Merkur-Kommentar

Streit um Fahrverbote: München könnte handeln

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Martin Prem

Der Verkehr ist nur eine von vielen Ursachen für die Belastung mit Stickoxiden. Ein generelles Fahrverbot ist nicht die Lösung, es gibt auch einen anderen Ansatz. Ein Kommentar von Martin Prem. 

Einmal angenommen, ab morgen dürfte kein Fahrzeug mit Dieselmotor mehr durch München fahren. Einmal angenommen, durch ein Wunder wäre der Müll morgens verschwunden und Heinzelmännchen würden jede Nacht die Supermarktregale wieder füllen. Wäre die Stadtluft sauber? Wohl nicht. Der Verkehr ist eine von mehreren Ursachen für die Belastung mit Stickoxiden. 15, in der Stadt vielleicht 25 Prozent gehen auf Dieselabgase zurück. Man muss nur die Grundrechenarten bemühen, um zu überschlagen, dass die geltenden Grenzwerte auch bei einem völligen Diesel-Verbot nicht erreichbar sind.

Bevor der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter nach Fahrverboten ruft, sollte er einen Blick auf die bekannten Messpunkte werfen. Die Grenzwerte werden ausgerechnet besonders deutlich an den Stellen überschritten, die auch für ihre permanenten Ampel-Rückstaus berüchtigt sind. Das entspricht auch wissenschaftlichen Erkenntnissen: Die wirksamste Maßnahme gegen die Stickoxidbelastung in der Stadt ist die Verflüssigung des Verkehrs etwa durch grüne Wellen bei mäßigem Tempo.

Der Vorteil: Die Stadt könnte auch ohne die rechtlichen Vorgaben handeln, die sie für ein Fahrverbot bräuchte. Der Nachteil: Die entsprechende Optimierung komplexer Ampelsysteme ist richtig harte Arbeit. Aber kluge Politik wäre es, zunächst das zu leisten, was man selbst tun kann, bevor man daran denkt, andere durch fragwürdige Verbote zu drangsalieren.

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