer Sommernacht fiel der 54-Jährige über eine Bekannte her, würgte sie, drohte, sie zu töten.

Das Martyrium dauerte Stunden. Es war nicht seine einzige Tat.

Die Polizei ermittelte viele Monate lang und nahm den Serien-Vergewaltiger in einer Gaststätte in Sendling fest. Sein Richter urteilte: Haft und Sicherungsverwahrung – zum Schutz der Frauen. Fast 20 Jahre ist das her. Jetzt muss der Freistaat Schwerstverbrecher wie Reinhold F. wohl bald freilassen!

So will es der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg: Deutschland verstoße gegen die Menschenrechte. Der Gesetzgeber hatte 1998 die Sicherungsverwahrung verlängert und diese Regelung auf bereits verurteilte Schwerstverbrecher in Unterbringung angewandt. Konkret ging es um den vielfach vorbestraften Gewaltverbrecher Reinhard M., der 1986 wegen Mordversuchs zu fünf Jahren und Sicherungsverwahrung verknackt worden war. Er hätte also 2001 freikommen müssen. Darum sprachen ihm die Straßburger Richter sogar 50 000 Euro Schmerzensgeld zu!

Bayerns unheimliche Phantome

Das kann Folgen haben. Wenn sich das Urteil bestätigt, muss zum Beispiel der Freistaat 16 Häftlinge freilassen: acht Serien-Vergewaltiger, fünf Mehrfach-Kinderschänder, zwei Gewaltverbrecher und ein Einbrecher. Alle sitzen in Straubing. Unter ihnen sind drei Münchner Fälle:

- Sex-Täter Reinhold F., der im April 1999 in Sicherungsverwahrung kam.

- Kinderschänder Dietmar R., der bereits zehn Jahre wegen Sex-Taten in Haft saß und 1993 wieder einen 10-jährigen Buben missbrauchte. Der damals 49-jährige Täter hatte den Schüler in der Stadt angesprochen und in ein Parkhaus gelockt.

- Otto H., der wegen versuchten Mordes sitzt und nach dem Straßburger Urteil im November 2006 hätte freikommen müssen. Demnach stünde auch ihm ein saftiges Schmerzensgeld zu.

Justizministerin Beate Merk (CSU) will gegen das Urteil kämpfen und Freilassungen mit allen rechtlichen Mitteln verhindern: „Wir müssten mit Führungsaufsicht, engmaschigen Kontrollen und Überwachungen alles versuchen. Die Bevölkerung braucht und verlangt Schutz. Und das ist Aufgabe des Staates.“ Bundesweit wären derzeit 70 Häftlinge betroffen.

tz

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