Kommissar Wilflings Fälle im TV

Mord an Frau (49): Erotik-Hotline als Alibi

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Josef Wilfling und TV-Pendant Klaus Meile.

München - Kommissar Wilfling ermittelt heute noch mal im Bayerischen Fernsehen. Die tz stellt die Originalfälle vor, auf denen die Filmkrimis basieren.

Es bleibt spannend: Das Bayerische Fernsehen setzt die insgesamt vierteilige Sendereihe Lebenslänglich Mord fort. In der vierten und letzten Staffel werden heute die letzten drei von insgesamt zwölf authentischen Mordfällen des ehemaligen Chefs der Münchner Mordkommission und Erfolgsautors Josef Wilfling gezeigt. Alle vier Folgen werden vom 14. November bis 5. Dezember jeweils freitags um 21 Uhr noch einmal wiederholt. Die Fälle wurden in Teilen verfilmt und werden von Josef Wilfling persönlich erläutert. Nach 42 Jahren Polizeiarbeit – 22 davon bei der Münchner Mordkommission – ist der berühmte Ermittler überzeugt: „Jeder kann zum Mörder werden.“ In den Filmen wird Wilfling von dem Nürnberger Schauspieler Klaus Meile dargestellt. Ein Darsteller, vom dem Wilfling sagt: „Er spricht und denkt wie ich. Manchmal dachte ich, ich bin es selbst.“ Die tz stellte die Originalfälle vor, auf denen die Filmkrimis basieren.

Dorita Plange 

Sex-Hotline als Alibi

Eine Filmszene für Hartgesottene: Notärzte und Ermittler bei der Leiche.

Als er abends allein und ziemlich betrunken ins Bett ging, war seine gute Bekannte Monika D. (49) noch gesund und munter. Als er am nächsten Morgen aufstand, lag sie mit eingeschlagenem Schädel im Wohnzimmer – tot! Geschockt floh Frührentner Günther K. (53, Name geändert) aus dem Haus in der Landsberger Straße, wankte zu seinem Stamm-Kiosk und sagte dort unter Tränen: „Die Monika liegt tot in meiner Wohnung. Ich weiß nicht, was passiert ist.“

In diesem Haus wurde die Frau erschlagen.

Diese menschlich nachvollziehbare Reaktion überzeugte damals im März 2002 auch Josef Wilfling: „Er war nicht unser Täter.“ Weitaus verdächtiger war da schon Monikas Lebensgefährte Klaus T. (35, Name geändert) – ein krankhaft eifersüchtiger Techniker, der Monika D. regelrecht observierte und von dem sie sich am Tag vor dem Mord getrennt hatte. Doch er hatte für die Tatzeit ein Alibi: Seine Telefonrechnung wies aus, dass er die halbe Nacht mit einer Sex-Hotline telefoniert hatte. Eine schlaue Finte, wie sich bald erwies. Klaus T. hatte eine Dauer-Wahlwiederholung eingerichtet, bevor er zu Günther K.s Wohnung fuhr. Weit nach Mitternacht machte er vor der Tür ein solches Theater, bis die noch wache Monika die Tür öffnete. Ihr Todesurteil: Er erschlug sie mit einem Knüppel und floh. Er wurde später zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

Enthauptet wegen Katze

Steve T. nach dem Freispruch im Gericht.

Eine weiße Siamkatze namens Puma war im Sommer 1999 der Auslöser für ein Morddrama, dessen Auswirkungen Josef Wilfling zuweilen am Verstand der Menschen – speziell gewisser Damen der Gesellschaft – zweifeln ließen. Die Katze und noch dazu ein Hütehund namens Wolf gehörten dem charismatischen Weltenbummler Steve T. (50, Name geändert), der mit seinen Tieren bettelte, an manchen Tagen bis zu 400 D-Mark (200 Euro) bekam und dennoch stets unter freiem Himmel lebte. Ein Asket aus Kanada, der nur von Tomaten und Wasser lebte und im Englischen Garten spirituelle Lesungen hielt. Die Damen der Gesellschaft hingen an seinen Lippen. An einem stürmischen August-Abend suchte Steve T. nur wegen seiner Tiere Schutz im Klosterhof von St. Bonifaz in der Karlstraße. Er wurde von anderen Obdachlosen verjagt und ging zurück in den Englischen Garten. In der Nacht verschwand Puma. Von Hunden zerrissen, wurde die Katze später gefunden. Steve T. schrie vor Trauer. Am Abend des 25. August 1999 soll er im Klosterhof den schlafenden Obdachlosen Thomas S. (35) mit einem Rambomesser nahezu enthauptet haben. Zwei Zeugen hatten Steve und den Hund am Tatort gesehen, doch vor Gericht waren sie sich nicht mehr sicher. Mangels Beweisen wurde der Kanadier freigesprochen. Seine Anhängerinnen jubelten – und Wilfling sagt heute: „So funktioniert der Rechtsstaat. Unter diesen Umständen war das Urteil richtig.“ T. kehrte zurück in die kanadischen Wälder. Wochen nach dem Prozess fanden Gärtner im Englischen Garten ein halb vergrabenes Rambo-Messer. Daran haftete noch das Blut des Mordopfers und die DNA des Kanadiers …

Die Jagd nach Casablanca

Sein ganzer Stolz waren sein Wohnwagen und sein neues Auto. Dafür hatte Horst Günther D. (73) viele Jahre in einer Garchinger Spedition gearbeitet. Sein Chef hatte nichts dagegen, dass der freundliche Rentner seinen bescheidenen Lebensabend im Wohnwagen auf dem Speditionsgelände verbrachte. Dann jedoch machte er zwei schwere Fehler. Er prahlte zuweilen mit seinen Ersparnissen – immerhin 30 000 D-Mark. Und er hatte Mitleid mit dem ewig abgebrannten Junkie-Pärchen Dieter T. (30) und Alexa P. (25), die in der Nähe wohnten und denen er Geld geliehen hatte.

Die Film-Ermittler beim Einsatz vor dem Wohnwagen.

Am Morgen des 26. November 1997 war Horst Günther D.s blauer Seat weg – und sein Wohnwagen blieb geschlossen. Auch in den folgenden Tagen rührte sich dort nichts. Am 2. Dezember machte sich ein Freund Sorgen. Er öffnete die Wohnwagentür und prallte entsetzt zurück. Horst Günther D. war seit Tagen tot – erwürgt! Die Fahndung nach dem geldgierigen Mörder-Pärchen ähnelte einer Schnitzeljagd . „Die beiden hatten in der Spedition Tankkarten gestohlen, die sie auf ihrer Flucht freundlicherweise lückenlos einsetzten und uns damit die Arbeit erleicherten“, so Wilf­ling. Die Spur endete erst in Marokko. Nach sieben Monaten wurde das mit internationalen Haftbefehlen gesuchte Pärchen im Juni 1998 in Rabat beziehungsweise Casablanca verhaftet und nach München ausgeliefert.

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