Amtsgericht

Pfusch bei Kosmetik-Behandlung: Kundin bekommt Schmerzensgeld

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Zu dicke Linien, schimmernde Farben: So sollte das Ergebnis nicht aussehen.

Weil sie Permanent-Make-up nicht fachgerecht aufgetragen hat, muss eine Münchner Kosmetikerin jetzt 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Kundin leidet bis heute an den Folgen der Behandlung.

Obwohl sie gegen viele Kosmetika allergisch ist, wollte Christa F. (Name geändert) nie auf ein ansprechend geschminktes Gesicht verzichten. Die Lösung für ihr Problem schien perfekt: ein dauerhafter, perfekter Lidstrich mithilfe von Permanent-Make-up. Doch statt des gewünschten Ergebnisses hat die 51-Jährige heute Probleme, in den Spiegel zu schauen. Wegen der mangelhaften, nicht fachgerechten Ausführung hat das Amtsgericht München die Kosmetikerin jetzt zu 2500 Euro Schmerzensgeld verklagt.

Christa F. hatte die Entscheidung nicht leichfertig getroffen. Doch viele Kosmetika hatten ihr Probleme bereitet, weil sie Schwellungen und Hautausschlag verursachten. Ihr Augenarzt hatte ihr 2002 von der Möglichkeit des Permanent-Make-up erzählt. Dabei wird mit einer dünnen Nadel Farbe in die oberste Hautschicht eingebracht. Anders als bei Tätowierungen verblasst die Farbe normalerweise nach maximal fünf Jahren.

Christa F. erkundigte sich genau, welches Kosmetikstudio dafür in Frage käme. Sie entschied sich schließlich für eine etwas ältere Fachfrau in der Münchner Innenstadt. „Ich dachte, die hat schon mehr Erfahrung“, erzählt F. Auch das Vorgespräch lief gut. Das Studio wirkte sauber, und die Kosmetikerin malte den Lidstrich genauso vor, wie es sich Christa F. vorgestellt hatte.

„Der Lidstrich war viel dicker und intensiver als ich wollte“

Nicht ideal hingegen war das Ergebnis der Behandlung. „Der Lidstrich war viel dicker und intensiver als ich wollte“, erinnert sich die 51-Jährige. „Doch ich dachte, im Lauf der Zeit verblasst das ja.“ Das war aber nicht der Fall. 2008 ging F. deshalb erneut zur Kosmetikerin, um den Lidstrich unterm Auge verschmälern zu lassen. Mit einem Hautton deckte die Kosmetikerin einen Teil der Farbe ab. „Schön war das Ergebnis nicht“, sagt Christa F. Zwei Jahre später ließ sie deshalb nochmals nacharbeiten. Besser wurde das Ergebnis auch dabei nicht – im Gegenteil: Auf der rechten Seite war der Strich schmäler als links, und die Farbe, die eigentlich den zu breiten Strich abdecken sollte, schimmerte hell.

Als sie von der Kosmetikerin Belege über die Behandlung forderte und wissen wollte, und welche Farben sie benutzt hatte, gab sich die Frau bedeckt, wollte nichts herausgeben. „Da habe ich mir schon gedacht, dass etwas falsch gelaufen ist.“ Die Behandlungen selbst seien sehr schmerzhaft gewesen und hätten zum Teil viel länger als üblich gedauert. Irgendwann reichte es Christa F. Sie forderte Schmerzensgeld und Ersatz für alle künftigen Schäden. Die Kosmetikerin weigerte sich zu zahlen. Der Streit endete vor Gericht.

Das Amtsgericht München gab Christa F. jetzt recht. Ein Sachverständiger bestätigte den Pfusch: asymmetrische Linienführung, falsche Farbtöne und Farben, die viel zu lange halten. 2500 Euro Schmerzensgeld bekommt Christa F. nun. Außerdem muss ihr die Kosmetikerin zukünftige Schäden ersetzen, die Folge ihrer Behandlung sind. „Doch auf eine erste Rechnung hat sie schon nicht reagiert“, sagt F.s Anwalt Thomas Hofknecht von der Kanzlei Dr. Jockisch Rechtsanwalts- GmbH in Landshut. Was er auch nicht versteht: Die Kosmetikerin habe sich bis heute nicht entschuldigt für ihren Fehler.

Christa F. muss nun mit den Folgen ihrer damaligen Entscheidung leben. „Ob die Farben jemals verblassen, ist unklar“, sag sie. „Wenn ich bei grellem Bad-Licht morgens in den Spiegel schaue, denke ich noch immer ,um Gottes willen‘.“ Sie muss nun wieder auf Kosmetika zurückgreifen – um das Permanent-Make-up zu überschminken. Bei vielen Fachleuten war sie schon. Sie überlegt sogar, ob sie sich am Auge operieren lassen soll.

Es fällt ihr schwer, über das Erlebte zu sprechen. Erkannt werden möchte sie nicht. Doch sie möchte andere vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. Sicher gebe es heute mehr Fachleute als damals bei ihr, die ein gutes Ergebnis erzielen. Aber unter Umständen treffe man auch „eine Entscheidung, die das ganze Leben verändert.“

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