Kosten-Schock auf dem Viktualienmarkt

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Der Viktualienmarkt im Herzen Münchens: Bei einer Mieterhöhung wird’s vor allem für die Kunden teurer.

München - Für viele ist der Viktualienmarkt die schönste Oase der Stadt. Hier gibt’s Qualität pur – die natürlich auch ein paar Euro mehr kostet. Ab 2012 könnte es noch teurer werden.

Grund: Die Stadt will die Standl-Mieten anheben. Wer zahlt’s? Zunächst die Händler – und wohl im Endeffekt alle, die hier gerne einkaufen. Es geht um 15 Prozent!

Übermorgen entscheidet der Kommunalausschuss des Stadtrats über die Erhöhung. Begründet wird gleich zweigleisig: Zum einen seien die Mieten „auf einem sehr niedrigen Niveau“ und die Kostenentwicklung mächtig. Die letzte Gebühren-Anpassung habe es vor acht Jahren gegeben. Zum anderen stünden umfangreiche Sanierungen an.

Zwei Arten von Standln gibt’s auf dem Viktualienmarkt: die öffentlich-rechtlich zugewiesenen und die mit privatem Mietrecht. Letztere enthalten meist Index-Klauseln, die eine festgeschriebene prozentuale Mieterhöhung beinhaltet. Die öffentlich-rechtlichen Standl-Mieten lägen „auf einem sehr niedrigen Niveau“, so das Kommunalreferat: zwischen 200 Euro und 880 Euro. Ein fiktives Beispiel: Ein Lebensmittelhändler mit Gastronomie hat einen Jahresumsatz von 3,3 Millionen Euro. Bei der neuen Gebühren-Satzung müsste er dann 175 000 Euro jährlich zahlen – umgerechnet 5,3 Prozent vom Umsatz.

Durch die Erhöhung der Mindestgebühren erhofft man sich ab 2013 Mehreinnahmen von 950 000 Euro, durch die Anpassung der übrigen Mietverträge nochmals 450 000 pro Jahr.

Was halten die Standlbesitzer auf dem Markt von der Miet-Erhöhung?

Markt ist veraltet

Georg Furmeier

Diese Miet-Erhöhung wäre ausschließlich nachvollziehbar, wenn die Stadt etwas in die Modernisierung des Viktualienmarktes investieren würde! Nachts gleicht der Markt einer Gespensterburg, weil nur kleine Funzeln leuchten. Neue Toiletten sind ebenfalls nötig – das „Herz Münchens“, wie OB Ude es nennt, hätte es verdient. Wenn sich was ändert, würde ich mehr zahlen. Aber natürlich werde ich zwangsweise meine Preise erhöhen müssen.

Georg Furmeier (49), Gewürzwerk

Mehr Gerechtigkeit!

Hans Hollweck

Ich hoffe, dass der Beschluss zu mehr Gerechtigkeit führt! Bisher werden Standler bestraft, die jeden Tag verkaufen. Andere, die zwei Tage pro Woche verkaufen, kommen nicht in die Nähe der Umsatzgebühr. Die Umsatzgebühr muss vereinheitlicht werden, ein goldener Mittelweg muss her. Wenn die Werbegebühr wegfällt, wäre das super – mit dem Geld können wir dann selbst beschließen was wir machen. Wenn’s nicht gerechter wird, erheben wir Einspruch!

Elke Fett, Marktsprecherin (67)

Preise erhöhen

Elke Fett

Wie jedem Mieter hier ist es mir unrecht, wenn ich mehr zahlen soll. Diese Erhöhung ist sehr happig! Natürlich muss ich Mehrkosten eins zu eins weitergeben und die Preise anpassen, wie soll ich sonst überleben? Ich muss ja auch Mitarbeiter bezahlen. Unsere Preise sind aber moderat genug –die Kunden verstehen das. Außerdem sind wir hier am Viktualienmarkt immer noch moderater als die Händler in der Schrannenhalle nebenan.

Hans Hollweck (60), Rottler Stammhaus

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