Für die Gerechtigkeit

Kommentar zum Schleier-Urteil: Gesicht zeigen!

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Amira B. musste ihren Schleier ablegen, um bei der Wahrheitsfindung mitzuwirken.

München - Muss eine Frau muslimischen Glaubens ihren Schleier abnehmen, wenn sie als Zeugin aussagen muss? Ja, sagt das Gericht. Und auch unser Autor stimmt dem Urteil zu.

Es klingt wie eine Gretchenfrage der Justiz: Muss eine Frau muslimischen Glaubens ihren Schleier abnehmen, wenn sie als Zeugin vor Gericht aussagt? Darf man sie sogar dazu zwingen, ihr Gesicht zu zeigen, um ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen? Das Münchner Landgericht hat entschieden: Ja, das ist rechtens – im Sinne der Wahrheitsfindung. Und diese Entscheidung ist absolut richtig! Der Fall ist brisant, so viel ist klar. Denn in dem Gerichtsprozess ging es lediglich um eine Beleidigung: Ein Architekt soll Amira B. (43) am Hauptbahnhof beschimpft haben, aber der Angeklagte wurde freigesprochen.

Warum also die Aufregung? Weil es hier um Grundsätze geht. Um Gleichbehandlung. Und um die Abwägung von Recht und Religionsfreiheit. Daran schließen sich wichtige Fragen an. Wenn eine Zeugin ihre Mütze abnehmen muss, um in einem Strafprozess auszusagen: Wie könnte das Gericht dann einer anderen Zeugin erlauben, währenddessen ihren Schleier zu tragen? Das wäre ungerecht. Wenn alle Zeugen ihr Gesicht zeigen müssen, damit die Richter auch ihre Mimik beurteilen können: Darf man einzelne Zeugen dann von dieser Regelung ausnehmen? Nein. Das würde das deutsche Recht untergraben. Aber dieses gilt in der Bundesrepublik unabhängig von Religionen – nicht nur für Amira B., sondern für alle Menschen. Sie musste ihr Gesicht zeigen, damit die Wahrheit vor Gericht gefunden werden konnte.

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