Panne bei "ImmoScout"

Unfreiwilliges Inserat bringt Arzt jede Menge Ärger

München - Betrüger haben eine Mietwohnung im Immobilienportal "ImmoScout" angeboten und die Telefonnummer eines Arztes benutzt - ohne dass dieser davon wusste. Der Mann wurde mit Anrufen überschwemmt - und musste dies zunächst hinnehmen

Das Angebot war der Wahnsinn: 1000 Euro Kaltmiete für 130 Quadratmeter in der Ludwigs-/Isarvorstadt. Saniert, Parkett, Einbauküche. Kein Wunder, dass bei Markus Kronbihler (Name geändert) das Telefon nicht stillstand. Drei Tage lang. Längst hatte er den Anrufbeantworter besprochen: „Meine Kontaktdaten sind missbraucht worden. Das Inserat stammt nicht von mir.“

Kronbihler, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte keine Wohnung zu vermieten. Stattdessen hatte jemand seine berufliche Telefonnummer und Adresse benutzt, um beim Internetportal ImmobilienScout24 eine betrügerische Anzeige zu schalten. Und bis diese gelöscht war, dauerte es drei Tage.

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Als Mittwochmorgen die ersten Anrufe eingingen, entdeckte Kronbihler das falsche Inserat auf dem Internetportal. Um 10.30 Uhr schickte er eine Mail an ImmoScout, gegen 12 Uhr eine zweite. Eine automatische Mail-Antwort bestätigte, man werde bald mit ihm Kontakt aufnehmen - „was aber nicht der Fall war“, so der Arzt. Um 12.45 Uhr war er in einer Therapiesitzung, als es an der Praxistür klingelte. Jemand wollte die Wohnung besichtigen. Kronbihler griff wütend zum Hörer. Nach langer Warteschleife habe er um 13.15 Uhr eine ImmoScout-Mitarbeiterin erreicht. Der habe er erst sachlich, dann emotional seine Notlage geschildert. Die Mitarbeiterin sei höflich desinteressiert gewesen. Man habe viele Kunden und könne ihn nicht bevorzugen. Darum werde sein Fall erst am Freitag bearbeitet. Normalerweise, sagt Kronbihler, erhalte er täglich fünf bis zehn Anrufe von Patienten. Am Mittwoch seien es über 300 Anrufe gewesen. Von Donnerstag bis Samstag weitere 300. „Meine Praxis wurde geschädigt“, sagt er, weil die Rufnummer nicht für Patienten frei war.

ImmoScout nahm die Anzeige erst am Freitag gegen 14.30 Uhr aus dem Netz - eine gute Stunde nach einem Anruf unserer Zeitung in der Pressestelle. Sprecherin Sonja May: „Das Problem mit Fake-Objekten ist uns seit längerem bekannt.“ Die klassische Masche funktioniere so: Ein Betrüger stelle ungewöhnlich attraktive Wohnungsangebote ein. Nehme der Interessent Mail-Kontakt auf, laute die Antwort, der Vermittler sei auf Reisen, könne aber gegen Vorauszahlung einer Kaution den Schlüssel für eine Wohnungsbesichtigung zusenden - was natürlich nie passiert. May warnt: „Finger weg, wenn jemand vorab Geld will.“ Um ihr Angebot seriöser wirken zu lassen, gäben Betrüger oft fremde, real existierende Telefonnummern an. Das vermutet May auch im Fall Kronbihler. Um auffällige Inserate - bei denen etwa Lage und Preis nicht zusammenpassen - rasch entfernen zu können, verwende man technische Suchfilter. ImmoScout habe selbst großes Interesse daran, Falschinserate zu reduzieren. „Wir reagieren schnell“, sagt May. Mithelfen könnten auch die User: indem sie unter seltsamen Angeboten auf das Feld „Melden“ klickten.

Doch warum musste Kronbihler so lange warten? „Es kann sein, dass es am Feiertag lag“, so May. Da arbeite die Qualitätssicherung „nicht in voller Mannstärke“. Ein Fall wie Kronbihler sei „eine Ausnahme“. Was diesen nicht tröstet. Eigentlich wollte er mangels Erfolgsaussichten keine Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Weil der oder die Betrüger aber weiter in seinem Namen E-Mails verschicken, hat er nun eine Rechtsanwalts-Kanzlei eingeschaltet. Von ImmoScout erhielt er eine Standard-Mail, in der stand, dass man betrügerische Inhalte „im Regelfall innerhalb weniger Stunden“ deaktiviere. Kronbihler beschreibt seine Gefühle so: „Wut, Mitleid mit den Interessenten, Angst, wenn einem die Kriminalität so dicht auf den Leib rückt, Hilflosigkeit angesichts des Verhaltens von ImmoScout."

Christine Ulrich

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa-tmn

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