Kosten für Heizöl jetztschon um 650 € teurer Haushalte von Geringverdienern besonders betroffen / Gaspreise steigen weiter

Die Zahlen sind schockierend: Den bundesdeutschen Durchschnittshaushalt hat der Ölpreisanstieg seit Jahresbeginn bereits rund 650 Euro gekostet, wie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) jetzt im Auftrag des Magazins „Spiegel“ berechnete.

Steigt der Ölpreis gar auf 200 Dollar, beliefen sich die Einbußen an Kaufkraft pro Haushalt sogar auf mehr als 1500 Euro oder insgesamt 35 Milliarden Euro.

Auch beim Gas steht nach Erhebungen des Verbraucherportals Verivox die nunmehr sechste Preisrunde in diesem Jahr an. 89 Gasanbieter erhöhen zum 1. August die Preise, zum 1. September sei dies von acht weiteren Versorgern bekannt, teilte Verivox mit. Künftig müssten die Verbraucher durchschnittlich 13 Prozent mehr bezahlen, was bei einem Durchschnittshaushalt einer jährlichen Mehrbelastung von 170 Euro entspricht.

Den Berechnungen des RWI zufolge belastet die Preisentwicklung insbesondere Geringverdiener sowie Familien mit Kindern. So ist der Einkommensanteil, den niedrig verdienende Vier-Personen-Haushalte für Benzin, Heizöl, Gas und Strom aufwenden, seit Jahresbeginn von gut 14 Prozent auf 18 Prozent gestiegen. Klettert der Ölpreis auf 200 Dollar, müssten diese Familien den RWI-Berechnungen zufolge sogar fast ein Viertel ihres Einkommens für Energie ausgeben. Für gutverdienende Singles würde sich der Energiekostenanteil dagegen lediglich von derzeit 4,8 Prozent auf 6,3 Prozent erhöhen.

Doch die Kostenexplosion betrifft nicht nur den privaten Verbrauch. Wegen der hohen Energiekos-ten schließen Städte und Gemeinden Gebührenerhöhungen nicht aus. Die Heizkosten für 40 000 Schulen, 50 000 Kindergärten und 15 000 Verwaltungsgebäude stellten die Kommunen vor große Probleme, erklärte der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Nach Angaben des Hauptgeschäftsführers des Kommunalverbandes, Gerd Landsberg, wolle man Gebührenerhöhungen zwar vermeiden, sie seien aber nicht auszuschließen.

Die Energiekosten machten bereits jetzt über 2,6 Milliarden Euro im Jahr aus und entwickelten sich zum Haushaltsrisiko. Viele der öffentlichen Gebäude stammten aus den Sechziger Jahren und müssten dringend saniert werden. Belastungen ergeben sich dem Verband zufolge auch, weil die Kommunen über 70 Prozent der Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger zahlen müssen. Es gebe 3,6 Millionen Familien, deren Heiz- und Energiekosten vollständig übernommen würden.

Eine von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos eingesetzte Expertengruppe prüft derzeit Maßnahmen zur kurzfristigen Entlastung der Verbraucher. Laut Informationen des „Spiegel“ könnte den Haushalten künftig ein Bonus gewährt werden, die mit ihrer Stromrechnung einen sparsameren Verbrauch als im Vorjahreszeitraum nachweisen können. Finanziert werden könnte dies aus den Erlösen, die der Staat mit dem Verkauf und der künftigen Versteigerung von Kohlendioxid-Zertifikaten erzielt.

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